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Ein Brief an den ersten Mann, der mich nie geliebt hat

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WOMAN SAD
Traurige Frau | Martin Dimitrov via Getty Images
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THE BLOG

Dieser Blog erschien zuerst bei The Odyssey.

Verzeih mir. Ich danke dir. Ich hoffe, du bist glücklich.

Lieber „Papa“,

ich bin nicht mehr wütend, es tut mir nur noch leid. Es tut mir leid, dass du nicht an meinen Erfolgen teilhaben wolltest und stattdessen zu meinem größten Misserfolg geworden bist. Es tut mir leid, dass du ein Leben ohne mich gewählt hast.

Es tut mir leid, dass ich im vergangenen Jahr so viel erreicht habe, ohne dass du etwas davon erfahren hast. Es tut mir leid, dass du keinerlei Recht hast, stolz auf mich zu sein. Es tut mir leid, dass du nie wieder ein Teil meines Lebens sein wirst.

Es tut mir leid, dass du mich überhaupt erst so schwer verletzen durftest. Es tut mir auch leid, dass ich so viel Kraft und Energie in den Aufbau einer Beziehung zu dir investiert habe, die du einfach nicht wolltest. Es tut mir leid, dass ich an dich geglaubt habe.

Doch vor allem tut es mir leid, dass ich nie gut genug für dich war.

Nun blicke ich auf die Zeit zurück, die wir niemals zusammen hatten. Ich bin aber nicht mehr traurig. Stattdessen bin ich jetzt stolz auf mich. Ich bin mir meiner eigenen Stärke bewusst geworden, die ich nur erreichen konnte, weil du nicht da warst.

Es gab Menschen in meinem Leben, die deinen Platz eingenommen und mich erfolgreich großgezogen haben. Ich weiß auch, dass du niemals die Schäden sehen wirst, die du mir zugefügt hast und ich verspreche dir, niemals zuzulassen, dass du meine Erfolge als deine eigenen ausgeben kannst.

Ich erinnere mich an jedes einzelne Mal, dass ich dich über mich selbst gestellt habe.

Ich erinnere mich an all die Male, als ich versuchte, dich bei mir zu behalten, du jedoch letztendlich immer wieder fortgegangen bist. Und ich möchte dir dafür danken. Danke, dass du mir gezeigt hast, dass, egal wie sehr ich es will, nicht immer jeder ein Teil meines Lebens sein wird.

Danke, dass du mir gezeigt hast, dass ich nicht immer alles bekomme, was ich möchte. Danke, dass du mich oft genug allein gelassen hast, sodass ich mich nur auf mich selbst verlasse und auf niemanden sonst.

Danke, dass du mich mit meinen Kämpfen allein gelassen hast, obwohl du mir hättest helfen können. Danke, dass du mich unabhängig und selbstständig hast werden lassen.

All das Lob, das du nicht verdienst, geht an meine Mama.

Du kannst dir nicht einmal annähernd vorstellen, unter welchen Stress du sie gesetzt hast. Sie musste mit ansehen, wie ihre Tochter sich selbst hasste und irgendwann glaubte sie, dass es ihre Schuld sei. Sie weinte nächtelang wegen eines Mannes, der nie Teil ihres Lebens sein wollte. Du warst der erste Mann, der mir mein Herz brach, noch bevor ich überhaupt wusste, dass ich eines besitze.

Ich hoffe, du bist mit deinen Entscheidungen zufrieden. Ich hoffe, dass du nun das Leben führst, das du immer wolltest. Ich hoffe, du schaust auf die Tochter zurück, die du nie hattest und lernst daraus.

Ich hoffe inständig, dass du daraus lernst. Ich hoffe, dass du als Mensch wächst. Ich hoffe, dass du denselben Fehler nicht noch einmal machst.

Solltest du eines Morgens aufwachen und in mein Leben zurückkehren wollen – tu es bitte nicht.

Du musst dich nicht bei mir entschuldigen. Ich möchte auch deine Stimme nicht wieder hören. Mich interessiert nicht, wie es dir geht, wo du bist oder „was es Neues gibt“.

Auf deine Fragen muss ich auch nicht antworten. Ich muss dich nicht in mein Herz lassen, nur um dich kurz daraufhin wieder zu verlieren. Ich brauche dich nicht.

Es tut mir leid.

Ich danke dir.

Ich hoffe, du bist glücklich.

In Liebe,
deine „Tochter“

Dieser Blog ist ursprünglich bei „The Odyssey Online“ erschienen und wurde von Thomas Brennecke aus dem Englischen übersetzt.

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