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"Lässt sich nicht mehr ändern": UN rechnen 2016 mit 100.000 Flüchtlingen aus Libyen

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REFUGEES LIBYA
"Lässt sich nicht mehr ändern": UN rechnen mit 100.000 Flüchtlingen aus Libyen | MAHMUD TURKIA via Getty Images
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  • Aus Syrien sind zuletzt weniger Flüchtlinge nach Deutschland gekommen als noch in den Monaten zuvor
  • Die UN geht nun aber von einem großen Strom ankommender Menschen aus Libyen aus

Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge aus Syrien ist in den vergangenen Wochen zurückgegangen. Beobachter rechnen nun aber mit einem starken Andrang aus Libyen nach Europa.

Daran bestehe kein Zweifel, erklärte nun auch der UN-Sondergesandte für das nordafrikanische Land, Martin Kobler. Er rechnet für 2016 mit einer deutlichen Zunahme der Flüchtlingszahlen aus dem nordafrikanischen Land.

"Dass dieses Jahr sehr viel mehr Migranten über Libyen nach Europa kommen, lässt sich nicht mehr ändern", sagte der deutsche Diplomat der "Welt am Sonntag". "Solange es hier keine funktionierende Regierung gibt, kann niemand diesem Problem wirksam begegnen."

Bisher 2016 bereits 24.000 Libyer nach Europa aufgebrochen

Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien 24.000 Menschen aus Libyen nach Europa aufgebrochen. Dabei ist die Überfahrt in der kälteren Jahreszeit schwieriger. "Wenn man das hochrechnet, dann kommen dieses Jahr sicher mindestens 100.000 Menschen über das Mittelmeer." Seit der weitgehenden Schließung der Balkanroute versuchen wieder mehr Menschen über Libyen nach Europa zu gelangen.

Die EU-Marinemission "Sophia" zum Kampf gegen Schleuserkriminalität vor der libyschen Küste sieht Kobler nicht als Lösung an. "Operation Sophia ist gerade eher ein Faktor, der Migranten anzieht", sagt er. "Die Schleuser schleppen die Boote auf offene Meer hinaus, bisweilen sogar ohne einen Tropfen Diesel im Tank. Dann rufen sie die Notfallnummern an, weil sei wissen, dass die EU-Schiffe die Menschen retten."


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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