Huffpost Germany

Gabriel erhebt schwere Vorwürfe: Die Union weiche der Rentendebatte aus und fördere so radikale Parteien

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Die Rente ist wieder Thema im Bundeswahlkampf
  • Gabriel wirft der Union vor, der Rentendebatte auszuweichen
  • Damit fördere Merkel radikale Parteien
  • Mehr zum Hintergrund der jüngsten Rentendebatte seht ihr im Video oben

Die Rentendebatte wird immer schärfer. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat der Union nun vorgeworfen, einer Rentendebatte auszuweichen und damit radikale Parteien zu fördern.

Es sei "gefährlich für den demokratischen Konsens, wenn man eine der wichtigsten sozialen Fragen aus dem Wahlkampf heraushalten will“, sagte Gabriel den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Damit öffne man radikalen Populisten Tür und Tor.

"Wenn die Union sagt, dass sie nicht mehr über die Rente reden will, dann soll sie mal über die Grenze nach Österreich schauen“, sagte der Vizekanzler. Im Nachbarland könne man "sehen, was passiert, wenn eine große Koalition das Volk aus den Augen und für dessen Probleme das Gehör verloren hat“.

In Österreich hatte kürzlich der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, Nobert Hofer, in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl den größten Anteil der Stimmen bekommen.

Lösung gegen drohende Altersarmut finden

Trotz der Kritik aus der Union und von einzelnen SPD-Politikern beharrte Gabriel auf seiner Forderung nach einer massiven Kurskorrektur in der Rentenpolitik. "Wir müssen alles unternehmen, das weitere ungebremste Absinken des Rentenniveaus nach 2020 zu stoppen und das Rentenniveau zu stabilisieren“, sagte der SPD-Chef.

Nach der geltenden Gesetzeslage kann das Rentenniveau von heute knapp 48 Prozent bis 2030 auf 43 Prozent sinken, später dürfte das Niveau weiter abnehmen. "Man kann nicht hunderte Milliarden Euro zur Stabilisierung von Banken bereitstellen, aber bei der Stabilisierung des Rentenniveaus sagen, dass für die Menschen leider kein Geld da sei“, sagte der SPD-Chef.

Gabriel warnte, kein junger Mensch werde über 40 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen wollen, wenn am Ende ein Rentenniveau von nur noch knapp 40 Prozent stehe. Von den Politikern werde erwartet, dass sie eine Lösung gegen die drohende Altersarmut vieler Menschen fänden.

Menschen in Deutschland zutiefst verunsichert

Der SPD-Chef verwies darauf, dass immer mehr Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiteten und damit Angst vor Altersarmut haben müssten, auch durch die Digitalisierung der Arbeitswelt. Kritik an seinem Kurs wies Gabriel auch mit dem Hinweis zurück, eine gesellschaftliche Debatte werde zu einem Expertendiskurs im "Fachchinesisch“ gemacht.

Lest dazu auch: So denken 5 junge Deutsche über ihre Rente: "Fühle mich verarscht"

Nachdem die SPD die Debatte angestoßen habe, "meldeten sich die Zahlenfüchse und selbsternannten Weltökonomen, um ihre Weisheiten vorzutragen“, meinte Gabriel. Dies sei so unverständlich und kompliziert gewesen, dass viele Menschen noch weiter verunsichert worden seien.

In der Tat ist die finanzielle Lage vieler Deutscher bestürzend. Die Kinder trifft es hierbei am härtesten. Fast 20 Prozent aller Mädchen und Jungen unter 18 Jahren in Deutschland sind von Armut betroffen. Vielen von ihnen fehlt es im reichen Deutschland an wichtigen Dingen wie regelmäßigem Mittagessen, warmer Kleidung und Bücher.

Prekäre Lage trotz stabiler Wirtschaft

Trotz stabiler Wirtschaftslage wächst in Deutschland eine neue Generation ohne Zukunft heran, warnen Experten.

Am höchsten ist die Kinderarmut in Bremen (33,1 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt (28,7 Prozent) und Leipzig (27,0 Prozent), wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zuletzt ergeben hatte.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

Auch auf HuffPost:

Das ist die böseste Abrechnung mit der Kanzlerin, die ihr heute hören werdet

(sk)

Korrektur anregen