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Tschechiens Vizepremier: "Deutschland und die Kanzlerin haben den Balkan gerettet"

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PAVEL BELOBRADEK
Tschechiens Vizepremier: "Deutschland und die Kanzlerin haben den Balkan gerettet" | Bloomberg via Getty Images
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  • Tschechiens Vizepremier wehrt sich gegen Vorwürfe, in der Flüchtlingsfrage unsolidarisch zu sein
  • Er räumt ein: Deutschland habe mit seiner Strategie den Balkan gerettet
  • Doch er sagt: "Auch das starke Deutschland kann die massive Zuwanderung nicht auf Dauer verkraften“

Der stellvertretende Ministerpräsident Tschechiens, Pavel Belobradek, hat sich positiv über Angela Merkels Flüchtlingspolitik geäußert. "Deutschland und die Kanzlerin haben den Balkan gerettet", sagte er der "Welt". Wenn Deutschland zu Beginn der Flüchtlingskrise nicht so viele Menschen aufgenommen hätte, wären sie an der ungarisch-serbischen Grenze hängengeblieben, gab Belobradek zu.

Er wehrte sich gegen Vorwürfe, sein Land verhalte sich in der Flüchtlingskrise unsolidarisch. Das Land nimmt pro Jahr nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks nur etwa 800 bis 1000 Flüchtlinge auf. Eine EU-weit geregelte Verteilung lehnt die Regierung strikt ab. Laut einer Umfrage wollen nur zwei Prozent der Tschechen Bürgerkriegsfllüchtlinge dauerhaft im Land leben lassen.

Belobradek argementiert so: Die ankommenden Asylbewerber wollten ohnehin alle weiter nach Deutschland. "In Tschechien haben wir in den vergangenen Monaten Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien aufgenommen“, sagte Belobradek der Zeitung. "Aber sobald sie bei uns waren, ist ein Teil von ihnen weiter nach Deutschland gereist.“

Deutschland würden viele als "Paradies" sehen, weil die Sozialleistungen dort höher seien. Auch hätten einige von ihnen schon Familie dort.

"Können nicht die ganze Welt nach Europa umsiedeln"

Verteilungsquoten funktionieren seiner Ansicht nach nicht. "Wir sehen bereits jetzt, dass die Regeln gebrochen werden, weil nur wenige dort bleiben, wo sie Asyl beantragen müssen", so der Politiker.

Die EU müsse andere Lösungen für die Flüchtlingskrise finden als nur auf Quoten zu beharren. "Auch das starke Deutschland kann diese massive Zuwanderung nicht auf Dauer verkraften“, warnte er. Es könne nicht die gesamte Welt nach Europa umgesiedelt werden.

"Da sind wir sehr empfindlich"

"Der Streit um die Quote erinnert uns Tschechen an ein historisches Moment, nämlich dass ohne uns über uns entschieden wird“, betonte Belobradek in der "Welt“. "Da sind wir sehr empfindlich.“

Für die EU-Skepsis in Tschechien macht er einen "giftigen Cocktail" verantwortlich, zu dessen Hauptzutaten "absurd streng umgesetzte EU-Vorschriften" gehörten. Außerdem habe der europafeindliche Präsident Vaclac Klaus das Land und die öffentliche Meinung bis 2013 geprägt. Und: Putin nutze diese EU-skeptische Haltung für seine Zwecke und setze gezielt russische Propaganda gegen die deutsche Flüchtlingspolitik ein.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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(sk)