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Heino: Traurige Erkenntnis seiner langen Karriere

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Heino zeigt seinen Kritikern die rote Karte

Heino, der alte Volksmusiker, scheint längst vergessen. Aber Heino, der hippe Rock-Opa mit dem Totenkopf-Ring, ist präsenter denn je. Aktuell überrascht der 77-jährige Düsseldorfer mit einem Fußball-Album. Der provokante Titel: "Arschkarte". Mit der Nachrichtenagentur spot on news hat der ewig blonde Heino sehr launig über König Fußball gesprochen und verraten, warum er sich jüngere Fans suchen musste.

Heino, wem wollen Sie mit ihrem neuen Album die "Arschkarte" zeigen?

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Heino: All denen, die mich belächelt und beschimpft haben. Da gab es ja eine ganze Menge. Aber man muss auch wissen: Wenn Kritik berechtigt war, bin ich damit vollkommen einverstanden. Viele Kritiker aber konnten nicht verstehen, warum ich Volksmusik mache. Die meisten halbgebildeten Journalisten wussten nie, worüber ich singe. Denen würde ich doch schon gerne mal die Arschkarte zeigen. Aber das muss man natürlich mit einem Augenzwinkern sehen.

Das Album ist eine Einstimmung auf die Fußball-EM. Interessieren Sie sich privat überhaupt für Fußball?

Heino: Ich habe selbst lange Jahre Fußball gespielt - bis zu meinem 18. Lebensjahr war ich im Kader der Düsseldorfer Stadtmannschaft. Irgendwann stellte sich mir die Frage, spiele ich weiter Fußball oder mache ich Musik? Da habe ich mich natürlich für Musik entschieden. Denn im Gegensatz zum Fußball kann man Musik auch im hohen Alter noch machen, wie man an mir sieht. Ich kenne viele der ehemaligen Nationalspieler wie Fritz Walter, Uwe Seeler oder Toni Turek. Damals haben die 400 bis 500 D-Mark im Monat verdient. Und mit 30 Jahren war die Karriere vorbei. Davon könnte man heute nicht leben.

Von welchem Bundesligaverein sind Sie Fan?

Heino: Ich bin ein Fan von Bayern München. Da kenne ich auch viele von den alten Spielern wie Beckenbauer. Aber mein Herz schlägt natürlich für Düsseldorf. Und da hoffe ich doch sehr, dass wir diese Saison nicht absteigen.

Darf Ihre Frau Hannelore mit Ihnen Fußball im Fernsehen schauen?

Heino: Bei so wichtigen Spielen, wie Champions-League-Halbfinale oder bald bei der Europameisterschaft, da schaut die Hannelore mit mir. Aber sie muss natürlich ein bisschen ruhig sein, ich möchte da nicht gestört werden.

Mit ihrem Fußball-Album geben Sie sich als Schlachtenbummler, zuvor haben Sie mit "Mit freundlichen Grüßen" deutsche Lieder gerockt. Haben Sie keine eigenen Ideen mehr?

Heino: Was sind denn eigene Ideen? Wenn ich eine Fußball-CD mache, dann ist das doch schon mal eine eigene Idee. Und wenn einer 50 Jahre lang Volksmusik singt, dann ist es doch auch eine Idee, plötzlich mal Rock zu singen. Da muss man sich ja immer weiterentwickeln. In der volkstümlichen Szene gibt es keinen Interpreten, der so ideenreich ist wie ich. Ich mache mir jetzt schon wieder Gedanken über das nächste Album. Ich muss ja nichts Neues komponieren. Ich muss nicht nach Texten und Melodien suchen. Es gibt so viele schöne Lieder, die ich in den letzten 60 Jahren im Radio oder auf Schallplatte gehört habe. Da muss man nur mal wieder die richtigen rauspicken.

Welches Genre muss sich denn als nächstes vor Heino in Acht nehmen?

Heino: Das weiß ich noch nicht. Aber ich habe eine ganz spezielle Geschichte im Kopf: Ich habe mit Volksliedern angefangen und ich möchte gerne mit Volksliedern aufhören. In der heutigen Zeit kennen 95 Prozent gar nicht mehr die richtigen Volkslieder, wie ich sie mal gelernt habe. Man muss diese wunderschönen Lieder nur etwas entstauben und die Texte in die heutige Zeit transferieren. Und schon kann man damit wieder Erfolg haben. Ich werde das eines Tages noch tun.

Sie haben also kein Interesse ein Heino-Album mit neuen, eigenen Songs herauszubringen?

Heino: Das könnte ich machen. Aber es gibt ja keine Notwendigkeit. Es gibt genug gute Songs. Da muss man nur findig sein. Aber wenn ich nochmal drei, vier oder fünf neue Lieder mache, dann lasse ich das auch wieder von jungen Leuten produzieren, die in der Szene sind und die die Sprache sprechen. Ich bin zwar auch in der Szene, aber ich spreche die Sprache nicht. Ich muss ja die jungen Leute erreichen.

Kein Mitleid mit Ihren alten Fans?

Heino: Als ich 1965 angefangen habe, Volkslieder zu singen, da war mein Publikum 35 bis 40 oder älter. Ich bin nun über 50 Jahre dabei und meine Fans sind zum Teil alle tot. Die sind doch weggestorben. Das ist leider so. Aber das ist der natürliche Lauf. Deswegen muss ich mir eben immer was Neues überlegen. Denn was früher den Leuten gefallen hat, muss nicht zwangsläufig auch heute den Leuten gefallen. Du musst mit der Zeit gehen. Mir ist es Gott sei Dank gelungen, innerhalb kürzester Zeit mein Publikum um 40 Jahre zu verjüngen. Und warum? Weil ich Repertoire für junge Leute gesungen habe. Ich habe übrigens noch einige Coversongs in petto.

Sie sind nun schon 77 Jahre alt. Wann denken Sie über das Karriereende nach?

Heino: Solange der liebe Gott mir meine Stimme so lässt, wie sie jetzt ist und solange ich noch über Tisch und Stühle springen kann, habe ich noch Lust viel zu singen. Aber den Wunsch auf der Bühne umzufallen habe ich nicht. Das wäre ja schrecklich. Irgendwann ist sicher mal der Zeitpunkt gekommen, an dem ich sage: "Nein, jetzt singe ich nicht mehr."