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Diese Erziehungsmethode bringt die meisten narzisstischen Kinder hervor

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Diese Erziehungsmethode bringt die meisten narzisstischen Kinder hervor | Anna Bizon via Getty Images
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Narzissten halten sich für schöner, klüger und besser als andere Menschen. Sie sind selbstverliebt, egoistisch, ehrgeizig und anderen gegenüber verachtend. Sie glauben, dass ihre Überlegenheit eine Sonderbehandlung rechtfertigt und fordern diese von ihren Mitmenschen ein.

Glücklicherweise wird Narzissmus nicht vererbt, denn er ist eine erworbene Eigenschaft eines Menschen. Die gute Nachricht ist also: Mit der richtigen Erziehung können Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder nicht zu selbstverliebten kleinen Monstern heranwachsen.

Auf das richtige Lob kommt es an

Verschiedene Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Art und Weise, wie Eltern ihre Kinder loben, einen maßgeblichen Einfluss darauf hat, welche Persönlichkeitsmuster sie annehmen, welche Denkweise und welche Selbstwahrnehmung sie sich aneignen.

Viele Eltern glauben, dass sie möglichst viel loben müssen, damit ihre Kinder starkes Selbstbewusstsein entwickeln. Doch diese Erziehungsmethode bringt die meisten narzisstischen Kinder hervor.

Zu diesem Schluss ist ein internationales Forscherteam gekommen, das 2015 Untersuchungen an 565 Kindern aus den Niederlanden durchführte. Psychologen und Wissenschaftler befragten nicht nur die Kinder, alle im Alter zwischen sieben und elf Jahren, sondern auch ihre Eltern über zwei Jahre hinweg.

Wie narzisstische Neigungen entstehen

Die Kinder sollten sich selbst einschätzen, die Eltern wiederum ihre Kinder. Zum Beispiel ging es um die Selbsteinschätzung der Kinder bei Aussagen wie: “Ich verdiene etwas extra.“ Oder: “Ohne mich wäre es in meiner Klasse langweilig.”

Auch die Eltern sollten einschätzen, ob es “ohne ihr Kind in der Klasse langweilig” wäre und ob ihr Kind “besonderer als andere” sei.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Kinder, deren Eltern sie für schlauer, hübscher oder besonderer als andere hielten, später narzisstische Tendenzen entwickelten.

Kinder glauben ihren Eltern jedes Wort

Der Grund dafür ist recht naheliegend: Kinder halten ihre Eltern für vollkommen und allwissend. Aus diesem Grund nehmen sie die Meinungen und Ansichten ihrer Eltern als universelle Wahrheit an und handeln entsprechend.

"Kinder glauben es, wenn ihre Eltern ihnen sagen, dass sie besser sind als andere. Das könnte ihnen und der Gesellschaft schaden", sagte Brad Bushman, Professor an der Ohio State University und Co-Autor der Studie.

Halten die Eltern ihr Kind für etwas Besonderes und kommunizieren dies als Tatsache, dann wird auch das Kind sich für etwas Besonderes halten. Und noch mehr: Es wird erwarten, dass auch alle anderen diese Einschätzung teilen.

Auf lange Sicht leiden diese Kinder darunter. Denn auch wenn Narzissten selbstbewusst wirken, sind sie es meist nicht. Sie fühlen sich oft unverstanden, sind unzufrieden und ziehen sich emotional zurück. Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind eine häufige Folge.

Selbstvertrauen entsteht durch elterliche Wärme

Wie also können Eltern ihre Kinder erziehen, damit sie zu selbstbewussten Menschen heranwachsen und keine narzisstischen Tendenzen entwickeln?

Auch darauf haben die Forscher eine Antwort: Selbstvertrauen entsteht durch elterliche Wärme - nicht durch übermäßiges Lob.

Diese Wärme vermitteln Eltern, die Interesse an ihrem Kind zeigen, offen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen und ihrem Kind helfen, seine eigenen Gefühle zu verstehen.

Kurz gesagt: Wer seine Kinder um ihrer selbst willen liebt - und nicht für ihre Leistungen - wird Kinder erziehen, die ein gesundes Selbstvertrauen besitzen.

Das richtige Lob ist entscheidend

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, die Entwicklung eines Kindes zu unterstützen: zu begreifen, wie Kinder bestimmte Denkmuster entwickeln und warum.

Dr. Carol Dweck, eine führende Forscherin auf dem Gebiet, hat auf der Grundlage mehrerer Studien zwei potentielle Denkmodelle entwickelt, die Kinder durch die Erfahrungen, die sie machen, für sich annehmen.

Sie unterscheidet zwischen dem “growth mindset” und dem “fixed mindset”.

Kinder mit einem “fixed mindset” glauben, dass Dinge wie Kreativität, Intelligenz und Charaktereigenschaften angeboren sind. Deshalb gehen sie davon aus, dass diese Dinge nicht verändert oder verbessert werden können.

Ein “fixed mindset” entsteht, wenn ein Kind immer nur für seine Intelligenz oder ein bestimmtes Talent gelobt wird. Hört es zum Beispiel immer wieder den Satz “Du bist so schlau”, kann das zu starker Verunsicherung führen.

Falsches Lob fördert Ängste

Denn ein Kind, dem immer wieder gesagt wird, dass es besonders intelligent ist, kann schnell das Gefühl bekommen, keine Kontrolle über diese Eigenschaft zu haben.

Es versteht nicht, dass Intelligenz etwas ist, dass trainiert und verbessert werden kann. Gleichzeitig merkt es, das es viele Dinge gibt, die es nicht weiß, obwohl die Eltern ihm gesagt haben, dass es schlau ist.

Viele Kinder entwickeln daraufhin eine unterschwellige Angst, dass die Eltern merken könnten, dass sie doch nicht so schlau sind wie gedacht. Sie haben Angst, zu versagen. Deshalb fällt es ihnen auch häufig schwer, ihre eigenen Gedanken, Meinungen und Ideen zum Ausdruck zu bringen - aus Angst, dass sie dafür nicht gelobt werden.

Lob sollte so konkret wie möglich zum Ausdruck gebracht werden


Stattdessen sollten Eltern versuchen, ein “growth mindset” bei ihren Kinder zu fördern. Kinder mit dieser Denkweise sehen ihr Gehirn als einen Muskel an, der trainiert werden kann und dadurch stärker wird. Sie glauben, dass ihre Fähigkeiten sich verbessern, wenn sie sich bemühen.

Aus diesem Grund haben Kinder mit einem “growth mindset” eine andere Haltung zum Lernen und suchen nach Herausforderungen, während Kinder mit einem “fixed mindset” ihre Fähigkeiten lieber nicht auf die Probe stellen, aus Angst, zu versagen.

Anstatt seinem Kind zu sagen, dass es schlau ist, sollte man es daher für seinen Lernprozess loben. Zum Beispiel so:

“Du hast bis Hundert gezählt - du hast so hart daran gearbeitet und jetzt hast du es geschafft. Glückwunsch!”

Bei diesem Satz begreift das Kind, dass seine Fähigkeiten verbessert werden können und seine Entwicklung fortlaufend ist. So kann es ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Du willst, dass dein Kind ein Genie wird? Dann gib ihm einen dieser Namen!

(gw)