Huffpost Germany

20 Künstlerinnen haben nackte Frauen fotografiert - das Ergebnis dürfte Männer überraschen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NACKT
20 Künstlerinnen haben nackte Frauen fotografiert - das Ergebnis dürfte Männer überraschen | hp
Drucken

Über Jahrhunderte haben (männliche) Künstler ein relativ konsistentes Bild der nackten Frau etabliert: Sie ist sanft, fügsam und schlank. Sinnlich, aber nicht sexuell aggressiv.

Sie flirtet, aber sie konfrontiert nicht. Sie ist nicht wirklich menschlich, aber gesehen durch die Linse einer Kamera und das Auge des Mannes ein Objekt fleischlicher Lust.

nudity

In den letzten Jahren aber haben feministische Künstlerinnen sehr effektiv den Schalter umgelegt und nackte Modelle von Objekten der Lust zu Wesen des Chaos‘, Sex, Macht und Angst gemacht.

Eine aktuelle Ausstellung mit dem Titel "In the Raw: The Female Gaze on the Nude“ zeigt jetzt 20 Künstlerinnen, die den weiblichen Körper mit ihrer Kamera eingefangen haben. Auf radikal neue Weise stellen die Fotografinnen die nackte Frau fern ab der eindimensionalen Erwartung der Lust, Erregung und Phantasie dar.

Diese Bilder zeigen Frauen in ihrer Ursprünglichkeit, hemmungslos und entflammt.

[nudity

Marianna Rothen

Die Ausstellung, die Kuratorinnen sind Indira Cesarine und Coco Dolle, benutzt die Geschichte der Kunst als einen Eintrittspunkt für Gespräche über den nackten Körper, der bis zum heutigen Tag ein seltsames Tabuthema ist.

"Ich finde es interessant, wie Nacktheit in der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht immer noch ein Tabu ist. Und dennoch ist sie so ein wichtiger Teil der Kunst“, sagte Cesarine gegenüber der Huffington Post.

Die Kuratorinnen hoffen, dass die Ausstellung dabei helfen wird, die historische Vorherrschaft des „männlichen Blickes“ zu bekämpfen, ein Begriff, der auf Laura Mulvey und das Jahr 1975 zurückgeht und sich darauf bezieht, wie Frauen in Filmen dargestellt werden.

Frauen fühlen sich anders als Männer sie sehen

"Die Frau steht in ihrer patriarchalen Kultur als ein Signifikant für das männliche Fremde“, so schrieb es Mulvey. "Gebunden durch eine symbolische Ordnung in welcher der Mann seine Phantasien und Obsessionen durch linguistische Befehle ausleben kann, indem er sie auf das stumme Bild einer Frau anwendet, die immer noch an ihren Platz gefesselt ist, ein Bedeutungsträger, kein Bedeutungsmacher.“

"Sieht man sich die Geschichte der Kunst einmal genauer an, das Fernsehen, Werbung und die Medien allgemein, dann war das Bild der Frau immer geprägt durch den Blickwinkel der Männer. Im Gegensatz dazu steht, wie sich Frauen fühlen und aussehen. Innen wie außen.“

"Es ist die Idee, dass der Inhalt allgemein von Männern geschaffen wird, um eine männliche Sensibilität anzusprechen“, so erklärt Cesarine. "Der männliche Blick stellt Frauen ganz generell als ein Objekt der Lust des männlichen Betrachters dar. Frauen sind es gewohnt, sich selbst durch die Augen eines Mannes zu sehen. Es ist wichtig, Alternativen zu präsentieren.“

nackt

Amanda Charchian

Eine Künstlerin, die im Rahmen von "In The Raw“ ausstellt, ist Amanda Charchian. Ihre Reihe "Pheromone Hotbox“ zeigt die Modelle nicht nur nackt, sondern stellt auch die summenden, unsichtbaren Energien, Gerüche und Chemikalien dar, die einer Frau ihr Elixier und ihre Essenz geben.

Charchian nimmt ihre Bilder in verschiedenen mystischen Naturlandschaften in aller Welt auf, von Kuba über das Death Valley in Kalifornien bis Costa Rica. Ihre Fotografien – Kollaborationen mit ihren Musen, die selbst häufig Künstler sind – sind Oden an die weibliche Kreativität und Kollaboration. Das Zusammenspiel dieser zwei ähnelt Magie.

"Ein nackter Körper kann einen Charakter, den er nicht tatsächlich verinnerlicht hat, nicht übermitteln"

"Seit Jahren schon beschäftigt mich die Idee der Pheromone und die Absonderungen unserer Körper als hochsensible Kommunikationsmittel“, so erklärt es Charchian in einem früheren Interview mit der Huffington Post. "Kleidung lenkt uns nur davon ab. Ich will den Teil einer Person fotografieren, der nicht alleine durch Sprache oder einen Blick zum Ausdruck gebracht werden kann. Ein nackter Körper kann einen Charakter, den er nicht tatsächlich verinnerlicht hat, nicht übermitteln.“

nackt

Leah Schrager

Ebenfalls ausgestellt ist die Arbeit von Leah Schrager, deren Nacktheit eine Waffe zur Erlangung der vollständigen kreativen und wirtschaftlichen Kontrolle über ihr eigenes Selbstbild ist. Als ein Ex-Modell kam es Schrager stets so vor, als würden Bilder ihres Körpers nicht ihren eigenen entsprechen.

Durch ihre Arbeit, die sich zwischen der Galerie und dem Internet bewegt, dem Genre der Schönen Künste und der Selbstpromotion, stellt Schrager die Frage danach, was uns anmacht, was wir ernst nehmen und wann sich diese Dinge überschneiden.

