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Polizei räumt unter Protest Teile Idomenis

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POLIZEI IDOMENI
Die Polizei räumte heute Teile des wilden Camps in Idomeni | dpa
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  • Laut einem "Spiegel Online"-Bericht sollen heute Teile des Flüchtlingslagers Idomeni unter Protest geräumt worden sein
  • Bis zum Wochenende sollen die Bahngleise entlang des Lagers wieder komplett befahrbar sein
  • Flüchtlinge vor Ort planen laut des Berichts weitere Proteste gegen die Maßnahmen

Abermals Aufruhr in Idomeni: Wie "Spiegel Online" berichtet, sollen am heutigen Donnerstag Spezialeinheiten der griechischen Polizei Teile des provisorischen Flüchtlingscamps geräumt haben.

Ein Ziel der Aktion sei es, die Gleise komplett befahrbar zu machen, sagten ein Polizist und ein Regierungssprecher demnach dem Blatt.

idomeni

Die Gleise sollen nun bis Samstag geräumt werden, das gesamte Lager bis Ende Mai. Diese Entscheidung fällten am Mittwoch die Polizei sowie die lokalen Behörden in der griechischen Stadt Thessaloniki.

Weitere Proteste geplant

Seit fast sieben Wochen halten Flüchtlinge bei Idomeni den für die griechische Wirtschaft wichtigen Bahnübergang nach Mazedonien besetzt. Bewohner des Dorfes beschweren sich zunehmend über die Probleme, die durch das improvisierte Flüchtlingslager entstünden.

Wie "Spiegel Online" weiter berichtet, sollen Flüchtlinge vor Ort bereits Proteste gegen die geplante Aktion planen. In den Zelten auf den Gleisen leben etwa 2000 Menschen, ungefähr hundert sollen sich am Donnerstag an einer Sitzblockade gegen den Polizeieinsatz beteiligt haben, berichtet das Blatt weiter.

idomeni

Die griechische Regierung hatte am heutigen Donnerstag auch die Hilfsorganisationen im improvisierten Flüchtlingslager von Idomeni aufgerufen, bei der Schließung des Lagers zu helfen.

"Im Falle des Widerstands werden auch andere Mittel eingesetzt"

Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die 10.000 Flüchtlinge freiwillig aus dem Lager an der Grenze zu Mazedonien in staatlich organisierte Lager zögen.

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Wenn Idomeni nicht gewaltsam geräumt werden solle, müssten auch die Hilfsorganisationen zur Umsiedlung aufrufen, erklärte der griechische Minister für Migration, Ioannis Mouzalas, der Athener Tageszeitung "Kathimerini" vom Donnerstag zufolge.

Ein Vertreter der Polizei sagte dazu "Spiegel Online", dass im Falle anhaltenden Widerstands gegen die Räumung des Lagers als letzte Option auch andere Mittel eingesetzt würden.

"Zu wenig Personal und notwendiges Equipment"

In den Ersatzunterkünften könnten die Asylverfahren allerdings erst mit deutlicher Verzögerung aufgenommen werden, räumte der Beamte gegenüber dem Blatt ein.

Dort gebe es bislang kaum Personal und notwendiges Equipment. Mit dem Beginn der Asylverfahren sei daher frühestens nach einem Monat zu rechnen.

In den beiden größten "wilden Camps" Griechenlands - in Idomeni und am Hafen von Piräus - harrten nach Angaben des staatlichen Krisenstabs für Flüchtlinge zuletzt noch mehr als 4.000 und 10.000 Menschen aus.

In Piräus hat sich die Lage etwas verbessert. Den Behörden ist es gelungen, hunderte Migranten zu überreden, in ein gut organisiertes Lager in der Nähe von Piräus umzusiedeln.

Bisher hatten sich die Lagerbewohner stets geweigert, in staatliche Auffanglager umzusiedeln, aus Angst, dort "vergessen" zu werden und schlechte Bedingungen vorzufinden.

54.000 Menschen stecken in Griechenland fest

Laut des Berichts der Athener Tageszeitung "Kathimerini" erwartet Mouzalas, dass 40.000 Flüchtlinge und Migranten für einen längeren Zeitraum in Griechenland bleiben werden.

Wegen der Schließung der mazedonischen Grenze stecken mehr als 54.000 Menschen im Land fest. Die meisten wollen weiter nach Mittel- und Nordeuropa, viele geben Deutschland als Ziel an.

Nach der Schließung der Balkanroute und dem am 20. März in Kraft getretenen EU-Abkommen mit der Türkei über eine Rücknahme illegaler Einwanderer ist der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland abgeebbt.

Im April waren insgesamt 3469 Menschen angekommen. Bislang sind knapp 400 Menschen in die Türkei zurückgeschickt worden.

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