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"Peinlich und zum Schaudern": Deutsch-Amerikaner rechnet mit dem deutschen Humor ab - und es ist großartig

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DEUTSCHE HUMOR
Die Deutschen haben keinen Sinn für Ironie - und die "heute-show" ist peinlich | ZDF
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"Ach, komisch dass du lachst. Ihr habt doch normalerweise gar keinen Humor." Diesen Satz bekommen Deutsche im Ausland gerne mal zu hören. Doch wie viel ist dran ist an diesem Cliché?

Leider jede Menge, meint ein Mann mit deutsch-amerikanischer Staatsbürgerschaft. In einem Artikel für das britische Magazin "The Economist" beschreibt Andreas Kluth, Leiter des Berliner Büros des Blatts, seine Beobachtungen zum Thema Deutsche und Humor. Und er tut das so treffend, dass sein Artikel mittlerweile zu einem Viralhit in den sozialen Netzwerken geworden ist.

"Kein Sinn für Ironie"

Laut Kluth liegt das Ur-Problem darin, dass Deutsche zum einen keine Ironie verstünden und zum anderen wahnsinnig besserwisserisch seien.

Diese Kombination führe zu schweren Verständigungsproblemen auf der Ebene des Humors, meint der Journalist – und erklärt dies an einem Beispiel aus seinem Alltag: Einem Zoo-Besuch mit seinen Kindern in Berlin.

"Wir waren guter Laune, als wir an der Zoo-Kasse an die Reihe kamen. Die Dame an der Kasse informierte mich darüber, wie viel der Eintritt für die Kinder kosten würde. 'Wie viel müsste ich zahlen, damit Sie (die Kinder) behalten?', scherzte ich. Die Kinder fingen an zu kichern und schlugen selbst Preise vor. Die Dame starrte mich entsetzt an. 'Euer Vater meint das nicht so', erklärte sie meinen Kindern. 'Er will euch nicht wirklich verkaufen'."

Seine Kinder seien nach dem Vorfall merklich verwirrt gewesen, erklärt der Autor. Denn für sie sei - im Gegensatz zu den meisten Deutschen - Ironie ein gut verständliches Konzept.

"Deutsche müssen ständig andere verbessern"

Die Eigenart, andere Menschen selbst bei unwichtigen Kleinigkeiten zu verbessern, sei ihm seither allerdings nicht nur bei anderen Deutschen, sondern auch bei sich selbst aufgefallen, berichtet der Deutsch-Amerikaner weiter.

"Ein türkischer Botschafter erläuterte auf einer Dinnerparty, dass er bemerkt habe, wie gerne Deutsche verbesserten. (...) Etwas später ging es dann um Wein. Meine Frau erzählte von einem Wein, den wir neulich in Napa County getrunken hatten. 'Tatsächlich war das in Sonoma', korrigierte ich sie (Sonoma und Napa sind zwei benachbarte Weingebiete in Kalifornien, Anm. der Autorin). "Sehen Sie!", sagte der Botschafter daraufhin lachend."

Dass den Deutschen Ironie fremd liegt, zeigt sich laut Kluth ausgerechnet an der beliebten Satire-Sendung "Heute-Show". Diese "ziemlich offensichtliche Nachahme der amerikanischen 'The Daily Show' von Jon Stewart" sei "so peinlich", dass sie ihn regelmäßig "zum Schaudern" bringen würde.

"Viele Ausländer reden mit den Deutschen, wie mit Siri"

"Anstatt einer hochgezogenen Augenbraue, bekommt man hier Ganzkörpersignale, wann man zu lachen hat", amüsiert sich der Autor und spielt damit auf die ausladende Gestik des "Heute-Show"-Machers Oliver Welke an. Die deutsche Version der "Daily Show" arbeite nicht wirklich mit Ironie, sondern verlasse sich ganz auf Sarkasmus - "die unterste Form von Humor", urteilt der Deutsch-Amerikaner.

Doch wie kommt man als Ausländer zurecht in einem Land, das - laut Kluth - keinerlei Ironie versteht? Indem man sie komplett weglässt, argumentiert der Journalist.

"Viele Auswanderer umgehen die zwanghafte Abweisung einfach, indem sie mit den Einheimischen so geradeheraus wie möglich sprechen, als ob sie mit Siri oder einem iPhone redeten", schlussfolgert er.

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