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Kopftuch und Cumshots: Dieser Pornostar erregt die Arabische Welt

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Er fährt sie auf dem Motorrad nach Hause. Sie setzt den Helm ab, bindet sich ihr Kopftuch um. Dann küssen sie sich. Direkt vor den Augen der "Stiefmutter", die hinter dem Vorhang lauert und ebenfalls ein Kopftuch trägt.

Was dann folgt, sorgt für große Aufregung unter Muslimen rund um den Globus: Sex. Alle drei haben zusammen Sex. Sie ziehen sich aus, nur das Hidschab, das Kopftuch, bleibt auf. Dabei läuft die Kamera.

Dieser Clip machte die 23-jährige Mia Khalifa zu einer der bekanntesten Pornodarstellerin der Branche. Alleine auf der Seite "Pornhub" hat das Video knapp 32 Millionen Aufrufe. Aber der Inhalt ist nur der halbe Aufreger. Viel gewaltiger ist das Echo in der Arabischen Welt.

Warum? Weil Mia Khalifa aus dem Libanon stammt. Und, weil sie provoziert: gezielt, gekonnt und vor allem: ungeniert.

Von der Familie verstoßen

Mia Khalifa startete ihre Karriere im Oktober 2014. Bereits 39 Tage, im Dezember, war sie bei der Pornoseite "Pornhub" die meistgesuchte Darstellerin. In den darauffolgenden Wochen verfünffachten sich sogar die Suchanfragen. Libanon, Jordanien und Syrien sind die Länder, in den Mia Khalifa am häufigsten gesucht wird. Dort ist sie so berühmt wie sonst nur Popstars und Diktatoren.

Die als Mia Chamoun in Kfarhawra im norden Libanons geborene Tochter wanderte 2000 mit ihrer christlichen libanesischen Familie in die USA aus.

Ihr Werdegang machte ihre Eltern lange stolz: Heirat mit 18, Studium, Bachelor im Fach Geschichte, Aushilfsjob in einem Restaurant. Dort soll ihr ein Kunde dann bei einem Burger einen Job als Pornodarstellerin angeboten bekommen haben, wie das österreichische Magazin "Profil" berichtet. Chamoun sagte zu. Kurz darauf wurde sie Mia Khalifa – und von ihren Eltern verstoßen.

Mia Khalifa, die Schwerbrecherin

Khalifa, allein die Verwendung des Namens beschert der 23-Jährigen regelmäßig Morddrohungen in sozialen Netzwerken. Khalifa, eine Anlehnung an Kalif, den Stellvertreter Allahs auf Erden und religiösen Führer des Kalifats, des Gottesstaats.

Der Anführer des Islamischen Staats (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, bezeichnet sich als Kalif. Wofür er bekannt ist: langer Bart, Verbrechen gegen die Menschlichkeit; 10-Million Dollar Kopfgeld hat die US-Regierung auf ihn ausgesetzt. Wofür Mia Khalifa bekannt ist: Körbchengröße DD und "markanter Apfelhintern", wie manche User in Foren schwärmen.

Was Khalifa treibt, ist für die Kalifen haram, ein Tabu. Alles, was nach der Scharia verboten ist, ist haram. Pornografie ist eine schamlose Darstellung der Keuschheit. Pornos drehen – ein Verbrechen.

Trending: Sex mit verschleierten Frauen

Mia Khalifa ist allerdings keine Muslima, sie war auch nie eine. Wieso also dieser Name und Pornos mit Kopftuch? Reine Inszenierung? Provokation? – Oder einfach eine Marktlücke, die sie nun als umstrittener Star besetzt?

Vermutlich vor allem letzteres: Das Suchvolumen nach „Hidschab Porno“ sowie "Muslim Sex", also verschleierte Frauen in Sex-Szenen, stieg seit dem Beginn der Karriere von Mia Khalifa stark an.

Im Libanon ist das Suchvolumen nach Mia Khalifa am stärksten, besonders in der Hauptstadt Beirut. Allgemein wird in den arabischen Ländern der Name des Pornostars häufiger gesucht als in anderen Regionen.

