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Gaffer werden immer extremer - diese Maßnahme ist der einzige Weg, um sie fernzuhalten

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GAFFER
Ein Autofall auf der Autobahn (Symbolbild) | DPA
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Eine Abfolge von extremen Fällen, in denen Gaffer Rettungskräfte behinderten, entsetzt die Polizei. Das Land Niedersachsen will daher radikale Maßnahmen ergreifen, um sie fernzuhalten.

Die Polizei Rheinland-Pfalz veröffentlichte am Freitag auf Facebook einen emotionalen Aufruf. Bei einem Verkehrsunfall fand ein Fahrradfahrer in Ingelheim den Tod. Noch während der man verstarb, machten umstehende Fotos und Videos von der Unfallstelle.

"Habt Ihr wirklich nichts anderes im Kopf?"

"Musste das sein, Ihr Gaffer?", fragte die Polizei in dem Eintrag."Habt Ihr wirklich nichts anderes im Kopf, als diesem tragischen Geschehen derart pietätlos zu begegnen, während sich glücklicherweise vier Unbeteiligte gefunden haben, die schnell und richtig reagierten und Erste Hilfe geleistet haben?"

Der Post traf offensichtlich einen Nerv: Er verbreitet sich rasen im Internet. Gaffer gab es bei Unfällen schon immer. Doch neu ist, dass sie Unfallstellen und Rettungskräften sehr nahe kommen, um Fotos und Videos zu machen, die sie ins Internet stellen wollen.

Entsetzen löste auch ein Fall am Donnerstagabend vergangener Woche aus. Ein angetrunkener Autofahrer hatte sich mit seinem Wagen überschlagen. Das Fahrzeug blieb auf dem Dach liegen, der 42-Jährige kam ins Krankenhaus.

Polizisten setzen einen Hund ein, um Gaffer fernzuhalten

Während der Rettungsarbeiten seien Polizisten und die Feuerwehr von rund 150 Schaulustigen massiv bei der Arbeit behindert worden, berichtete die Polizei am Freitag in Nordrhein-Westfalen.

Gaffer seien zum Filmen mit ihren Smartphones an der Unfallstelle herumgelaufen und hätten nicht auf Platzverweise reagiert. Die Polizei setzte daher eine Polizeihund ein, um die Menge auf Distanz zu halten.

Erst Mitte April hatte die Hagener Polizei das Problem im sozialen Netzwerk Facebook zum Thema gemacht. Damals hatten Unbelehrbare sogar versucht, über schützende Tuchbarrieren hinweg ein verletztes Mädchen zu filmen. Auch dieses Mal bekamen die Gaffer viel Ärger im Netz ab.

Polizisten sollen Smartphones beschlagnahmen dürfen

Jetzt das Land Niedersachsen auf die steigende Zahl dieser Fälle reagieren, wie "Der Westen" berichtet. Die Landesregierung will eine Bundesratsinitiative einbringen, die zum Ziel hat, Gaffer zu bestrafen.

Zwar gibt es bereits ein Gesetz, dass das Fotografieren und Filmen von Hilflosen Personen verbietet. Nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuches drohen schon heute bis zu zwei Jahre Gefängnis. Das Gesetz erlaubt allerdings nur eine Bestrafung im Nachhinein - es hilft der Polizei nicht, Gaffer fernzuhalten.

Nach der Bundesratsinitiative soll es der Polizei daher erlaubt werden, Gaffern noch an der Unfallstelle die Smartphones wegzunehmen. Zusätzlich solle ein neuer Paragraf 115 die Behinderung von Einsatzkräften mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldbuße bestraft.

Mit Material der DPA

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