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ESC 2016: Hat Jamie-Lee Kriewitz eine Chance?

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JAMIELEE
Jamie-Lee hat einen außergewöhnlichen Stil | imago/Sven Simon
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Der "Eurovision Song Contest" naht, und wie so oft muss Deutschland um seine musikalische und wettkämpferische Ehre bangen. Und das nicht etwa, weil es der hiesigen Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz ("Ghost") an Talent oder Auffälligkeit mangeln würde.

Die 18-jährige Castingshow-Gewinnerin singt besser als viele ihrer Vorgänger, ihr bunter Manga-Style ist schrill und quietschig - eigentlich wie gemacht für den ESC. Der momentane Stand in den Wettbüros spricht dennoch leider eine andere Sprache: Auf der Übersichtsseite "oddschecker.com" lungert Deutschland aktuell in der unteren Hälfte der diesjährigen Teilnehmer-Liste herum.

Russland als Top-Favorit

Seht bei Clipfish das Video zu Jamie-Lee Kriewitz' "Ghost"<

Insgesamt 42 Länder treten 2016 beim ESC in Stockholm an - ginge man nach den Buchmachern, so würde Russland als Top-Favorit gewinnen, die Ukraine, Frankreich, Schweden und das eigentlich gar nicht so europäische Australien folgen.

Auch anderswo schlägt der ESC mit seinen skurrilen Gestalten und gewöhnungsbedürftigen Show-Einlagen auf Interesse. In ihrem Artikel "Eurovision Song Contest 2016: A Viewer's Guide" will die "New York Times" ihren Landsleuten die Spielregeln des "von den Europäern geliebten, für viele Amerikaner jedoch rätselhaften" Wettbewerbs näherbringen - und legt gleich noch eine Auflistung der "angesagtesten" Kandidaten oben drauf. Und siehe da:

Unter "Who's Hot This Year?" taucht gleich als Erste Jamie-Lee Kriewitz auf. Der "Look" der Sängerin, die nach dem Skandal um Xavier Naidoo (44) einsprang, sei vom japanischen Manga inspiriert und ihre Stimme rufe eine Assoziation mit Pop-Sängerin Lana Del Rey (30) hervor. Doch leider werden am Samstag nicht die Redakteure der "New York Times" abstimmen.

Starke Konkurrenz für Jamie-Lee

Und tatsächlich ist die Konkurrenz stark. Top-Favorit Russland schickt mit Pop-Sänger Sergey Lazarev (33) einen echten ESC-Allrounder ins Rennen. Probenvideos lassen eine spektakuläre Show in gewohnter ESC-Manier vermuten, sein Song "You are the only one" wurde nach der Veröffentlichung vor zwei Monaten knapp unter neun Millionen Mal angeklickt.

Der ukrainische Beitrag in diesem Jahr könnte durch eine starke Botschaft polarisieren und am Ende vielleicht auch überzeugen. Teilnehmerin Jamala (32) wird teilweise in krimtatarischer Sprache singen. Der Song bekam im Vorfeld harsche Kritik, vor allem aus Russland.

ESC-Songs dürften keine politischen Statements enthalten, erklärten die Meinung der Kritiker. Die Verantwortlichen entschieden aber letztendlich, dass der Song "1944" nicht gegen das Regelwerk des ESC verstoßen würde.

Und auch Frankreich will dieses Jahr offenbar nichts dem Zufall überlassen. Pop-Sänger Amirs (*1984) französisch-englischer Song "J'ai cherché" ist in Frankreich bereits ein bekannter Radio-Hit. Zur Erinnerung: Auch Lena Meyer-Landruts (24) "Satellite" hatte sich im Wettbewerbsjahr 2010 bereits vor der eigentlichen Show zu einem richtigen Radio-Ohrwurm entwickelt.

Deutschland feiert auf der Reeperbahn

In Deutschland wird man jedenfalls fleißig mitfeiern. Am Abend des ESC-Finales wird wie auch die letzten Jahre eine Party auf der Reeperbahn steigen. Barbara Schöneberger (42) wird in Hamburg moderieren, neben Künstlern wie Sarah Connor (35) oder Mark Foster (32) wurde am Montag auch Michelle (44) als letzter Act vom NDR bestätigt.

Es bleibt abzuwarten, ob die junge Sängerin im High-Heel-Getümmel und choreographischen Wahnsinn ihrer Konkurrenten untergehen wird. Die deutschen ESC-Fans dürfen aber darauf hoffen, dass Jamie-Lee ähnlich wie einst Lena durch ihr natürliches Auftreten und die quirlige Art am Samstag überzeugt. In jedem Fall stehen viele hinter ihr. Zumindest auf Facebook, denn da kann sich Jamie-Lee kaum vor Glückwünschen und gedrückten Daumen retten.

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(cho)