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Machtkampf in der Türkei: Erdogan drängt größten Partei-Konkurrenten ab

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ERDOGAN DAVUTOGLU
Machtkampf in der Türkei: Erdogan drängt größten Partei-Konkurrenten ab, Premier Davutoğlu | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Türkischer Ministerpräsident Davutoğlu erwägt Rücktritt
  • Damit würde er im Machtkampf gegen Erdoğan kapitulieren
  • Erdoğans Machtausbau scheint dann kaum noch etwas entgegenzustehen

Das Machtstreben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan erregt weltweit Besorgnis. Nun könnte der AKP-Gründer seinen größten Konkurrenten ausschalten, den Parteikollegen und Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu.

Dieser denkt laut übereinstimmenden türkischen Medienberichten über einen Rücktritt nach. "Falls nötig, trete ich zur Seite", soll er laut den Tageszeitungen "Hürriyet" und "Cumhuriyet" bei einem Treffen der Regierungspartei gesagt haben.

Davutoğlu knickt im Machtkampf gegen Erdoğan ein

Der Aussage war ein Machtkampf zwischen Regierungs- und Parteichef Davutoğlu und Staatsoberhaupt Erdoğan vorausgegangen. Vergangene Woche hatte die AKP gegen Davutoğlus Willen dessen Befugnisse eingeschränkt. Der "Hürriyet"-Kolumnist Abdülkadir Selvi, der für seine guten Regierungsbeziehungen bekannt ist, bezeichnete diese Niederlage Davutoğlus als "Wendepunkt für die Partei".

Der Ministerpräsident hatte sich mehrmals gegen eine geplante Verfassungsänderung gestellt, die Erdoğan mehr Macht geben soll. Von Unterstützern des Parteigründers handelte er sich damit scharfe Kritik ein.

Obwohl Davutoğlu Regierungschef ist, ist Erdoğan ohnehin schon der bestimmende Mann in Regierung und Partei. Offiziell ist Davutoğlu seit 2014 Regierungschef und Vorsitzender der AKP, - seit Erdoğan Staatschef wurde und den Posten als Parteichef aus verfassungsrechtlichen Gründen abgeben musste.

Entscheidung möglicherweise schon an diesem Mittwochabend erwartet

Die beiden türkischen Spitzenpolitiker wollten sich am Mittwochabend treffen und über das Zerwürfnis sprechen - doch laut Presseberichten ist dessen Ausgang bereits ein abgekartetes Spiel. Erdoğan erwäge bereits, Davutoğlu durch den Verkehrsminister Binali Yıldırım oder den Energieminister Berat Albayrak, der gleichzeitig auch sein Schwiegersohn ist, zu ersetzen.

Dem voranschreitenden Machtausbau und der Vetternwirtschaft des türkischen Staatspräsidenten scheint im Land kaum einer mehr etwas entgegensetzen zu können.

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