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So will ein Supermarktbesitzer in seinen Edeka-Filialen künftig Plastikmüll vermeiden

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EDEKA
So will ein Supermarktbesitzer in seinen Edeka-Filialen künftig Plastikmüll vermeiden | ullstein bild via Getty Images
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  • Ein Filialleiter will in seinen Edeka-Märkten bis 2017 plastikfrei sein
  • Inspirationsquelle sind Einzelprojekte von komplett verpackungsfreien Läden
  • An den Frischetheken können Kunden nun eigene Boxen mitbringen - dank eines besonderen Hygienesystems
  • Andere Branchenvertreter zeigen bereits großes Interesse an dem Konzept

Für die Plastiktüten an der Kasse müssen Kunden in Supermärkten schon lange zahlen, viele bringen seitdem eigene Taschen mit und schonen so die Umwelt. Doch beim Verpacken von Obst, Gemüse und den Angeboten der Frischtheke sind Plastikbeutel und -einwickelpapiere noch der Standard.

Ausnahmen sind die verpackungsfreien Supermärkte, die seit zwei Jahren vereinzelt in Deutschlands Großstädten eröffnen. Dort können sich die Kunden die Einkäufe von Mehl und Milch über Obst und Fleisch direkt in die eigene Box packen oder in Flaschen abfüllen.

"Ich ärgere mich selbst jeden Tag"

Inspiriert von einer Fernseh-Doku über "Original unverpackt", den ersten Markt dieser Art in Berlin, nahm sich Dieter Hieber vor, Ideen von dort auch in große Supermarktketten zu integrieren und den Plastikverbrauch zu reduzieren. Der Unternehmer betreibt zwölf Edeka-Filialen in Baden-Württemberg.

Aber: "Ich verkaufe nicht nur, ich konsumiere ja auch", sagt Hieber der Huffington Post. "Und da ärgere ich mich selbst jeden Tag." Er wohnt direkt über einem seiner Märkte in Binzen, einem kleinem Dorf bei Lörrach. Die Lebensmittel, die im Erdgeschoss frisch einpackt werden, befreit er nur Minuten später wieder von ihrer Plastikhülle. Das sei doch unnötige Müllproduktion, findet er.

Plastikfrei bis Jahresende

Hieber nahm Kontakt mit der Edeka-Zentrale und der Stadt auf - doch seiner Euphorie wurde erst einmal ein Dämpfer versetzt. Mit den geltenden Hygienevorschriften ist ein verpackungsarmer Verkauf von Frischwaren nur schwer zu vereinbaren. An der Frischtheke dürfen beispielsweise mitgebrachte Dosen, an denen Bakterien haften könnten, nicht über die Theke gereicht werden.

"Ich bin jemand, der mit 'geht nicht' nicht gern leben mag"

"Jetzt bin ich aber jemand, der mit 'geht nicht' nicht gut leben kann", sagt Hieber. Gemeinsam mit einer Studentengruppe der "Ecole Supérieure en Visual Merchandising Design" und verschiedenen Unternehmen hat er Lösungsansätze entwickelt - und startet nun eine Umweltoffensive in seinen Supermärkten.

Bis zum Jahresende sollen seine Märkte plastikfrei sein - mal abgesehen von den Industrieprodukten natürlich.

Tupperware an der Käsetheke

Die erste Neuerung führte er an den Frischtheken ein. In ausgewählten Filialen können Kunden sich Käse, Fisch und Fleischwaren in mitgebrachte Behältnisse packen lassen. Wer vergessen hat, eine Box mitzubringen, kann auch eine wiederverwendbare Dose im Markt kaufen.

Damit alles nach den Hygienevorschriften abläuft, entwickelte das Team eine Schleuse, in die die Kunden ihre Boxen legen können. Mithilfe von UV-Licht entkeimt der Apparat die Dosen, sodass die Mitarbeiter sie ohne Bedenken anfassen und mit Lebensmitteln befüllen können. Ähnliche Geräte werden zum Beispiel auch in Schlachthöfen verwendet.

Hieber stellte die Erfindung den Behörden vor und baute die erste Schleuse in einer seiner Filialen auf. Doch auch mit dieser Lösung wollte er sich noch nicht zufriedengeben: Das Gerät sei immer noch kompliziert gewesen und habe viel Strom verbraucht, sagt er.

edeka

Die zündende Idee war so simpel, dass Dieter Hieber selbst lachen muss. "Es kann manchmal so einfach sein, dass es man es gar nicht sieht", sagt er.

Die Mitarbeiter reichen nun ein sauberes Tablett über die Theke, auf das die Kunden ihre Gefäße abstellen können. Wurst oder Käse werden hineingelegt und die Box zurückgegeben. Da der Kunde seine Dose selbst verschließt, muss der Mitarbeiter sie so kein einziges Mal berühren - und verletzt damit die Hygienevorschriften nicht.

Auch das Landratsamt stimmte der Lösung zu. Man müsse lernen, den Kunden mehr Verantwortung zurückzugeben, hieß es von dort.

supermarket tupperware

Über soziale Netzwerke und aus der Branche bekommt Hieber viel positives Feedback aus ganz Deutschland. Kollegen von Edeka und Rewe sowie einige Metzger hätten sich die Idee bereits angesehen, sagt er. Manche davon hatten Mails von Kunden erhalten, die nachfragten, ob es in ihrem Supermarkt nicht auch eine solche Lösung geben könne.

Die Edeka Süd-West sowie ein Betreiber aus München würden nun bereits überlegen, das System zu übernehmen. "Ich habe die Hoffnung, damit eine kleine Welle loszutreten", sagt Hieber.

"Überwältigendes Feedback" - und ein "kleines Pflänzchen"

Und die Kunden? Machen die auch mit? "Es ist noch ein kleines Pflänzchen", gibt der Unternehmer zu. Aber je weiter sich die Neuigkeit verbreiten würde, desto mehr brächten auch ihre Boxen mit. Wenn zehn bis 15 Prozent auf den Zug aufspringen würden, wäre Hieber schon zufrieden.

"Ich habe die Hoffnung, damit eine kleine Welle loszutreten"

Bis dahin entwickelt er schon die nächsten Ideen: Obst und Gemüse sollen die Kunden künftig in wiederverwendbare Netzen statt in Plastikbeutel einpacken. Auch bei den Backwaren, dem Kaffee zum Mitnehmen und bei der Saftbar arbeitet er an Mehrweglösungen. Für die alternativen Einweglösungen will er auf nachhaltiges Material setzen.

Nur die Verpackung der gelieferten Industrieprodukte, die kann Hieber leider nicht beeinflussen. "Aber auch da findet langsam ein Umdenken statt", glaubt der Unternehmer.

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(lk)