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Eindrucksvolles Foto: Holocaust-Überlebender hält seine Urenkelin im Arm

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Jessica Glatt aus New Jersey in den USA überlegte lange, ob sie dieses Foto veröffentlichen sollte. Es war so fest mit dem Schicksal ihrer Familie und starken Emotionen verbunden, dass sie es lieber fünf Jahre lang in einer Schublade aufbewahrte.

Aber schließlich wollte sie ein Zeichen setzen gegen das Vergessen – und veröffentlichte das Foto vor einem Jahr zusammen mit einem Essay auf der amerikanischen Webseite „Kveller.com“, die sich an ein jüdisches Publikum richtet.

Berührendes Foto von einem Holocaust-Überlebenden und seiner Urenkelin

Es zeigt Jessicas Tochter Harli, die sich an dem Arm ihres Urgroßvaters festhält. Auf seinem Arm sieht man eine Tätowierung: Seine KZ-Nummer.

Jessicas Großeltern Max und Anna Durst sind beide Holocaust-Überlebende. Max Durst überlebte die Konzentrationslager, während seine Familie von den Nazis ermordet wurde. Seine Frau Anna Durst schaffte es, sich vor den Nazis zu verstecken – aber auch sie verlor ihre Familie.

Diese schrecklichen Ereignisse und die Ermordung ihrer Familien wird für immer Teil ihrer Geschichte sein. Trotzdem haben beide es geschafft, ihr Leben weiter zu leben und eine Familie zu gründen. Sie können nun sogar ihre Urenkel kennenlernen. Jessica war sich bewusst, wie kostbar dieser Moment war.

Ein besonderes Erinnerungsstück

Jessica schrieb in dem Facebook-Post von „Kveller.com“:

“Als Harli drei Monate alt war, flogen meine Mutter und ich nach Florida, um meine Großeltern zu besuchen. Wir finden, dass es wirklich unglaublich ist, dass sie nach all dem, was sie durchmachen mussten, noch ihre Urenkelin sehen und erleben können. Wir wollten diesen besonderen Moment in unserer Erinnerung behalten und meine Mutter fand einen Fotografen, der Familienfotos von uns machte.

Mein Großvater war nach ein bisschen Überzeugungsarbeit auch einverstanden, dass man eine Fotoserie mit ihm und Harli macht, wie sie in seinem tätowierten Arm liegt.

Das ist mein Lieblingsfoto. Ich habe es nicht gerahmt, sondern in eine Schublade gelegt, weil ich mir nicht sicher bin, ob und wie ich es zeigen soll. Heute ist der erste Tag, dass jemand außerhalb der Familie es sehen kann.“

Die Großeltern waren gerührt

Jetzt, zum Internationalern Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, berichtet Jessica dem amerikanischen Elternportal „Today.com“, wie ihre Eltern auf die Veröffentlichung des Fotos im Internet reagiert hatten. „Sie waren gerührt von den Reaktionen der Menschen“, erzählte die junge Mutter. Ihre Großmutter hätte beim Lesen der Kommentare Tränen in den Augen gehabt.

Ihren Großeltern, jetzt 89 und 86 Jahre alt, ginge es nach wie vor gut. Sie seien noch geistig fit und würden gerne die Möglichkeit nutzen, viel mit Freunden und Familie zu unternehmen.

Jessica bereut nicht, das Foto gepostet zu haben: „Jedes Jahr gibt es weniger Holocaust-Überlebende, die ihre Geschichten erzählen können“, sagte sie „Today.com“. Sie hofft, dass das Foto dabei hilft, die sechs Millionen Toten nicht zu vergessen.

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(sho)