Huffpost Germany

Die Fragen, die deine Beziehung retten werden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FAMILY
Family in the field | Oleh Slobodeniuk via Getty Images
Drucken

THE BLOG

Als ich noch Mama von drei sehr kleinen, chaotischen und liebenswerten Hosenscheißern war, gab es Tage in meinem Leben, DIE EINFACH NIEMALS ENDEN WOLLTEN.

Craig ging jeden Morgen um sechs aus dem Haus, und wenn ich seiner frisch geduschten und gebügelten Erscheinung so nachblickte, schätzte ich mich wahnsinnig glücklich, so viel Zeit allein mit meinen Kindern verbringen zu dürfen. Und gleichzeitig graute es mir davor, so viel Zeit allein mit meinen Kindern verbringen zu müssen.

Falls ihr diesen Zwiespalt der Gefühle nicht für möglich haltet ... durftet ihr vermutlich noch nicht so viele kleine, chaotische und liebenswerte Hosenscheißer euer Eigen nennen.

Die Frage schwebte für einen Moment im Raum

Wenn Craig jeden Abend um sechs nach Hause kam (eigentlich ja schon um zehn vor sechs, aber er brauchte ERSTAUNLICH LANGE, UM DEN BRIEFKASTEN ZU LEEREN) marschierte er durch die Tür, lächelte und sagte: „Hallo! Wie war dein Tag?"

Mir kam es vor, als würde er mit dieser Frage einen Scheinwerfer auf den Abgrund richten, der sich zwischen seiner Definition von einem „Tag" und meiner Definition von einem „Tag" auftat. Wie war denn mein Tag?

Die Frage schwebte für einen Moment im Raum, während ich Craig anstarrte und das Baby - wie Babys das eben so tun - mir die Hand in den Mund steckte, während mein ältester Sprössling aus dem Badezimmer schrie „MAMA, HILF MIR MAL BEIM KACKA MACHEN" und die Mittlere in der Ecke heulte, weil ich sie „NIE, NIE, NIE" das Spülmittel trinken lasse. „NICHT WENIGSTENS EIN EINZIGES MAL, MAMA!!!!!!"

Und ich blickte auf meinen mit Tomatensoße bekleckerten Schlafanzug, mein ungewaschenes Haar und das strahlende Baby auf meiner Hüfte - und wie mein Blick so durchs Zimmer schweifte, war es schwer, den mit Spielzeug übersäten Fußboden oder die neuesten Kunstwerke am Kühlschrank zu übersehen ...

Und ich wollte sagen:

Wie mein Tag war? Heute war einfach nur eine Ewigkeit. Heute lief alles supertoll und ging furchtbar daneben. Es gab Momente, in denen mein Herz so voller Liebe war, dass ich dachte, ich würde explodieren.

Und es gab Momente, in denen meine Sinne so brachialen Angriffen ausgesetzt waren, dass ich SICHER war, ich würde explodieren. Ich fühlte mich einsam und wollte gleichzeitig einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ich war völlig übersättigt - regelrecht BOMBARDIERT - von Berührungen, aber sobald ich das Baby ablegte, sehnte ich mich danach, wieder seine süße Haut zu riechen.

Ich war zu Tode gelangweilt und dennoch von der Menge meiner Aufgaben überwältigt. Heute war einfach alles zu viel, aber gleichzeitig nicht genug. Es war laut und still. Es war brutal und schön.

Heute war mein allerbester Tag und einen Moment später mein allerschlechtester. Heute um 15:30 wollte ich noch vier weitere Kinder adoptieren und um 15:35 unsere eigenen zur Adoption freigeben. Lieber Ehemann, wenn dein Tag vollständig und gänzlich von den Launen, Bedürfnissen und Plänen dreier kleiner, chaotischer und liebenswerter Racker abhängt, dann kann dein Tag ALLES und gleichzeitig NICHTS sein, und zwar manchmal im Abstand von nur drei Minuten.

Aber ich beklage mich ja nicht. Ich habe kein Problem, und deswegen musst du auch nicht versuchen, es ZU LÖSEN. Ich möchte meinen Tag auf KEINE ANDERE WEISE verbringen. Ich möchte einfach nur sagen - und es ist verdammt schwer, das zu erklären -, dass ich einen ganzen Tag mit kleinen Kindern verbracht habe.