Werbefigur für Bier und Terror

Mia Khalifa ist in Libanon, in Syrien, Ägypten oder Pakistan allseits bekannt. Sogar so bekannt, dass eines ihrer Markenzeichen – eine Brille mit dicken schwarzen Rand – für Werbezwecke benutzt wird. Die libanesische Biermarke Almaza zeigt auf ihren Plakaten eine Flasche Bier und die Brille mit dem Slogan: "18+. Wir sind beide nur für Erwachsene."

Auch IS setzt Mia Khalifa ein, um auf sich aufmerksam zu machen – allerdings völlig anders: Ein Anhänger des IS postete via Twitter eine Fotomontage, die Khalifas Kopf auf einem orangenen Overall zeigt. Das Bild erinnert an die Aufnahmen des Enthauptungsvideos des britischen Journalisten James Foley.

Khalifa ging mit der angedrohten Enthauptung gelassen um: "Solange es nicht meine Brüste sind. Die waren teuer.", antwortete der Pornostar aus Miami, der bei Twitter knapp eine Millionen Follower hat.

Kritik für provokante Tattoos

Aber auch außerhalb radikalislamistischer Kreise oder konservativen Anhängern des Islams muss sich Khalifa viel Kritik einstecken – besonders im Libanon. "Zu hören, dass mich mein Heimatland hasst, tut mehr weh als alles andere", sagte Khalifa in einem Interview mit der "Washington Post".

Der Hass ihrer Landsleute ist für Khalifa so schmerzhaft, da sie auf ihrem Körper die Verbundenheit zum Libanon ausdrückt: Auf ihrem linken Arm trägt sie die ersten Zeilen der libanesischen Nationalhymne ("Auf, ihr alle! Für Vaterland, Flagge und Ruhm!") als Tattoo.

Auf dem rechten Arm ist das Symbol der "Libanesischen Kräfte" zu sehen – eine konservative Partei, die gegen das Assad-Regime in Syrien auftritt, und mit der ihr Vater sympathisiert, wie es in "Profil" heißt.

Nachdem die Syrer Beirut 2012 angriffen, habe sie sich das Tattoo stechen lassen. "Ich wollte meinem Vater zeigen, dass ich auf seiner Seite stehe", sagte die 23-Jährige gegenüber dem Magazin Newsweek.

Reue gegenüber der Familie

Der möchte allerdings nichts von ihr wissen, so wie der Rest der Familie. "Wir müssen wahrscheinlich den Preis dafür zahlen, dass wir von unserer Heimat entfernt leben, dass unsere Kinder sich an eine Gesellschaft anpassen müssen, die nicht unserer Kultur, unseren Traditionen und Werten ähnelt", werden die Eltern in diversen arabischen Medien zitiert.

Und Khalifa pflichtet ihnen bei: "Ich habe ihren Namen in den Schmutz gezogen. Ich fühle mich schlecht, weil ich sie da reingezogen habe und nun alle ihre Freunde durch die Medien darüber Bescheid wissen. Das war nie meine Absicht."

"Mia Khalifa ist ehrenhafter als unsere Führer!"

Dennoch steht sie zu ihrem Job, ans Aufhören denkt sie momentan noch nicht. Das mag auch daran liegen, dass sie auch Zuspruch – vor allem von jungen Leuten – aus ihrer Heimat bekommt. "Mia Khalifa ist ehrenhafter als unsere Führer!", skandierten Demonstranten in Beirut im August 2015.

Sich selbst sieht Khalifa nicht als politische Aktivistin oder Feministin, richtet aber klare Worte an ihr Heimatland: "Die Rechte der Frauen werden im Libanon nicht ernst genommen, wenn eine libanesisch-amerikanische Pornodarstellerin, die dort nicht mehr lebt, solch eine Empörung verursacht“, sagte sie der "Washington Post“.

Und es geht ihr nicht nur um die Rolle der Frauen. "Hat der Mittlere Osten nicht Wichtigeres zu tun, als sich über mich zu ärgern? Wie wäre es, einen neuen Präsidenten zu wählen? Oder den IS aufzuhalten?", twitterte sie im vergangenen Jahr.

Inzwischen ist sie in den sozialen Netzwerken weniger freizügig und hält sich mit politischen Aussagen zurück, aus Rücksicht auf ihre Familie. Ihrer Aufmerksamkeit tut das keinen Abbruch. Solange die Pornos verfügbar sind, wird die Erregung anhalten.

Sie sah eine Frau zwischen den Beinen ihres Freundes – und reagierte so

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