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Von wegen "Wer wird Millionär?": Wer bei Günther Jauch abräumt, muss die Hälfte des Gewinns abgeben

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Von wegen "Wer wird Millionär?": Wer bei Günther Jauch abräumt, muss die Hälfte des Gewinns abgeben | dpa
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Seien wir ehrlich: Die Chance, bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" bis zur Millionenfrage zu kommen, ist sehr gering. Seit September 1999 läuft die beliebte Quizshow wöchentlich auf RTL - und gerade einmal 14 Kandidaten haben es gewagt, die letzte Frage zu beantworten.

13 davon lagen richtig und durften eine Millionen Euro mit nach Hause nehmen. Wobei, nicht ganz. Denn tatsächlich bleiben den Kandidaten von ihrem Millionengewinn unter Umständen am Ende weniger als 500.000 Euro übrig.

Schuld daran ist das Finanzamt. Denn Preisgelder, die in einer Fernsehshow erspielt werden, unterliegen unter Umständen der Einkommenssteuerpflicht. Wer im Lotto gewinnt, wo nur das Glück entscheidet, muss seinen Gewinn nicht versteuern.

Wer bei Günther Jauch auf dem Stuhl abräumt, hat eine Leistung für sein Preisgeld erbracht – und muss den Gewinn eventuell als „Sonstige Einkünfte“ versteuern (§ 22 Nr. 3 EStG, BFH Beschluss vom 16.06.2014 - IX B 22/14 NV).

(Text geht unter dem Video weiter)

Hier ist der Beweis, dass RTL euch für dumm verkauft

Die Show stellt allerdings einen Graubereich dar: Denn ob hier Glück oder Leistung entscheidet, liegt im Auge des Betrachters. „Wer wird Millionär“-Gewinnerin Nadja Sidikjar, die in einer Spezialsendung über 1,5 Millionen Euro abräumte, gab gegenüber "Bild" an: „Leider muss ich wohl rund 48 Prozent meines Gewinns als Einkommenssteuer und Solidaritätszuschlag an den Staat abgeben“.

Ob das Finanzamt also am Ende des Jahres anklopft, um die Hälfte der Millionen einzustreichen, hängt vom Einzelfall ab.

Je höher das Preisgeld, desto mehr müssen die Gewinner abgeben

Für die Gewinner kann es ganz schön teuer werden: „Das Preisgeld wird zu dem Einkommen des Kandidaten hinzu gezählt. Wer zusammengerechnet mehr als eine Viertel Millionen Euro Jahresverdienst hat, fällt in den Spitzensteuersatz“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) im Gespräch mit der Huffington Post.

Der Gewinn wird also mit 45 Prozent versteuert, außerdem kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag hinzu. Dem Kandidaten würde in diesem Fall also gerade einmal die Hälfte seines Gewinns übrig bleiben.

Noch schlechter steigen Kandidaten bei "Wer wird Millionär?" aus, wenn sie gar nicht auf den Stuhl kommen. Sie haben am Ende nicht nur keinen Gewinn, sondern gehen auch mit einem Minus von einem Euro nach Hause. So viel mussten sie nämlich zuvor für die Online-Bewerbung bezahlen.

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(sho)