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Steinmeier warnt vor Rückkehr ins 19. Jahrhundert: "Europa ist in den Schleudergang geraten"

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STEINMEIER
Sergei Karpukhin / Reuters
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  • Steinmeier sieht Europa in Gefahr
  • In einem Interview warnte er nun vor einer "Rückkehr des Nationalismus wie im 19. Jahrhundert"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat vor einem Rückfall Europas in den Nationalismus des 19. Jahrhunderts gewarnt. "Lange schien uns das europäische Projekt ungefährdet. Durch die Finanz- und dann die Flüchtlingskrise ist Europa in den Schleudergang geraten", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Es drohe eine "Politik der Angst, der Abschottung und der Verweigerung gemeinsamer europäischer Lösungen". Die Zukunft Europas liege sicher nicht in einer Rückkehr ins 19. Jahrhundert mit seinem Nationalismus und seiner gefährlichen und destabilisierenden Staatenrivalität, betonte Steinmeier.

"Dass Rechtspopulisten jetzt vorgaukeln, das Fahrwasser wäre ruhiger, wenn es die EU nicht gäbe, zeugt von einer - mit Verlaub – gefährlichen Geschichtsvergessenheit", sagte Steinmeier der "NOZ".

"Das braucht Zeit, und es ist auch mühsam"

Die Mitglieder der EU arbeiteten intensiv daran, die Probleme in den Griff zu bekommen und wirklich tragfähige europäische Lösungen zu finden, so der SPD-Politiker. Sie seien dabei auch schon "gute Schritte" vorangekommen. "Das braucht Zeit, und es ist auch mühsam, aber es ist und bleibt der richtige Weg, Konflikte am Brüsseler Verhandlungstisch auszutragen", mahnte der Minister.

Der europäische Zusammenhalt ist angesichts der Flüchtlingskrise in den vergangenen Monaten massiv ins Wanken geraten. Kanzlerin Merkel steht mit ihrer Flüchtlingspolitik allein da, Deutschland wird zunehmend isoliert.

Die Nationen streiten über Kontingente und Abschottungsmaßnahmen. Gegensätzliche Interessen prallen aufeinander und werden mit aller Härte versucht durchzusetzen.

Experten warnen vor einem Zerfall der Union. Der US-amerikanische Informationsdienst Stratfor - bekannt für seine teilweise erschreckend akkuraten Voraussagen - legte im Februar in einer Analyse dar, dass es Europa in seiner heutigen Form schon in zehn Jahren nicht mehr geben wird.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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