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Beunruhigende Studie zeigt, wie groß die Kluft zwischen arm und reich in Deutschland tatsächlich ist

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ARMUT
Studie zeigt: Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer | Getty
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  • Eine aktuelle Studie zeigt: Die deutsche Mittelschicht schrumpft
  • Dies hat auch negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Bereits Ende vergangenen Jahres warnte Top-Ökonom Marcel Fratzscher in einem Buch: "In kaum einem Industrieland herrscht eine so hohe Ungleichheit in Bezug auf Einkommen, Vermögen und Chancen wie in Deutschland."

Diese Ungleichheit spiegelt sich nun auch in harten Zahlen wieder: Der Anteil der deutschen Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung ist zwischen 1983 und 2013 von 62 Prozent auf 54 Prozent gesunken.

Dies ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der WirtschaftsWoche vorliegt. Fratzscher ist Leiter des DIW.

Die Studie zeigt eine Entwicklung, vor der Fratzscher schon länger warnt: Deutschland sei ein Land, das mit die höchste Ungleichheit bei den privaten Vermögen habe und in dem die Lohnentwicklung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den vergangenen 20 Jahren deutlich auseinander gegangen seien.

"Wir können es uns nicht leisten, dass immer mehr Menschen abgehängt werden"

"Die Mittelschicht schrumpft in Deutschland genauso stark wie in den USA", erklärt Fratzscher angesichts der aktuellen Zahlen. "Wir können es uns nicht leisten, dass immer mehr Menschen abgehängt werden."

Nach der aktuellen Studie, die auf Daten des Sozioökonomischen Panels beruht, vergrößerten sich tatsächlich die untere und die obere Einkommensschicht in den untersuchten drei Jahrzehnten jeweils um vier Prozentpunkte.

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Konkret stieg der Anteil der unteren Einkommensschichten von 29 auf 33 Prozent, der Anteil der oberen Einkommensschichten wuchs von 9 auf 13 Prozent.

Auch die Spreizung der Bruttoeinkommen hat im Untersuchungszeitraum zugenommen. Während die Einkommensstarken 1983 noch über einen Anteil von 21 Prozent am Gesamteinkommen der Deutschen verfügten, waren es 2013 schon 34 Prozent, berechnete das DIW.

"Wenn die Mittelschicht schrumpft, schadet das der deutschen Wirtschaft"

Der Anteil der Mittelschicht am Gesamteinkommen nahm dagegen von 69 Prozent 1983 auf 55 Prozent in 2013 ab. Der Anteil der Einkommensschwachen ist im fraglichen Zeitraum von 10 Prozent auf 11 Prozent nur geringfügig gewachsen.

"Wenn die Mittelschicht schrumpft, schadet das der deutschen Wirtschaft", kommentiert Fratzscher diese Entwicklung. Als Grund nannte er die geringere Konsumneigung der Spitzenverdiener.

Zur Mittelschicht zählt das DIW diejenigen Haushalte, die vor Steuern und Sozialtransfers mehr als 67 Prozent oder weniger als 200 Prozent des Medianeinkommens verdienen.

Als Medianeinkommen wird das Bruttoeinkommen bezeichnet, das die Bevölkerung in zwei genau gleich große Hälften teilt. Bei einer vierköpfigen Familie umfasst dies Haushalte mit einem Einkommen zwischen 2780 und 8300 Euro brutto im Monat.

Neben den Folgen für die Wirtschaft sind Fratzschers Zahlen auch eine schlechte Nachricht für die Demokratie in Deutschland. Denn je weiter Arm und Reich auseinanderdriften, je mehr Menschen fühlen sich zurückgelassen und ungerecht behandelt - mit großer Wahrscheinlichkeit laufen sie dann Protestparteien wie der AfD in die Arme.

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