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Problem Integration: Zuwanderer sind häufiger arbeitslos und weniger gebildet

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Problem Integration: Zuwanderer sind häufiger arbeitslos und weniger gebildet | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Das Statistische Bundesamt hat einen umfassenden Datenreport zum Thema Integration veröffentlicht
  • Das Ergebnis: Zuwanderer sind häufiger arbeitslos und sind geringer gebildet
  • Politiker fordern Bildung stärker in den Fokus der Integrationspolitik zu rücken

Zuwanderer in Deutschland sind häufiger arbeitslos, geringer gebildet und eher von Armut bedroht als Menschen ohne Migrationshintergrund. Das geht aus dem bisher umfangreichsten Datenreport hervor, den das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin vorstellte. Die wichtigste Schlussfolgerung: "Bildung ist entscheidend für die Integration von Migranten."

Der über 400 Seiten starke Bericht hat auch das Ziel, in der aktuellen Flüchtlingsdebatte Fakten zu liefern. So fordert er, leichtere Zugänge für Bildungsangebote zu schaffen. Denn je besser qualifiziert die Menschen sind, umso seltener sind sie erwerbslos.

Özdemir: "Wir überlassen viel zu viele Kinder ihrem Schicksal"

Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), forderte bei der Präsentation der Studie Konsequenzen aus der Erfahrung älterer Zuwanderer. Für die aktuelle Situation Geflüchteter müsse gelernt werden, "was wir anders und richtiger machen können".

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte zu dem Bericht: "Wir überlassen viel zu viele Kinder in Deutschland ihrem Schicksal. Es ist für mich keine Utopie, dass alle - unabhängig von der Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern - Zugang zu guter Bildung bekommen."

Besonders Frauen tun sich auf dem Arbeitsmarkt schwer

2014 waren 65 Prozent der 15- bis 64-Jährigen mit Migrationshintergrund erwerbstätig. In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es 76 Prozent. Besonders groß sind die Unterschiede bei den Frauen: 37 Prozent aller Frauen mit Migrationshintergrund standen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Bei den Frauen ohne Migrationshintergrund waren es 24 Prozent.

Benachteiligung wegen ihrer Herkunft empfinden insgesamt 8 Prozent der Migranten. Bei Menschen mit türkischer Abstammung sind es 18 Prozent. Besonders verbreitet ist Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.

Rassismus ist ein Faktor

Dahinter steckten "rassistische, zum Teil völkisch anmutende Anschauungen in der Gesellschaft", sagte Thomas Krüger, der Präsident der Bundesanstalt für politische Bildung. Integration erfordere Anstrengungen von beiden Seiten.

Heinrich Alt, Ex-Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit, forderte eine Beschleunigung der bürokratischen Abläufe. "Wir müssen diese elend langen Asylverfahren verkürzen. Auf eine Zeit von maximal drei Monaten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Ein bis zwei Jahre warten - das ist Elend pur. Das hält Menschen von Arbeit ab, erzeugt Frust, Schwarzarbeit und Kleinkriminalität".

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts die Ungleichgewichte. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.


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