Huffpost Germany

An die Vollidioten, die AfD-Mitgliedern jetzt mit Mord drohen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HCKE
Demonstration von Linken im Wohnort von AfD-Mann Björn Höcke | dpa
Drucken

Es war zu erwarten: Am vergangenen Wochenende veröffentlichten linke Aktivisten pünktlich zum Parteitag der AfD eine Liste mit 2000 Namen und Kontaktdaten von Teilnehmern des AfD-Parteitages.

Nun, einige Tage später, berichten laut der rechten Zeitschrift "Junge Freiheit" zahlreiche AfD-Mitglieder von Morddrohungen. Darunter sind Mordaufrufe per Email, Drohanrufe und Graffiti mit Todesdrohungen. An die E-Mail Adressen der Mitglieder verschickten Unbekannte Mails mit Schadsoftware.

"In 48 Stunden wirst du umgebracht"

Auch ein Student aus Tübingen, der eine wissenschaftliche Arbeit über die AfD schreibt und für den Parteitag angemeldet war, fand in seinem Postfach laut dem "SWR" folgende Nachricht: Braunes Nazischwein, deine Tage sind gezählt. In 48 Stunden wirst du umgebracht."

Die Vorfälle sind eine Schande. Und alle, die AfD-Mitgliedern mit Mord drohen, sind einer demokratischen Gesellschaft unwürdig. Wer sich über rechte Gewalt aufregt, kann über die Hetze gegen AfD-Mitglieder nicht hinwegsehen.

Sicher, der fremden- und islamfeindliche Kurs der AfD ist teilweise eklig, rückwärtsgewandt und hasserfüllt. Die Partei wünscht sich ein intolerantes, mausgraues, langweiliges Deutschland wie es in den 50er-Jahren existierte.

Shitstorm gegen Ramelow

Aber: Man muss sich mit der AfD auseinandersetzen, Einschüchterung und Gewalt sind das falsche Mittel. Kluge Köpfe - selbst auf der Linken - haben das verstanden.

So verurteilte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow vor einigen Tagen zurecht Antifa-Aktivisten, die vor dem Wohnhaus des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aufmarschierten (siehe Foto oben).

Gegen Ramelow gab es einen regelrechten Shitstorm von Linken, SPD-Mitgliedern und Gewerkschaftern (und natürlich von radikalen Linken). Als hätte ein Björn Höcke keine Menschenrechte und dürfte bedroht und eingeschüchtert werden.

Politischer Diskurs in Deutschland radikalisiert sich

Man könnte nun einwenden: Diese - teils auch gewalttätigen Auseinandersetzungen - zwischen Rechts und Links hat es immer gegeben. Nur: Die Drohungen gegen die AfD-Mitglieder sind ein weiterer Hinweis darauf, dass in Deutschland etwas mit der Debattenkultur nicht stimmt.

Der linke Soziologe Wolfgang Streeck kritisierte erst kürzlich den politischen Diskurs in Deutschland. Jeder, der sich zum Beispiel gegen Merkels Kurs in der Flüchtlingskrise ausspreche, werde vorschnell in die Naziecke gesteckt, schrieb er. Diejenigen, die so vom Diskurs ausgeschlossen werden, landen früher oder später bei der AfD, denn dort wird ihnen noch zugehört.

Der politische Diskurs in Deutschland radikalisiert sich - und er wird dümmer. Die miesen Drohungen gegen AfD-Mitglieder sind ein weiteres Anzeichen dafür.

Auch auf HuffPost:

Diese Frau trank 4 Wochen lang 3 Liter Wasser pro Tag. Die Veränderung ist unglaublich

(till)