Aber ich bin zu müde, um all dies zu sagen. Also heule ich einfach nur oder schreie oder lächle und sage „Prima". Und drücke dir dann das Baby in die Hand, um zum Supermarkt zu rennen und dort ziellos durch die Gänge zu streifen, weil das schon immer mein innigster Wunsch gewesen ist.

Aber ich war schon ein bisschen traurig. Denn wenn man jemanden liebt, möchte man wahrgenommen und verstanden werden. Und ich wurde damals weder wahrgenommen noch verstanden. Es war wirklich schwierig, das alles zu erklären. Ich fühlte mich dadurch immer einsamer.

Also machten wir eine Therapie - wie man das eben so tut.

Und dort lernten wir, uns bessere Fragen zu stellen. Wenn wir die von uns geliebten Menschen wirklich kennenlernen wollen, wenn uns wirklich etwas daran liegt, sie kennenzulernen, müssen wir ihnen bessere Fragen stellen und uns ihre Antworten genau anhören.

Wir müssen Fragen stellen, die folgende Botschaft vermitteln: „Ich frage dich nicht nur der Form halber. Es ist mir wirklich wichtig, was du zu sagen hast und wie du dich fühlst. Ich möchte dich wirklich kennenlernen." Denn wenn wir keine 08/15-Antworten wollen, dürfen wir auch keine 08/15-Fragen stellen. Eine anteilnehmende Frage ist der Schlüssel, der einen Raum im Innern eines geliebten Menschen öffnet.

Also fragen Craig und ich uns nicht mehr gegenseitig: „Wie war dein Tag?" Nach ein paar Jahren Übung mit zunehmend intimen Fragen möchten wir nun Folgendes voneinander wissen:

Wann hast du dich heute geliebt gefühlt?

Wann hast du dich heute einsam gefühlt?

Was habe ich heute getan, um dir meine Wertschätzung zu zeigen?

Was habe ich heute gesagt, wodurch du dich nicht wahrgenommen gefühlt hast?

Was kann tun, um dir jetzt gerade zu helfen?

Ich weiß. Das ist am Anfang GAAAANZ schön komisch. Aber nach einer Weile gar nicht mehr. Zumindest nicht komischer, als sich jeden Tag dieselben nichtssagenden Fragen zu stellen und dieselben nichtssagenden Antworten zu erhalten.

Und deswegen fragen wir unsere Kinder nicht „Wie war dein Tag?", wenn sie aus der Schule nach Hause kommen. Denn sie können es uns nicht sagen. Ihr Tag war ziemlich viel auf einmal.

Stattdessen fragen wir:

Wie hast du dich heute während des Diktats gefühlt?

Was hast du heute in der Pause zu dem neuen Mädchen in deiner Klasse gesagt?

Hast du dich heute irgendwann einsam gefühlt?

Gab es heute Momente, in denen du stolz auf dich warst?

Außerdem frage ich meine Freunde niemals: „Wie geht es dir?" Denn sie wissen es nicht.
Stattdessen frage ich sie:

Wie läuft die Chemo deiner Mutter?

Was kam bei deinem Gespräch mit Bens Lehrer raus?

Was läuft bei dir auf der Arbeit gerade richtig gut?

Fragen sind wie Geschenke. Denn es ist der Gedanke dahinter, den der Empfänger wirklich FÜHLT. Wir müssen den Empfänger kennen, um ihm das richtige Geschenk zu geben und die richtige Frage zu stellen.

Allgemeine Geschenke und Fragen sind in Ordnung, aber persönliche Geschenke und Fragen fühlen sich einfach besser an. Ich finde, dass Liebe etwas Spezifisches ist. Sie ist eine Kunst. Je mehr Aufmerksamkeit und Zeit ihr in eure Fragen investiert, desto schöner fallen die Antworten aus, die ihr erhaltet.

Das Leben ist ein Gespräch. Macht ein Gutes daraus.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA.
Hier geht's zum Original.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.