Die eigenen Sexualität kennenlernen

Das obige Bild zeigt, wie Schrager ihr Alter Ego Sarah White umschließt, auch bekannt als die Nackttherapeutin. In einem Versuch, sich die Verletzbarkeit der Nacktheit und den vibrierenden Thrill der sexuellen Erregung zu Nutze zu machen, will White versuchen, Männer zu erreichen, die normalerweise zu stolz oder zu apathisch sind, eine Therapie zu beginnen.

Sie ist nackt, sie können es auch sein, und beide gehen eine ehrliche Unterhaltung über Skype ein und begeben sich auf die Suche nach Ehrlichkeit, Intimität und Intensität, die sich von der Physis bis zur Persönlichkeit erstrecken.

nackt
Sophia Wallace

Die Ausstellung enthält Bilder von Künstlern aus Nord- und Südamerika, Asien und Europa und, um es mit Cesarines Worten auszudrücken, wurde „inspiriert durch ethnisch-diverse Modelle in ihren Arbeiten.“ Ein solches Modell ist Jiz Lee, genderqueer und Pornostar, die oft über den paradoxen Charakter der angewandten Gender-Neutralität spricht.

"Ich glaube, seine eigene Sexualität zu kennen oder sich dessen bewusst zu sein, ist ein Prozess, der manchmal damit korreliert, wie man sich identifiziert und in Uneinigkeit resultiert“, so erklärt es Lee in einem Interview mit GenderFork. „Ich weiß vielleicht, dass ich genderqueer bin, ich werde aber durch den Einfluss anderer auf meine Gender-Performance wahrgenommen, ob ich will oder nicht.“

Selfie-Feminismus

In Sophia Wallaces Schwarz-Weiß-Fotografie steht Lee vor einem leeren Bilderrahmen, eine nackte Brust unter einer schwarzen Lederjacke. Die meisten von Wallaces Bildern, die das Recht der Frau verfechten, sich so zu präsentieren, wie sie selbst sich sieht, stellen die Frage, was wir wirklich meinen, wenn wir über den weiblichen Körper sprechen. Neben Wallaces Arbeit aber gibt es einen spürbaren Mangel an nicht-konformen Körpern oder auch farbigen Körpern in der Ausstellung.

Fourth-wave feministische Kunst und die begleitende Ideologie mit dem Titel „Selfie-Feminismus“ wurde oft kritisiert und das zu Recht, da sie zumeist privilegierte, konventionell-attraktive, körperlich gesunde, weiße CIS-gender Frauen zeigt. Aria Dean erklärt es in ihrem Essay im New Inquiry Magazine folgendermaßen: “Selfie-Feminismus“ erhebt ebenfalls den Anspruch auf eine universell-feministische Erfahrung, die sich im weiblichen Körper befindet.“

Obwohl die Bewegung des Selfie-Feminismus behauptet, im Namen aller Frauen und Mädchen zu sprechen, so sind farbige Körper, nicht gender-konforme Körper und diverse andere Körperformen nicht zu sehen. Dean nennt das eine „Basic-Bitch-Politik der Sichtbarkeit“.

nackt

Kelsey Bennett

Nach der Diversität der Künstler-Blickwinkel gefragt bemerkt Cesarine: "Damit die Ausstellung auch kraftvoll ist, war es wichtig, Werke zu zeigen, die nicht nur den Blickwinkel einer einzigen weiblichen Künstlerin repräsentieren, sondern vieler. Jedes Werk mit einer eigenen persönlichen Erfahrung und Geschichte. Es sollte außerdem eine Multi-Generationen-Ausstellung sein, mit Werken junger Künstlerinnen, sowie auch Werken von Künstlerinnen, die sich in der Mitte ihrer Karriere befinden und Künstlerinnen, die bereits fest etabliert sind. Das war mir besonders wichtig.“

Cesarine hofft, mit der Ausstellung auch das dominante Mainstream-Verständnis des nackten weiblichen Körpers, der oft explizit ist und zensiert wird, verändern zu können. "Die Nacktheit als ein Tabu zu betonen ist veraltet und es wird Zeit, dass wir uns von dieser konservativen Denkweise befreien“ erklärt sie.

Es wird Zeit, dass diese Betrachtungsweisen auch Gehör finden

Wenn der weibliche Körper nicht mehr als etwas unvermeidbar Sexuelles und Obszönes gesehen wird, dann können Frauen voller Stolz die Form ausfüllen, mit der sie geboren wurden. Sie können sich ein befreites Bild ihres Körpers machen, frei von der vorhersehbaren männlichen Vorstellung.

"Ich denke für Frauen ist es extrem wichtig, sich davon zu befreien, sich stets nur durch die Augen eines Mannes wahrzunehmen“, so Cesarine. „Eine eindimensionale Betrachtungsweise der Welt entspricht nicht der Wirklichkeit. Es gibt so viele weitere relevante Betrachtungsweisen neben der männlich-heterosexuellen. Es wird Zeit, dass diese Betrachtungsweisen auch Gehör finden.“

"In he Raw: The Female Gaze“, kuratiert von Indira Cesarine und Coco Dolle, ist vom 3. Mai bis zum 21. Mai 2016 in der Untitled Space Gallery in New York zu sehen.

nackt

Aneta Bartos

nackt

Indira Cesarine

nackt

Elisa Garcia de la Huerta

nackt

Indira Cesarine

nackt

Sophia Wallace

nackt

Annika Connor

nackt

Marie Tomanova

nackt

Logan White

nackt

Katya Zvereva

nackt

Leah Schrager

nackt

Logan White

nackt

Lynn Bianchi

nackt

Marie Tomanova

nackt

Maria Kreyn

nackt
Victoria de Lesseps

nackt
Aneta Bartos

nackt

Lynn Bianchi

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Das verrät euer Smartphone über eure sexuellen Vorlieben

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.