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"Miese Abo-Falle": So zockt eine Klamotten-Tauschbörse ihre Kundinnen ab

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ZAMARO
Zamaro - Vorsicht ist geboten! | screenshot youtube
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  • Die Online-Tauschbörse "zamaro.de" bietet Kunden an, alte Kleidung einzusenden und gegen neue einzutauschen
  • Doch Vorsicht: Hinter dem verlockend klingenden Angebot steckt ein fragwürdiges Geschäftskonzept
  • Kundinnen beklagen sich, dass man den kostenpflichtigen Mitgliedschaften nicht entkommen könne

Es klingt so einfach wie genial: Warum die alten Klamotten auf dem Flohmarkt oder bei Online-Plattformen verkaufen, wenn man sie auch mühelos beim Online-Tauschportal Zamaro gegen neue eintauschen kann?

Was ist Zamaro, werdet ihr euch jetzt wohl fragen: Auf seiner Webseite präsentiert sich das in Poing bei München ansässige Unternehmen als "Deutschlands No. 1 Fashion Swap Shop", allerdings nur für Frauen.

"Swappen" ist das neue Kaufen

In Klartext heißt das: Kleidung, Schuhe und Taschen werden an die "Swapper" von Zamaro geschickt, die sie fotografieren, lagern und für andere "Social Shopper" zum Verkauf anbieten. Im Gegenzug dürfen sich die Spender neue Kleidungsstücke aussuchen.

Klingt alles super, soll auch so sein, schließlich beweihräuchert sich Zamaro außerdem im Netz als "der Social Fashion Shop, der Dir das Leben einfacher machen möchte".

Und das beste: Das fröhliche Klamottentauschen ist für die Mitglieder so gut wie kostenlos. "Wenn Du Artikel bestellst, zahlst Du lediglich geringe Versand- und Packgebühren. Weitere Kosten fallen garantiert nicht an" - auch das steht so auf der Zamaro-Webseite.

Seine Philosophie stellt Zamaro auch in folgendem Video vor:

Doch in letzter Zeit häufen sich die Vorwürfe gegen das Unternehmen. Die "Bild"-Zeitung berichtete vor kurzem, dass eine 15-jährige Schülerin bei Zamaro in eine Abo-Falle getappt sei. Da das Angebot der Tauschbörse verlockend klang, bestellte sie gleich mehrere Teile.

Das böse Erwachen folgte für das Mädchen und ihre Mutter prompt, hatte doch Zamaro nicht nur die Kosten für den Versand in Höhe von 5,90 Euro, sondern weitere 48 Euro von ihrem Mitgliedskonto abgebucht. "So erfuhren wir, dass meine Tochter eine Art Mitgliedschaft eingegangen ist, die vor Juli nicht zu kündigen ist", erklärte die Mutter gegenüber "Bild".

Dass die Tochter mit ihren 15 Jahren noch nicht einmal geschäftsfähig ist, schien das Unternehmen ebenso wenig zu interessieren wie der Umstand, dass die Mutter der Tauschbörse niemals eine Einzugsermächtigung erteilt hat. "Dafür kam ein Mahnbescheid", erklärte die Mutter.

"Miese Abo-Falle"

Bei Facebook existiert gar eine öffentliche Gruppe mit dem Namen "Zamaro - Erfahrungsberichte", in der Klamotten-Tauscherinnen ihren Unmut Luft machen können. Arie V. eine Betroffene, sprach gegenüber der Huffington Post ganz offen von einer "miesen Abo-Falle", auf die schon viele Frauen reingefallen seien.

"Man meldet sich kostenlos an und bekommt 100 Punkte zum Testen geschenkt. Für eingesendete Kleidung bekommt man eine bestimmte Punktzahl, die man dann wiederum für neue Ware eintauschen kann", sagte die Frau. Um kein automatisches Abo abzuschließen, müsse man sich allerdings schon nach sieben Tagen wieder abmelden. Allerdings würde das Unternehmen nirgendwo darauf hinweisen, dass bereits nach einer Woche eine teures Abo beginnt.

"Man kann der Mitgliedschaft nicht entkommen"

Zamaro bietet zwei verschiedene Abos an: die "Swap Mitgliedschaft" für monatlich 48 Euro sowie "Swap Plus" für 64 Euro pro Monat. Für eine Kündigung der Mitgliedschaft sei die Plattform telefonisch nicht zu erreichen, heißt es. "Es ging entweder keiner ans Telefon oder es wurde sofort wieder aufgelegt", erzählt Marie V.. "Es ist also unmöglich, der kostenpflichtigen Mitgliedschaft zu entkommen".

Die betrogene Kundin möchte andere Tauscherinnen vor Zamaro warnen, dass nicht auch sie in die Abo-Falle tappen.

Zamaro war für eine Stellungnahme für die Huffington Post zunächst nicht zu erreichen.

Update, 18.5.16: Mittlerweile hat eine Unternehmenssprecherin gegenüber der Huffington Post zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Den Vorwurf der "Miesen-Abo-Falle" dementierte das Unternehmen.

Hier die Antwort auf die Anfrage im Wortlaut:

"Der Kunde hat die Möglichkeit zwischen der kostenfreien, zeitlich unbegrenzten Basis-Mitgliedschaft oder der kostenpflichtigen, laufzeitgebunden Swap-Mitgliedschaft zu wählen. Vor Abschluss eines Vertrages in einen kostenpflichtigen Vertrag, würde der Kunde mehrfach über die Preise und Leistungen im Bestellprozess informiert. Auch bei dem Abschluss des kostenlosen Testvertrages, verweisen wir unter anderem im Bestellprozess mehrfach auf die Verlängerung in die Swap Mitgliedschaft, sofern nicht innerhalb der Laufzeit gekündigt wird.

Vor allem vor Absendung der Bestellung, wird nochmal klar darauf verwiesen, dass sich der Testvertrag bei Nichtkündigung automatisch in die Swap- oder SwapPLUS Mitgliedschaft verlängert, auch sind die verbundenen Kosten nochmalig aufgeführt.
Ebenfalls verweisen wir in den AGB als auch in den Häufig gestellten Fragen auf die Verlängerung bei Nichtkündigung.

Damit der Kunde die Möglichkeit hat, seine Kündigung schnell und effizient zu vollziehen, bieten wir zu der postalischen Kündigung auch die Kündigung per Telefon an.

Eine Kündigung ist somit also in innerhalb weniger Minuten erledigt.
Sofern keine Kündigung per Telefon oder Post bei uns eintrifft, verlängert sich der Testvertrag wie mehrfach angekündigt automatisch in die Swap- oder SwapPLUS Mitgliedschaft".

Der Artikel aus der "Bild"-Zeitung entspreche laut der Tauschbörse nicht der Wahrheit. Nicht erlaubte Verträge mit Minderjährigen würden selbstverständlich nach Erhalt der Unterlagen gelöscht werden.

Diverse Anliegen könnten von den Kundinnen zudem per Mail an Zamaro gesendet werden.

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(cho)