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Nora Nova bis Ann Sophie: Diese deutschen Teilnehmer floppten beim ESC

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Ulla Wiesner (l.), Cindy & Bert (m.) und Ann Sophie sind beim ESC nicht gut angekommen

Auch wenn Deutschland unterm Strich beim ESC in der Regel nicht allzu schlecht abschneidet, ging es doch mit einigen kapitalen Flops in die Geschichte des Contests ein. Sieben Mal landeten deutsche Künstler ganz unten, zuletzt 2015. Einmal konnte sich Deutschland nicht mal qualifizieren.

Doppel-Null in den 60ern

Über die Gründe von Ann Sophies Scheitern wurde 2015 viel spekuliert. Mehr darüber auf Clipfish

Die Geschichte der deutschen ESC-Schlappen beginnt 1964: Schlagersängerin Nora Nova kassierte in Kopenhagen für "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" null Punkte. Das Schicksal teilte sie sich mit den Vertretern von Jugoslawien, Portugal und der Schweiz. Nach der Niederlage zog sich Nora Nova aus dem Showgeschäft zurück.

Das nächste Debakel folgte direkt im nächsten Jahr: Auch für "Paradies, wo bist du?" von Ulla Wiesner gab es keine Punkte, die Sängerin bildete zusammen mit den Teilnehmern aus Spanien, Belgien und Finnland das Schlusslicht. Wiesners Solo-Karriere war damit so gut wie erledigt, in den Jahren danach arbeitete sie vor allem als Chorsängerin.

Deutschlands Waterloo

Der ESC 1974 im englischen Brighton ist mit dem Sieg von ABBAs "Waterloo" in die Popgeschichte eingegangen. Ein echtes Waterloo war der Contest dagegen für Deutschland: Das in der Heimat so beliebte Schlagerduo Cindy & Bert bekam für seine "Sommermelodie" lediglich drei Punkte und teilte sich mit der Schweiz und Portugal den letzten Platz. Dem großen Erfolg in Deutschland tat die Schlappe immerhin keinen Abbruch.

Bis zur nächsten ESC-Blamage dauerte es dann über 20 Jahre: Das musizierende Ehepaar Stone & Stone stieß 1995 in Dublin mit "Verliebt in Dich" auf wenig Gegenliebe. Das Duo bekam einen Mitleidspunkt von Malta, landete auf dem letzten Platz und beerdigte danach seine Musikkarriere.

Einmal und nie wieder: ESC ohne Deutschland

Im folgenden Jahr war Deutschland dann zum ersten und einzigen Mal überhaupt nicht beim ESC vertreten: Da sich mit 30 Ländern deutlich mehr als die damals erlaubten 23 Teilnehmer für den ESC 2016 beworben hatten, schickte die Europäische Rundfunkunion EBU nach einer internen Qualifikationsrunde unter den Neubewerbern und den Schwächsten des Vorjahres sieben Kandidaten nach Hause - darunter den Deutschen Leon mitsamt seinem Song "Planet of Blue".

Immerhin: Nach dem zuvor geltenden Qualifikationsmodus hätte Deutschland als Letzter des Vorjahres überhaupt keine Chance auf die Teilnahme gehabt. Die ARD verbannte dennoch die Ausstrahlung des ESC vom Ersten in den NDR, wo ihn Ulf Ansorge mit ausgesuchter Bissigkeit kommentierte. Danach machte Deutschland Druck auf die EBU, die daraufhin festlegte, dass die "Big Four" (seit 2011 "Big Five") der größten Beitragszahler automatisch qualifiziert sind.

Schlechte Zeiten für Casting-Stars

2005 war kein gutes Jahr für Ex-"DSDS"-Kandidatin Gracia: Produzent David Brandes musste einräumen, für seinen Schützling die Charts manipuliert zu haben. In der Musikbranche wurde daraufhin der Rücktritt Gracias vom ESC gefordert. Die Sängerin nahm trotzdem teil - und landete mit "Run & Hide" in Kiew mit vier Punkten auf dem letzten Platz.

Auch die nächsten ehemaligen Castingshow-Kandidaten hatten nicht viel Glück. Dabei wollten die No Angels ohnehin nie wirklich zum ESC, 2007 hatten sie bereits abgelehnt. Doch um das damalige Comeback in Schwung zu bringen, stellte die Plattenfirma die Band 2008 vor die Wahl: Entweder sie casten einen Ersatz für die ausgestiegene Vanessa oder sie machen beim Vorentscheid mit. Die No Angels entschieden sich für letzteres und gewannen denkbar knapp mit einem Prozent Vorsprung vor Sängerin Carolin Fortenbacher. Umso deutlicher fiel das Ergebnis des ESC aus: Mit "Disappear" ersangen sich die No Angels 14 Punkte und bildeten zusammen mit Polen und Großbritannien das Schlusslicht.

Die Höhen und Tiefen der Ann Sophie

Ann Sophie kann einem wirklich leidtun, denn so ein Wechselbad der Gefühle musste vermutlich kein deutscher ESC-Kandidat mitmachen. Zuerst wurde die Zweitplatzierte des Vorentscheids für den ESC 2015 unverhofft zur ersten Wahl, als Sieger Andreas Kümmert direkt nach der Verkündung des Ergebnisses seinen berüchtigten Rückzieher machte.

Auf einen kurzen Höhenflug folgte der tiefe Fall: Für Ann Sophies Song "Black Smoke" kassierte Deutschland zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder null Punkte und teilte sich mit Gastgeber Österreich den letzten Platz. Plattenfirma und Produzent ließen Ann Sophie daraufhin fallen wie eine heiße Kartoffel. Die Sängerin nahm die Pleite immerhin mit Humor, ihren Traum von der Musik hat sie deshalb nicht aufgegeben.