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EU-Verordnung: Darum könnten Millionen Deutsche ab 2018 schwieriger Kredite bekommen

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  • Eine neue EU-Verordnung könnte Verbraucherschützern zufolge die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern beeinflussen
  • Konsumentenschützer fordern, dass die Bundesregierung eingreift
  • Die wichtigsten Aussagen im Text erklärt das Video oben

Bekommen bald Millionen von Deutschen schwieriger Kredite? Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) warnt vor einem abnehmenden Datenschutz beim sogenannten Scoring, also der Bonitätsprüfung im Auftrag von Firmen oder Banken. Eine Mitte April vom EU-Parlament beschlossene neue Regelung dürfte aus Sicht der Konsumentenschützer zu einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit vieler deutscher Kunden führen.

Spätestens im Frühsommer 2018 tritt die Datenschutz-Grundverordnung der EU in den Mitgliedsstaaten in Kraft. Diese sieht den Konsumentenschützern zufolge eine deutlich unbestimmter gefasste Regelung rund um das Scoring vor als das aktuell gültige Bundesdatenschutzgesetz.

"Ganze Viertel oder Straßenzüge betroffen"

Es drohe, dass künftig bei automatisierten Datenabgleichen auch Forderungen berücksichtigt würden, die umstritten seien, warnt der VZBV. Dann könne die Bonität von Verbrauchern schlechter gestellt werden, auch wenn die Zahlungsaufforderungen haltlos seien. Die Verbraucherschützer fordern die Große Koalition deshalb auf, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Datenschutzniveau zu erhalten.

Außerdem fürchten die Konsumentenschützer, die Einstufung der Kreditwürdigkeit könne von der Wohnadresse abhängen. Bislang sei in Deutschland ein Scoring allein aufgrund der Privatanschrift nicht zulässig, sagte VZBV-Expertin Lina Ehrig zuletzt dem "Handelsblatt". „Ganze Viertel oder Straßenzüge bekämen eine negative Kreditwürdigkeit bescheinigt“, warnte sie.

"Schutzniveau aufs Spiel gesetzt"

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Auskunftsdateien, die für Banken oder Unternehmen die Kreditwürdigkeit überprüfen. Dazu benutzen sie das sogenannte Scoring-Verfahren. Hier fließen diverse Faktoren ein: Hat der Verbraucher in der Vergangenheit seine Kredite pünktlich zurückbezahlt? Auch diverse andere Kriterien wie der Beruf spielen eine Rolle.

Vom Scoring hängt dann in der Praxis etwa ab, ob Kunden beispielsweise eine Möbel- oder Autofinanzierung oder einen Bankkredit bekommen. Scoring steht primär für das Zählen von Punkten.

Die seit 2010 gültige Datenschutz-Novelle setzt dem Scoring hierzulande derzeit jedoch noch relativ enge Grenzen. „Für das Scoring gelten in Deutschland sehr detaillierte Vorgaben, die für Rechtssicherheit sorgen. Davon profitieren Verbraucher wie auch Unternehmen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des VZBV. Dieses Schutzniveau dürfe man "keinesfalls aufs Spiel setzen".

Mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung drohten massive Verschlechterungen für die Konsumenten. So verhindere die neue Regelung aus Brüssel zum Beispiel nicht, „dass künftig auch finanzielle Forderungen, die ein Verbraucher bestritten hat, an Auskunfteien gemeldet und in den Scorewert einfließen können“, kritisiert Müller. In der aktuell in Deutschland gültigen Datenschutz-Novelle sei dies bislang noch explizit verboten. „Auch das Scoring allein auf Basis von Anschriften ist im Moment nicht erlaubt, wäre künftig aber möglich“, fürchtet Müller.

"Massiver rechtlicher Rückschritt"

Für den Konsumentenschützer ist klar: „Die Datenschutz-Grundverordnung dreht beim Thema Scoring die Zeit zurück.“ Es drohe „ein massiver rechtlicher Rückschritt“. Die Bundesregierung müsse daher ihr Versprechen, „dass unser Datenschutzniveau erhalten bleibt, ernst nehmen und aktiv werden“.

„Die Zeit drängt. Wir fordern Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Bundesverbraucherminister Heiko Maas auf, das Schutzniveau zu sichern – unter anderem mit Hilfe von Öffnungsklauseln in der Datenschutz-Grundverordnung, die die Mitgliedsstaaten für eigene Regelungen nutzen können.“ Auch könnten Regelungen aus dem Bundesdatenschutzgesetz in andere Gesetze übertragen werden, so der VBZW.

Die Schufa ist die mit Abstand größte Kredit-Auskunftsdatei hierzulande. Ein Sprecher sagte auf Anfrage der Huffington Post, man wolle sich nicht zu den Aussagen des VZBV äußern. Anders als andere Firmen verzichtet die Schufa jedoch auf das sogenannte Geo-Scoring, mit dem zum Beispiel explizit der exakte Wohnort erfasst wird. Der Bundesverband deutscher Banken wollte sich im Laufe des Nachmittags äußern.

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