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Irre Frauenfänger von Höxter: Das Geständnis, das alle bösen Erwartungen übertrifft

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Es sind bestialische Taten, über die die Polizei am Dienstagmittag informierte: Die mutmaßlichen Mörder von Höxter in Ostwestfalen haben offenbar sogar mehr als zwei Frauen getötet. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Die Verdächtigen

Unter Verdacht stehen ein 46 Jahre alter Mann eine ein Jahre ältere Frau. Die beiden Beschuldigten waren verheiratet, sind inzwischen aber geschieden. Trotzdem lebten sie zusammen in Bosseborn, einem dörflichen Ortsteil von Höxter. Bei Nachbarn behaupteten sie, Geschwister zu sein. Beide sind schon polizeibekannt.

Der beschuldigte Tatverdächtige ist den Behörden nach Hartz-IV-Empfänger. Er habe die Taten abgestritten und alles auf seine Ex-Frau geschoben. Der Mann sei bereits Mitte der 1990er-Jahre zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, sagten die Ermittler.

Der Mann habe auch seine Ex-Frau und Komplizin "massiv misshandelt", sagten die Ermittler. Die 47-Jährige sei ihm "hörig" gewesen.

Anhaltspunkte für eine verminderte Intelligenz bei den beiden Beschuldigten haben die Ermittler nach eigenen Angaben nicht. Die beiden seien im Gegenteil recht planvoll vorgegangen.

Das Motiv dürfte eher im Bereich der Machtausübung gelegen haben und weniger im sexuellen Bereich. Ein Psychiater sei eingebunden worden.

41 Jahre alte Frau aus Bad Gandersheim 2016 zu Tode gequält

Das Paar lockte eine 41-jährige Frau aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim über eine Partnerschaftsanzeige kennengelernt.

Wenig später sei sie Anfang März in das Haus ihrer späteren Peiniger nach Höxter gezogen, sagen die Ermittler.
Das Opfer wurde wochenlang festgehalten und schwer misshandelt. Laut Obduktion starb die Frau an Verletzungen, die sie durch Schläge auf den Kopf erlitten hatte.

Ans Licht gekommen war der Fall, als das Ex-Ehepaar die lebensbedrohlich verletzte Frau zurück nach Bad Gandersheim bringen wollte. Auf dem Weg dorthin hatten sie eine Autopanne und rief es schließlich einen Rettungswagen. Die 41-Jährige kam ins Krankenhaus, wo sie zwei Stunden später an ihren Verletzungen starb.

Bad Gandersheim liegt etwa eine Autostunde von Höxter entfernt. Die 41-Jährige lebte erst seit kurzer Zeit dort, sie lebte allein und hatte keine Arbeit. Deshalb wurde sie offensichtlich von niemandem vermisst.

Die Umstände der Gefangenschaft, die Annika E., die nach der Heirat Annika W. hieß, ertragen musste, machen sprachlos. Allein wenn sie das Messer statt rechts links auf den Tisch gelegt habe, habe Wilfried W. sie verprügelt. Oder an die Heizung gefesselt.

Sie auf dem Boden schlafen lassen. Ihr die Haare, so die Ermittler, büschelweise ausgerissen. Die Frau wurde so misshandelt, dass sie Anfang August 2014 ihren Verletzungen erlag. Kaltblütig meldeten die Peiniger ihr Opfer anschließend beim Ordnungsamt in Höxter ab. Annika W. sei nach Amsterdam verzogen.

Doch in dem Fall liegt vieles im Dunkeln - vor allem zum Motiv ist bislang nichts bekannt. Auch ist unklar, warum das Opfer nicht geflohen ist. Die 41-Jährige soll nach Angaben der Ermittler wiederholt mit ihren Peinigern auf der Straße gesehen worden sein.

33-Jährige aus Niedersachsen 2014 umgebracht

Offenbar hat das Paar noch eine weitere Frau auf dem Gewissen: Im Sommer 2014 sei bereits eine 33-Jährige aus Niedersachsen umgebracht worden, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer am Dienstag in Bielefeld.

Das Paar soll ihre Leiche zerstückelt, tiefgefroren und im Kamin des Gehöfts verbrannt haben.

Diese Erkenntnisse stützen sich im Wesentlichen auf Aussagen der beschuldigten 47-Jährigen. Sie habe umfassende Angaben zum Tatgeschehen gemacht, Meyer. Weitere Ermittlungsergebnisse stützten ihre Aussagen.

Die Opfer seien geschlagen, gefesselt und getreten worden. Den Frauen seien büschelweise Haare ausgerissen worden. Das sei wohl der Grund, weshalb sie kahlgeschoren worden seien.

Die Opfer hätten mit dem Paar "im Prinzip" gemeinsam im Haus gelebt, sagten die Ermittler. Es habe keinen separaten Raum gegeben. Wenn die Frauen aber "aufsässig" geworden seien, seien sie etwa an Heizkörper oder in der Badewanne gefesselt worden - oft die ganze Nacht.

Noch mehr Frauen misshandelt

Hinweise auf eine dritte Tote in Höxter haben die Ermittler entgegen erster anderslautender Berichte nicht. Ausschließen können sie einen weiteren Mord allerdings nicht.

Weitere Frauen seien in Höxter aber wohl misshandelt worden. Eine misshandelte Frau aus dem Großraum Berlin sei namentlich bekannt, sagte der Leiter der Mordkommission "Bosseborn“, Ralf Östermann. Die Frau hatte sich demnach selbst bei den Ermittlern gemeldet. Sie habe das Haus in Höxter in den Medien wiedererkannt.

Sie sei damals zwar schwer verletzt gewesen, aber nicht so schlimm, dass es Außenstehenden sofort aufgefallen wäre, sagten die Ermittler. Die verletzte Frau sei von ihren Peinigern nach Braunschweig zum Bahnhof gebracht und dort in einen Zug nach Hause gesetzt worden.

Das gesamte Haus werde „quadratzentimeterweise“ abgesucht, "um zu schauen, ob man Spuren anderer Frauen findet“.

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