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Jens Spahn findet klare Worte: "Viele Migranten wollen sich gar nicht integrieren"

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JENS SPAHN
Jens Spahn | Getty
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  • Jens Spahn (CDU) und Gregor Gysi (Linke) lieferten sich in der "Welt" ein Streitgespräch zum Thema Integration
  • Spahn argumentierte, viele Migranten wollten "sich gar nicht integrieren"
  • Gysi mahnte vor "abstrakten Ängsten" gegenüber muslimischen Migranten

In einem sind sich - fast - alle einig: Flüchtlinge und Migranten, die in Deutschland Schutz und ein besseres Leben suchen, müssen in unsere Gesellschaft integriert werden. Wie sie aber aussehen soll - die Integration - darüber streiten Bürger und Politiker.

So jüngst auch CDU-Politiker Jens Spahn und der ehemalige Linken-Fraktionschef Gregor Gysi. In einem Streitgespräch in der "Welt", diskutierten die Politiker unter anderem über Migration und Integration in Deutschland.

Beim Thema Integration von Migranten und Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gingen die Meinungen der beiden Spitzenkandidaten gleich scharf auseinander.

"Analphabeten ohne jeden Abschluss"

Während sich Gysi klar gegen Ein-Euro-Jobs und für eine faire Bezahlung - mindestens auf Mindestlohnbasis - für Migranten aussprach, gab Spahn zu bedenken, dass viele Flüchtlinge "Analphabeten und ohne jeden Abschluss" seien, die nur dann eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten, wenn Arbeitgeber sie "auch mal sechs oder acht Monate ohne Verpflichtung im Betrieb anschauen" könnten.

Laut Gysi ist Spahns Argument allerdings zu kurzfristig gedacht. "Wenn ich die jungen Leute gleich verschleiße, in Ein-Euro-Jobs schicke, auf Ausbildung verzichte, dann hat das alles später Konsequenzen", mahnte der Linken-Politiker.

Dem Argument Gysi’s, Deutschland brauche die Einwanderung auch aus wirtschaftlichen Gründen aufgrund der alternden deutschen Bevölkerung, gab Spahn Contra. "Ich halte nichts davon die Flüchtlingskrise als Jungfernkur für die deutsche Wirtschaft zu stilisieren", sagte er.

Flüchtlingen zu helfen sei ein humanitärer Akt. "Wir teilen, wir geben etwas ab. Das ist auch okay so. Aber wir sollten den Leuten auch nichts anderes erzählen, die spüren das im Alltag doch auch anders", sagte Spahn weiter.

"Zu viele wollen sich gar nicht integrieren"

Auch beim Thema "Akzeptanz der deutschen Gesetzte und Werte" krachte es zwischen den beiden Politikern.

So hegte Spahn schwere Zweifel am Integrationswillen vieler Migranten: "Zu viele wollen sich auch gar nicht integrieren", so der Politiker.

"Das ist eine Mischung aus Tradition, Kultur und Religion, wie etwa dieses ständige Macho-Gehabe und sich trotzdem immer als Opfer sehen oder die Ehre der Familie, die über allem steht. Gerade bei Migranten aus dem arabischen Raum ist Integration zu oft nicht gelungen", erklärte er seine Behauptung.

Gerade mit angeblichen Vorbehalten vieler Migranten gegenüber Frauen und Homosexuellen ging der Politiker ins Gericht.

"Wir gendern alles bis zum Binnen-I, aber wenn es um Zwangsheirat, Schwimmunterricht für Mädchen oder die Rolle der Frau geht, heißt es oft: Ja das ist eine andere Kultur, da muss man Verständnis haben", sagte Spahn in Hinblick auf die seiner Meinung nach "falsch verstandene Toleranz" der Linken-Partei.

"Wir müssen im Alltag klare Ansagen machen und unsere Werte verteidigen"

So werde Gleichberechtigung schnell relativiert. "Wir müssen aber – ohne Schaum vorm Mund – im Alltag klare Ansagen machen und unsere Werte verteidigen", so Spahn weiter.

Gysi hingegen widersprach dem Vorwurf Spahns. Das bisherige Versäumnis in der Integration sei nicht "falsch verstandene Toleranz", sondern ein falscher Umgang mit den sogenannten Gastarbeitern.

Diese seine alle in zusammenhängende Wohnungen geschickt worden, "sodass Parallelgesellschaften entstehen mussten", kritisierte Gysi.

Zudem fordert der ehemalige Chef der Linken eine Art "Integrationsleherer". "Es kann ja sein, dass ein junger Mann aus einer anderen Kultur die Gleichberechtigung nicht versteht, aber wir müssen sie ihm beibringen", mahnte der Politiker.

"Nicht ein Imam in meinem Wahlkreis spricht Deutsch"

Von muslimischen Gemeinden forderte Spahn zudem Antworten auf "ein paar berechtigte Fragen". "Warum haben wir kaum Imame, die in Deutschland ausgebildet worden sind? Nicht ein Imam in meinem Wahlkreis spricht Deutsch."

Gysi hingegen warnte vor abstrakten Ängsten gegenüber dem Islam. "Da haben wir alle - Politik, Medien, Kunst, Wissenschaft - zu wenig getan, um diese abzubauen," so Gysi.

"Was ich verstehen kann, ist, dass wir Hasspredigten nicht wollen. Ansonsten müssen wir die Glaubensfreiheit garantieren, in der Kirche genauso wie in der Moschee", sagte der ehemalige Linken-Fraktionschef.


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(lp)