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"Kurz und schmutzig": Warum Gabriel den SPD-Kanzlerkandidaten erst kurz vor der Wahl bestimmen wird

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SIGMAR GABRIEL
Warum Gabriel den SPD-Kanzlerkandidaten erst kurz vor der Wahl bestimmen wird | Wolfgang Rattay / Reuters
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  • SPD-Chef Gabriel will den Kanzlerkandidaten erst im Mai 2017 bekanntgeben
  • Sonst gehe man den Wählern nur auf die Nerven, findet er

"Kurz und schmutzig", so muss ein Wahlkampf sein, findet Sigmar Gabriel. Deshalb möchte der SPD-Chef den Kanz­ler­kan­di­da­ten seiner Par­tei erst nach der NRW-Land­tags­wahl im Mai 2017 be­stim­men.

Nach In­for­ma­tio­nen der "Bild am Sonntag" hat Ga­bri­el die­sen Zeit­plan in der Par­tei­zen­tra­le Wil­ly-Brandt-Haus und vor der engsten Par­tei­füh­rung vor­ge­ge­ben.

Wenn man den Kandidaten zu früh bekannt gebe, würde man den Wäh­ler, der sich immer spä­ter ent­schei­de, nur auf die Ner­ven gehen, begründete er seine Entscheidung laut der "BamS".

"Die NRW-Wahl ab­zu­war­ten, ist ab­so­lut rich­tig"

"Die NRW-Wahl ab­zu­war­ten, ist ab­so­lut rich­tig", zitiert die Zeitung einen hoch­ran­gi­gen SPD-Funk­tio­när. "Das Er­geb­nis ist entschei­dend für unser Ab­schnei­den bei der Bun­des­tags­wahl." Soll­te die Wahl in NRW ver­lo­ren wer­den, müsse man mit radikalen Konsequenzen rechnen, was das Fürhungspersonal betreffe. Da sei es gut, wenn noch kein Kan­di­dat aufs Schild ge­ho­ben sei.

Nachdem die Genossen ihren Parteichef bei der Wiederwahl im Januar mit einem extrem schlechten Ergebnis abgestraft hatten, hatte Gabriel einen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur nicht ausgeschlossen. Eine Niederlage gegen Merkel, von der angenommen wird, dass sie wieder antritt, würde Gabriel als SPD-Parteichef erheblich beschädigen.

Gabriel hatte sich seine Entscheidung offen gehalten. "Jeder Vorsitzende einer großen Partei muss sich für geeignet halten, auch Kanzler unserer Republik zu werden", sagte Gabriel damals der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Sonst sollte er nicht Vorsitzender werden."

Innerhalb der SPD regt sich vermehrt Widerstand gegen Gabriel. Viele Mitglieder geben ihm die Schuld an den sinkenden Umfragewerten. Bundestagsabgeordnete zittern um ihr Mandat.

Auch Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück übt scharfe Kritik an Gabriel. Er kritisierte am Sonntag im Deutschlandfunk die thematische Ausrichtung seiner Partei.Die SPD wecke keine Neugier mehr und sei deshalb für viele nicht mehr interessant. Sie müsse die Hoheit über die großen Zukunftsfragen und gesellschaftlichen Debatten zurückfinden, so Steinbrück.

SPD-Konferenz zu sozialer Gerechtigkeit

Derzeit hat der SPD-Chef mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Am Wochenende hatte er eine geplante große Iran-Reise deswegen abgesagt. Seitdem ist er in seiner Heimatstadt Goslar, um sich zu schonen. Er will aber in Kürze wieder seine Arbeit in Berlin aufnehmen. Der Bundeswirtschaftsminister werde in den nächsten Tagen zurückerwartet, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch.

An diesem Montag findet in Berlin eine SPD-Konferenz zu sozialer Gerechtigkeit statt - der Startschuss für die Arbeit am sozialdemokratischen Programm für die Bundestagswahl 2017. Dazu werden neben Parteichef Gabriel auch die beiden SPD-Ministerpräsidentinnen Hannelore Kraft (Nordrhein-Westfalen) und Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) erwartet.

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