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Gabriel lässt Schäuble auflaufen: Koalitions-Krach um Griechenland-Rettung

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Gabriel lässt Schäuble auflaufen: Koalitions-Krach um Griechenland-Rettung | Thomas Trutschel via Getty Images
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  • Sigmar Gabriel spricht sich für weitere Schuldenerleichterungen für Griechenland aus
  • Damit stellt er sich gegen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der am Montag zum Treffen der Eurogruppe nach Brüssel reist

Es ist ein Thema mit gewaltiger Sprengkraft. Innerhalb Europas, aber wohl auch innerhalb der Großen Koalition. Der Internationale Währungsfond, Frankreich und Portugal drängen auf Schuldenerleichterungen für Griechenland, Deutschland und insbesondere Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatten bisher strikt abgeblockt. Doch jetzt fährt SPD-Chef Sigmar Gabriel Schäuble in die Parade.

Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel sagte Gabriel der Nachrichtenagentur Reuters, Griechenland brauche eine Erleichterung seiner Schuldenlast. "Völlig falsch wäre es, Griechenland jetzt mit immer neuen Sparmaßnahmen zu überziehen“, erklärte Wirtschaftsminister Gabriel.

"Es macht keinen Sinn, sich zu drücken"

"Alle wissen, dass diese Erleichterung der Schuldenlast irgendwann kommen muss. Es macht keinen Sinn, sich davor immer wieder zu drücken“, so Gabriel weiter. Eine klare Spitze gegen Schäuble, der sich bisher vehement weigert Griechenland weitere Zugeständnisse zu machen, bevor die Überprüfung des dritten Hilfsprogramms abgeschlossen sei, die seit Oktober 2015 überfällig ist.

Die Gespräche über ein neues Hilfspaket für Griechenland gestalten sich ohnehin äußerst zäh. Der IWF soll mit an Bord. Fondschefin Christine Lagarde versandte am Freitag jedoch einen deutlichen Brief: Wenn der IWF mitmachen soll, müsse es Schuldenerleichterungen für die Griechen geben.

IWF setzt Schäuble unter Druck

Schäuble will unbedingt, dass der IWF mit von der Partie ist. Die geforderten Eingeständnisse lehnt er allerdings weiterhin ab. Mit Gabriel hat er nun einen weiteren prominenten Gegner.

Spätestens seit vergangenem Sommer ist klar, dass Wirtschafts- und Finanzminister wohl keine guten Freunde mehr werden. Schäuble hatte damals einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ins Gespräch gebracht, ein Vorschlag, den Gabriel vehement ablehnte: "Diesen Vorschlag als deutschen Vorschlag einzubringen, war aus meiner Sicht nicht vernünftig."

Ein besonderes Verhältnis

Als Gabriel im Februar kurz vor den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ohne Not ein Solidarprojekt für sozial Schwache forderte, keilte Schäuble, dies könne nicht die Meinung eines Vizekanzlers sein, "sondern vielleicht die eines SPD-Wahlkämpfers".

Jetzt geht es um die Rettung Griechenlands, und damit um eines der essenziellsten Probleme der Europäischen Gemeinschaft. Derzeit sieht es so aus, als würde Schäuble sich bewegen müssen. Vielleicht auch deshalb sprang Gabriel seinen Gegnern zur Seite.

Denn – betrachtet man die schwachen Umfragewerte seiner Partei – derzeit kann jede Möglichkeit der Profilierung für Gabriel sehr sehr wertvoll sein.

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