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Studie: Abgelenkte Eltern schmälern offenbar die Konzentration ihrer Kinder

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CHILDREN
Studie: Abgelenkte Eltern schmälern offenbar die Konzentration ihrer Kinder | Thinkstock
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Viele Eltern kennen diese Situation. Eigentlich spielt man gerade mit dem eigenen Kind, doch dann vibriert das Telefon in der Hosentasche – eine SMS. Ein kurzer Blick auf das Handy ist sicher kein Problem, denkt da sicher so mancher Papa und manche Mama.

Und keine Sorge: Wenn man beim Spielen hin und wieder unterbrochen wird, dürfte der eigene Sohn oder die eigene Tochter sicher nicht gleich zum Außenseiter werden. Doch eine neue US-Studie zeigt: Wenn Eltern beim Spielen ihren Blick immer wieder woanders als auf das eigenen Kind schweifen lassen, hat dies möglicherweise auch negative Konsequenzen für die Aufmerksamkeitsspanne ihrer Kinder.

Forscher beobachteten genau, wohin Kinder und Eltern schauen

Die Kognitionsforscher Chen Yu und Linda Smith von der Universität Indiana haben eine Studie im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht, die vor allem Papas und Mamas, die beim Spielen viel am Handy hängen oder ein Buch lesen, nicht gefallen dürfte.

Denn die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass, wenn Eltern bbeim Spiel abgelenkt sind, die Entwicklung des Konzentrationsvermögens ihrer Kinder langfristig beeinträchtigt werden könnte.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte als erstes Medium in Deutschland über die Studie berichtet. Für ihre Experimente untersuchten die Forscher, wie 36 Eltern-Kind-Paare interagierten. Jeweils ein Vater oder eine Mutter hatten die Aufgabe, mit ihrem Baby zu spielen.

Die Jungen und Mädchen waren zwischen elf und 13 Monate alt. Die Paare saßen an einem Tisch, auf dem mehrere Spielzeuge lagen. Die Probanden hatten Kameras auf den Helmen - mit diesen sogenannten Eyetrackern analysierten die Forscher ganz genau, worauf sich die Blicke der Testteilnehmer richteten.

Mehr Zeit ist Kinder ist wichtig

Dabei entdeckten die Forscher, dass die Kinder sich länger mit einem Spielzeug beschäftigten, wenn die Eltern sich diesem ebenfalls für mehrere Sekunden ohne Ablenkung widmeten. Dann blieb das Interesse der Jungen und Mädchen auch ein kleines bisschen länger bestehen, wenn die Eltern den Blick schließlich wieder abwandten.

Wie gut Kinder bei verschiedenen Aufgaben geduldig bleiben können, ist nach bisherigem Forschungsstand ein wichtiger Indikator für den späteren Bildungserfolg sowie die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten und der Kompetenz, Probleme zu lösen.

Die bei den Laborversuchen gemessenen Unterschiede in der Aufmerksamkeitsspanne beschränken sich zwar lediglich auf wenige Sekunden. Aus Sicht der US-Wissenschaftler reiche dies aber aus, um einen Unterschied zu machen, wenn Kinder ihre Eltern im Alltag immer wieder als leicht ablenkbar erleben.

Doch Handy- und Zeitungs-Junkies sollten nicht in Panik verfallen. Denn in diesem Bereich der Entwicklungspsychologie ist noch viel Forschungsarbeit offen. Denn aus Sicht von Experten ist klar, dass für den Lernerfolg von Kindern verschiedene Faktoren entscheidend sind.

In Deutschland gibt es bereits seit Längerem immer mehr Kampagnen dafür, dass sich Papas und Mamas weniger mit ihren Handys auseinandersetzen, sondern stattdessen aufmerksam mit ihren Kindern spielen.

Vor einigen Wochen plakatierte etwa das Bündnis für Familie im nordrhein-westfälischen Hattingen den Slogan "Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind".

Denn klar ist: Babys brabbeln unentwegt und suchen den Blickkontakt zu den Eltern. Doch die sind oft abgelenkt. Das Ergebnis: Das Kind schreit, weil es anders keine Aufmerksamkeit bekommt "und die Mutter ist genervt", so die Initiatorinnen der Aktion zuletzt in der „WAZ“. "Für sie ist klar: Wer ständig postet und simmst, hat für Erklärungen, Ermutigungen und Mitmachen keine Zeit."

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(ca)