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Expertin: Deutsche versagen beim Umgang mit Muslimen

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  • Die frühere Ausländerbeauftragte von Berlin kritisiert den Umgang der Deutschen mit Migranten
  • Die Deutschen hätten "Reflexe wie Stammesgesellschaften", sagt sie
  • Ihr Vorschlag: Man solle lieber auf die Traditionen offener Gesellschaften vertrauen
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Barbara John war lange Zeit Ausländerbeauftragte in Berlin - die 78-Jährige weiß also, wovon sie spricht, wenn sie sich zum fragwürdigen Verhältnis der Deutschen zu Migranten äußert.

John ist Mitglied in der Berliner CDU - und wird von ihren Parteifreunden nur "Türken-Bärbel" genannt. Im Interview mit der "Welt" hat die heutige Chefin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin jetzt scharfe Kritik am Umgang der Deutschen mit Muslimen geäußert. Ihr Vorwurf: Ihre Landsleute hätten "Reflexe wie in Stammesgesellschaften".

"Welcher kulturelle Wert ist denn beschädigt?"

"Immer gleich die Stacheln aufstellen: So senden wir die Botschaft aus, wir können dich nur akzeptieren, wenn du dich genauso verhältst wie wir", sagte John dem Blatt.

In dem Interview stellt sie die Gegenfrage: "Welcher kulturelle Wert ist denn beschädigt, wenn Kopftücher getragen oder der Handschlag verweigert wird? Befürchten wir tatsächlich, dass die Errungenschaften der Aufklärung und der Demokratie, die hier über Jahrtausende erkämpft wurden, kaputtgehen, wenn mir jemand die Hand nicht schüttelt?"

"Wir unterwerfen uns freiwillig"

"Wir unterwerfen uns freiwillig", klagt John an. "Wir sehen uns überfremdet, wenn uns jemand die Hand nicht gibt. Das ist lächerlich." Die Deutschen sollten sich ihrer Ansicht nach mehr auf die Traditionen offener Gesellschaften vertrauen. "Sie sind das Beste, was Menschen bisher erreicht haben. Und gehört es nicht auch zur Freiheit, nicht die Hand zu geben? Diese Hysterie für ein so kleines Karo."

Die Deutschen würden nach Meinung der Ex-Ausländerbeauftragten "zu allergisch auf muslimische Eigenarten" reagieren. "Und deshalb sollten wir uns fragen, ob wir wirklich auf jede unwesentliche Eigentümlichkeit, jede Absonderlichkeit, jeden Spleen, die es in allen Kulturen und in allen Religionen gibt, mit der Gesetzesmaschinerie und der gesellschaftlichen Verteufelung reagieren wollen", erklärt John.

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