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Terror-Experten warnen vor dem Al-Kaida-Revival: So direkt bedroht die Terror-Organisation den Westen

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AL KAIDA
Unterstützer der Al-Nusra-Front | Getty
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  • Terror-Experten warnen vor 3 Szenarien, wie Al-Kaida den Westen in große Gefahr bringen könnte
  • Es drohe gar ein Al-Kaida-Kalifat

Lange galt sie als die gefährlichste Terrororganisation der Welt: Nun ist es ruhiger geworden um Al-Kaida. Die Anschläge von Brüssel und Paris und seine massive Rekrutierung internationaler Kämpfer hat den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend auf den selbst ernannten Islamischen Staat gelenkt, der sich vor etwa drei Jahren von Al-Kaida abspaltete.

Doch noch immer geht von Al-Kaida, die sich etwa für die Anschläge vom 11.September 2001 in New York, die Anschläge am Madrider Bahnhof 2004 und auf die Londoner U-Bahn 2005 verantwortlich zeigten, eine massive Bedrohung für den Westen – und den Nahen Osten aus.

Terror-Experten warnen vor 3 bedrohlichen Szenarien, die zeigen, das Al-Kaida alles andere als von der Bildfläche verschwunden ist.

1. Ein Al-Kaida-Staat in Syrien

Lange hatte sich der IS dadurch von Al-Kaida unterschieden, dass er staatsähnliche Strukturen in seinen kontrollierten Gebieten im Irak und Syrien aufbaute, während Al-Kaida weitgehend als wenig zentralistisches Terror-Netzwerk auftrat. Doch nun strebt wohl auch Al-Kaida eine territoriale Herrschaft an. Bedrohlich nah an der Schwelle zu Europa.

Viele erfahrene Terrorführer von Al-Kaida agieren mittlerweile in Syrien, wo die der Organisation zugehörige Al-Nusra-Front große Territorien kontrolliert oder zumindest bedroht. Der Journalist und Terror-Experte Charles Lister ist sich sicher: Die Al-Nusra-Front will im Nordwesten Syriens ein eigenes Emirat errichten.

In einem Artikel im amerikanischem Magazin "Foreign Policy“ schreibt er unter Berufung auf einen einflussreichen Salafisten in der nordsyrischen Stadt Idlib: "Die Levante ist alles für die globale Strategie von Al-Kaida".

Das Gefährliche: Innerhalb der syrischen Bevölkerung gibt es durchaus Sympathien für die Al-Nusra-Front, die sich als einer der erbittertsten Gegner des Assad-Regimes profilieren konnte. Moderatere Oppositionsgruppen stehen dem gemeinen Volk zwar durchaus noch näher, besitzen aber in vielen Fällen kaum die militärische Schlagkraft des Al-Kaida-Verbündeten.

Für Al-Kaida ist Syrien aufgrund der Nähe zu Europa, der gemeinsamen Grenzen mit Hassfeind Israel und der Nähe zu gleichgesinnten Milizen im Irak, Türkei, Jordanien und dem Libanon von enormer Bedeutung.

Und Al-Nusra ist auf dem Vormarsch. Erst am Freitag eroberte die Miliz die wichtige Stadt Khan Touman, wenige Kilometer südlich von Aleppo. Ein strategisch wichtiger Punkt, der neue Versorgungsrouten freimachen könnte.

Al-Kaida-Führer Ayman al-Zawahiri schwört auf die Al-Nusra-Front - auch wenn er nun selbst eine Loslösung von seiner Terrororganisation ins Gespräch brachte. In einer Audio-Aufnahme, die heute im Internet auftauchte, erklärte Al-Zawahiri, er habe "keinen Einwand" dagegen, wenn Al-Nusra einen eigenen Weg einschlage.

Doch ob zusammen oder getrennt: Das Drohszenario eines weiteren Terror-Emirats in Syrien muss den Westen aufhorchen lassen.

2. Ein Schreckens-Bündnis zwischen Al-Kaida und dem IS

In seiner Botschaft sagte Al-Zawahiri auch, er halte den IS-Anfürer Abubakr al-Baghdadi für keinen angemessenen Führer. Eine weitere Spitze gegen den IS, der sich im Jahre 2013 von Al-Kaida abspaltete - und seither mit der Dschihad-Organisation um die Vormachtstellung unter den sunnitischen Extremisten kämpft.

Doch viele Experten sind sich sicher: Es wird in näherer Zukunft zu einer Wiederverbrüderung der beiden Schreckens-Milizen kommen. Bruce Hoffman, Terror-Experte an der Georgetown University, schrieb kürzlich in einem Artikel im "Foreign Affairs“-Magazin: "In der Tat, bis 2012 könnten sich Al-Qaida und der IS wieder verbündet haben, oder zumindest irgendeine Form der taktischen Kooperation eingegangen sein.“

Eine solche Partnerschaft mache "viel Sinn für beide Gruppen“, schreibt Hoffman weiter. Die ideologischen Ähnlichkeiten seien deutlich signifikanter als ihre Unterschiede, beide Organisationen operierten nach den Grundprinzipien des ehemaligen Al-Kaida-Gründungsmitgliedes Abdullah Azzam.

Die Differenzen beider Terrorgruppen beruhten eher auf den aufeinander treffenden Egos der Führungspersonen, als auf ideologischen Unvereinbarkeiten. Immer noch herrsche eine krude "Respektsbasis“ zwischen den Terrororganisationen. Dies zeige sich unter anderem in der Verehrung des langjährigen Al-Kaida-Anführers Osama Bin Ladens, die der IS in vielen Propagandavideos- und Schriften durchblicken ließe.

3. Ein gefährliches Hochschaukeln der Konkurrenz zwischen den beiden Organisationen

Doch auch das Gegenteil könnte gefährlich sein: Die andauernde Konkurrenz zwischen Al-Kaida und IS. FAZ-Journalist und Terror-Experte Rainer Hermann mutmaßte kürzlich: "Al-Kaida-Anführer Aiman Al-Zawahiri spielt kaum mehr eine Rolle. Falls Al-Kaida neue Bedeutung erlangen wollte, müsste es ein neues Projekt erfinden, um damit Anhänger zurückzuholen."

Die beste Rekrutierungs-Werbung für Terrororganisationen sind Anschläge, die Aufsehen erregen. So betrachteten nicht Wenige die IS-Attentate in Brüssel als Versuch, den durch territoriale und wirtschaftliche Verluste in Syrien und dem Irak drohenden Abwärtstrend der Terror-Miliz zu stoppen und neue Dschihadisten anzuziehen.

Auch Al-Qaida könnte solche Erfolgserlebnisse gebrauchen. Es bleibt zu hoffen, dass sie ausbleiben.

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