Huffpost Germany

Pompöses Macht-Schauspiel: Hier feiert Nordkorea Diktator Kim Jong Un

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • In Nordkorea findet aktuell der erste Kongress der herrschenden Partei seit 1980 statt
  • Kim Jong Un sprach bei der Eröffnungsveranstaltung über das Atomprogramm des Landes

Seit Monaten berichten Nordkoreas Staatsmedien überschwänglich über die Vorbereitungen zum ersten Kongress der herrschenden Arbeiterpartei seit 1980 - doch der eigentliche Beginn am Freitag war von Geheimniskrämerei umgeben.

Als Tausende Delegierte in Pjöngjang zusammentraten, hüllte sich das kommunistische Regime zunächst in Schweigen. Auch über das Programm der wahrscheinlich mehrtägigen Versammlung wurde erneut nichts mitgeteilt.

Über 100 von Pjöngjang eingeladene ausländische Medienvertreter warteten vergeblich an dem mit roten Parteibannern geschmückten Kulturhaus vom 25. April darauf, einen Blick auf den Kongress werfen zu können, wie die BBC berichtete.

Kim Jong Un feiert umstrittenen Raketenstart als Erfolg

Erst am Abend wurden Ausschnitte aus der Eröffnungsrede von Machthaber Kim Jong Un im staatlichen Fernsehen gezeigt. Und der Diktator deutete direkt an, dass er nicht vorhat, von seinem Konfrontationskurs gegen die USA abzuweichen.

Den vierten Atomtest des Landes im Januar und einen umstrittenen Raketenstart, der ebenfalls weltweit auf Empörung stieß, pries er als großen Erfolg.

Schon vorher hatte man in Südkorea erwartet, dass Kim seine Doppel-Strategie vom Aufbau einer Atomstreitmacht und der gleichzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung bekräftigen wird. Seine Ziele sind seit 2013 klar, als das Zentralkomitee der Partei die neue strategische Linie beschlossen hatte.

Kritik vom Westen

Kims Kurs wird in Südkorea wie im Westen als perspektivlos und voller Widersprüche kritisiert. Nordkorea verteidigt seine Atomrüstung unter anderem damit, dass es sich gegen die USA schützen müsse, denen eine feindselige Politik unterstellt wird.

Es gab bei Kims Machtübernahme von seinem Ende 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Il zunächst die leise Hoffnung, er könne eine Öffnung oder gar eine Wende in der Atompolitik herbeiführen. Doch hatten sie sich spätestens mit dem Atomtest im Februar 2013 - dem damals dritten des Landes - zerschlagen.

Keinen Zweifel gibt es auch daran, dass das isolierte Land mit dem Kongress weltweite Aufmerksamkeit auf sich lenken will. In der Propaganda des Landes wird seit Monaten von einem "historischen Ereignis" gesprochen, die Partei als "Mutter" der Koreaner bezeichnet. Formal ist der Kongress, der ursprünglich alle fünf Jahre abgehalten werden sollte, das höchste Gremium der Partei.

"Kim Jong Un's Herrschaft soll gefestigt werden"

Einig sind sich Regierung und Experten in Seoul, dass Kim die Partei neben dem Militär als Stütze braucht. "Nordkorea scheint durch den Parteikongress das auf die sozialistische Partei zentrierte System und Kim Jong Uns Herrschaft festigen wollen", sagte der Sprecher des Vereinigungsministeriums vor Beginn des Kongresses in Pjöngjang.

In Südkorea geht man zwar davon aus, dass Kim die Zügel derzeit in der Hand hält, doch wie weit seine Macht wirklich gefestigt ist, bleibt unklar.

Diverse politische Säuberungsaktionen während seiner Herrschaft, denen sogar ein Onkel Kims zum Opfer fiel, waren für Seoul auch ein mögliches Anzeichen dafür, dass er sich keineswegs sicher fühlt und sich daher einer "Terrorherrschaft" bediene.

Weitere Rätsel um den Kongress

Ein weiteres Rätsel ist, warum die Pause zwischen dem sechsten und siebten Parteikongress 36 Jahre lang war. In Südkorea erklärt man sich das unter anderem damit, dass das mit dem wirtschaftlichen Niedergang zu tun gehabt habe. Allerdings gab es bereits 2010 und 2012 Parteidelegierten-Konferenzen.

Die Unterschiede zum Parteikongress sind dabei für Beobachter nicht allzu klar. Bei dem Treffen vor vier Jahren hatte die Partei Kim Jong Un, der auch Armeechef ist, zum ersten Parteisekretär gekürt.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass ihn der Kongress als Parteichef bestätigt und ihm damit die Vollmachten des alleinigen Herrschers sichert.

Auch auf HuffPost:

Video: Gipfeltsurm zur Propaganda: Kim Jong Un besteigt höchsten Berg Nordkoreas und wird bejubelt