Huffpost Germany

Grundeinkommen: US-Ökonom fordert einen Schritt, der das Leben vieler Menschen radikal verändern würde

Veröffentlicht: Aktualisiert:
YOUNG PEOPLE
Family in the field | Oleh Slobodeniuk via Getty Images
Drucken
  • US-Ökonom plädiert für das Grundeinkommen als Sozialmodell der Zukunft
  • Seine These: "Ohne Grundeinkommen wird es früher oder später nicht gehen"
  • Die Zahl der Befürworter des staatlichen Geldbetrags nimmt weltweit zu

Pure Spinnerei von Sozialromantikern - oder der Schlüssel für eine bessere Gesellschaft? Das bedingungslose Grundeinkommen sorgt in vielen Teilen der Welt für Diskussionen.

Nach Ansicht vieler Ökonomen könnte das feste Gehalt für jeden (ohne Arbeit als Gegenleistung) die soziale Ungleichheit in vielen Staaten lösen - auch in Deutschland warnen Experten immer wieder vor einer zunehmenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Mehr als jeder vierte Deutsche ist für das Grundeinkommen

Kein Wunder also, dass die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auch in der Bundesrepublik Befürworter hat. Mehr als jeder vierte Deutsche ist laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Einführung des ungewöhnlichen Sozial-Experiments.

Der US-Ökonom und Ex-Arbeitsminister Robert Reich hat die Debatte jetzt in einem Interview mit dem Schweizer "Tagesanzeiger" erneut befeuert. Seine These: Das Grundeinkommen ist alternativlos. "Ohne Grundeinkommen wird es früher oder später nicht gehen, weil wir einfach keine andere Wahl haben. Der technische Fortschritt frisst zunehmend die guten Jobs weg", sagte Reich dem Blatt.

"Das Grundeinkommen verhindert, dass die Leute verarmen"

In den kommenden 25 Jahren, so Reichs Vorhersage, würden wegen des technischen Fortschritts etwa die Hälfte der gut bezahlten Stellen wegfallen. "Diese Jobs machen heute den Mittelstand aus. Immer mehr gut ausgebildete und verdienende Menschen müssen schlecht entlöhnte Stellen im Gastgewerbe oder im Gesundheitswesen annehmen."

Nach Vorstellung des US-Ökonoms würde das Grundeinkommen da in zweierlei Hinsicht helfen. "Die meisten Menschen werden mittel- und langfristig weiterhin viel arbeiten, aber zu einem viel tieferen Lohn. Das zusätzliche Grundeinkommen verhindert, dass sie vollends verarmen", erklärte Reich.

"Gleichzeitig wird gewährleistet, dass die Menschen weiterhin konsumieren und damit die Wirtschaft am Laufen halten können. Denn Roboter kaufen bekanntlich nicht die Produkte, die sie herstellen."

Die Befürworter des Sockelgehalts werden immer zahlreicher

Seine Idee: Moderne Gesellschaften benötigten einen neuen Mechanismus, um den Wohlstand der Superreichen wieder unter die Leute zu bringen - und damit den Kapitalismus zu erhalten.

Ihren Ursprung hat die Idee des bedingungsloses Grundeinkommens in Kanada. In der Kleinstadt Dauphin startete die Regierung 1974 ein soziales Experiment: 1000 Familien erhielten damals fünf Jahre lang Geld vom Staat - ohne etwas dafür zu tun. Das Projekt war ein voller Erfolg - verschwand dann jedoch in der Versenkung.

Heute werden die Befürworter des Grundeinkommens wieder zahlreicher. Zuletzt war bekannt geworden, dass Finnland ab Anfang 2017 untersuchen lässt, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Praxis gestaltet werden könnte. Das Experiment soll zwei Jahre laufen.

Und auch bei Deutschlands Nachbar scheint man sich für ein das soziales Modell zu interessieren: Am 5. Juni stimmt die Schweiz darüber ab, den Anspruch auf ein Grundeinkommen in der Verfassung zu verankern.

Auch auf HuffPost:

Deutschland steht vor einer dramatischen Krise - und die wird uns alle betreffen

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

bp