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Draghis Gebühren-Wahnsinn: So gefährlich sind Negativzinsen für Europa

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Draghis Gebühren-Wahnsinn: So gefährlich sind die Negativzinsen für Europa | Thomas Lohnes via Getty Images
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  • Negativzinsen bleiben weiter stark umstritten
  • Das Beispiel Dänemarks ist alarmierend: Hier hatten die seit 2012 geltenden Negativzinsen fatale Folgen

Banken, die bei der Europäischen Zentralbank Geld hinterlegen, zahlen Negativzinsen, also eine Gebühr auf ihre Sparanlagen. Denn: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Zinssatz für Einlagen von Banken Anfang März 2016 auf minus 0,4 Prozent gesenkt.

Auch für Sparer drohen ähnliche Szenarien: Für fast alle Bundesanleihen unter zehn Jahren Laufzeit müssen Deutsche bereits Negativzinsen löhnen. Und: der Deutsche Sparkassenverband warnt vor möglichen Strafzinsen auch auf Girokonten, wenn die EZB nicht ihre Geldpolitik ändere. Ein fataler Ritt auf Messers Schneide, wie ein Blick nach Dänemark zeigt.

Erfolge in Dänemark bleiben aus

Die dänische Nationalbank belegt bereits seit 2012 Bankeinlagen mit einer Strafgebühr. Sie nimmt somit einer Art Vorreiterrolle im Kosmos der umstrittenen EZB-Geldpolitik ein. Die Effekte, die sich in Dänemark seither zeigen, sind alarmierend.

Denn die oft beschworenen positiven Folgen der Niedrig- und Negativzinsen bleiben in Dänemark aus. So sollen die Gebühren dafür sorgen, dass die Bürger ihr Geld nicht ansparen, sondern investieren. Doch das klappt in Dänemark bislang nicht.

Kasper Ullegaard, Anlagestratege bei Sampension in Kopenhagen, sagte der Zeitung "Die Welt“ jetzt: "Die Menschen wählen sogar noch weniger risikoreiche Aktiva, weil es so wenig Transparenz zu den künftigen Erträgen und Risiken gibt". Die Bürger haben Zukunftsangst und halten daher noch stärker an ihrem Ersparten fest. Bei 26 Prozent der landesweiten Wirtschaftskraft soll die Sparquote dieses Jahr in Dänemark liegen, ein deutlich höherer Wert als in Zeiten vor den Negativzinsen.

Niedrigzinsen sorgen für Pessimismus

Vermögensverwalter betonen immer wieder: Zinsen unter Null sorgen für Pessimismus – bei Privatanlegern und Unternehmen. Der wiederum lähmt die Investitionsfreude.

Das zeigt sich auch am Beispiel Japan: Die japanische Notenbank hatte im Januar zur Ankurbelung der Preise und des Wirtschaftswachstums einen Negativzins von 0,1 Prozent eingeführt. Damit sollen Geschäftsbanken - ähnlich wie in der Eurozone - davon abgehalten werden, große Mengen an Geld bei der Notenbank zu parken, anstatt sie als Kredite für Investitionen an Unternehmen zu vergeben. Bisher gab es jedoch keine großen Anzeichen dafür, dass Japans Unternehmen mehr Geld aufgenommen haben.

Eine weitere Entwicklung in Dänemark, der Sorge bereitet, ist die Stagnation der Preise. Die Negativzins-Spirale zeigt nach unten.

Draghis größter Kritiker: Deutschland

In Deutschland stößt der Kurs der EZB bereits seit längerem auf scharfe Kritik: "Die Politik von Mario Draghi hat zu einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust der EZB geführt“, sagte der Vizechef der Unionsfraktion, Hans-Peter Friedrich, erst kürzlich.

Auch der CSU-Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl kritisierte Draghi und die Nullzins-Politik der EZB. "Wir brauchen in Zukunft einen deutschen Finanz-Spezialisten an der Spitze der EZB“, forderte Uhl.

Der Grund: Unter dem Nullzins - und möglichen Negativzinsen für Privatanleger - leiden die Deutschen, die traditionell als Sparer-Volk gelten, besonders. Zudem profitiert Deutschland mit seiner rückläufigen Schuldenquote weit weniger von niedrigen Zinsen als etwa Frankreich, das eine Schuldenquote von annähernd 100 Prozent aufweist.

Wenn sich der Kurs fortsetzt, den die EZB eingeschlagen hat, könnte es gefährlich werden für die europäische Gesamtwirtschaft. Das zeigen zumindest die Fälle der Länder, die bereits länger auf Negativzinsen setzen.

Mit Material der dpa.

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