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Auftritt von Xavier Naidoo verbreitet sich bei Facebook - "überall gesperrt"

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Es gibt Menschen, die trauen sich, die Wahrheit auszusprechen. Auch wenn sie weh tut. Die Deutschen lieben solche Rebellen, gerade jetzt. In einer Zeit, in der viele unzufrieden sind.

Natürlich glauben einige Bürger auch, dass bestimmte Mächte die Wahrheit unterdrücken wollen. Wie schnell sich das im Netz zur Verschwörungstheorie ausweiten kann, zeigt ein Facebook-Post über Xavier Naidoo. In den vergangenen Tagen verbreitete er sich rasant - inzwischen hat er knapp 72.000 Shares gesammelt.

Der Post zeigt einen Ausschnitt aus der Vox-Sendung "Sing meinen Song". Darüber steht: "Überall gesperrt !!! Warum ??? Wegen der Wahrheit ???" Uiuiui, das klingt dramatisch. Nirgendwo kann man dieses Video sehen - nur hier? Das schaut man sich natürlich sofort an.

In dem Video singt Xavier Naidoo ein gesellschaftskritisches Lied. "Wir leben in einem Land, in dem mehr Schranken steh'n als es Wege gibt, mehr Mauern als Brücken, die Stimmung ist negativ", singt er. Und: "Hat dieses Land wirklich nicht mehr zu bieten
als ein paar Millionen Arschgesichter mit 'ner Fresse voller Hämorrhoiden? Die meinen, dies Land sehr zu lieben, doch sind nicht sehr zufrieden."

Nena, The Boss Hoss, Sammy Deluxe und die anderen Stars aus "Sing meinen Song" hören ehrfürchtig zu. Sie sehen einigermaßen ergriffen aus. Wenn nicht sogar schockiert. Das verwackelte Bild vermittelt den Eindruck, jemand habe das Video heimlich aufgenommen, mit einer versteckten Kamera.

xavier naidoo

Und dieses Video ist gesperrt? Wird der Bevölkerung vorenthalten, weil es "die Wahrheit" ausspricht? Etwa auch noch von Merkel persönlich zensiert?

*Hyperventilier*

Nein. Denn was von der Spaßseite "Der Bubba" bei Facebook verbreitet wurde, ist ein normaler Auftritt aus der Sendung. Wie der Name der Show "Sing meinen Song" nahelegt, interpretiert Xavier Naidoo hier das Lied "Weck mich auf" von Rapper Sammy Deluxe. Es erschien bereits 2001 und war damals genauso wenig verboten wie heute.

Naidoos Interpretation des Songs wurde am dritten Mai auf Vox gezeigt und ist immer noch online verfügbar. Hier zum Beispiel:




Es genügt heute, einfach zu behaupten, das Video sei gesperrt. Und Tausende Menschen glauben es, ohne nachzudenken. Steht ja schließlich bei Facebook. Muss ja stimmen.

Dieser Fall ist noch relativ harmlos. Doch gefälschte Facebook-Meldungen können auch gefährlich sein. Zum Beispiel, wenn AfD-Ortsverbände Überschriften zu Medienartikeln fälschen, um rechte Propaganda zu verbreiten. Oder wenn extreme Hetzseiten Vorfälle mit Flüchtlingen einfach erfinden.

Seiten wie Mimikama.at entlarven solche Falsch-Meldungen bei Facebook. Sie prüfen die vermeintlichen Nachrichten auf Fakten. Oft kommen sie zu dem Ergebnis, dass Ereignisse verkürzt oder falsch dargestellt und mit Bildern veröffentlicht werden, die mit dem Fall nichts zu tun haben. Gerade heute ist solche Aufklärungsarbeit wichtig.

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bp