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Ein Flugblatt zeigt, wie extrem die AfD wirklich ist

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AFD STUTTGART
Ein Flugblatt, das auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart kursierte, offenbart den rechten Rand der Partei | Wolfgang Rattay / Reuters
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Ein Flugblatt auf dem Parteitag der AfD in Stuttgart. Und eine dringende Frage: Ist das noch Demokratie oder steht bald der Verfassungsschutz vor der Tür?

Auf dem Cover prangt ein zweifarbiger Adler mit zackigem Schnabel und weit gespreizten Schwingen. Gegen den stilisierten Raubvogel der "Patriotischen Plattform" innerhalb der AfD sieht selbst der gute alte Preußenadler aus wie ein antriebsloses Zootier.

Nach dem ersten Blick auf das Flugblatt muss man unweigerlich an Opas Uniform denken.

Die Autoren sprechen für sich

Aber das war's auch schon mit den Zweideutigkeiten. Alles andere in diesem Flyer ist sehr eindeutig. Dafür stehen die Autoren mit ihrem Namen ein: Hans-Thomas Tillschneider aus dem stramm nationalen Landesverband Sachsen.

Der 2014 wegen seiner Mitgliedschaft in der rechtsradikalen Münchner Burschenschaft Danubia zurückgetretene Ex-Chef der AfD-Jugend, Benjamin Nolte. Oder Dubravko Mandic, der dunkelhäutige Deutsche gern mal als "Quotenneger" bezeichnet.

"In den letzten Monaten hat die unverantwortliche Politik der Regierung zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes geführt", heißt es einleitend in dem Flugblatt. "Unter dem Deckmantel des Asylsystems haben 2015 mehr als eine Million illegale Einwanderer die Grenze nach Deutschland überschritten."

"Masseneinwanderung" und "Massenarmut" werden gleichgesetzt

Nun ist Deutschland keineswegs im Zustand völliger Verheerung – das werden wohl auch jene seidenbeblusten Perlohringträgerinnen bestätigen können, die in der Mittagspause das Pamphlet mit ihren promovierten Parteikameraden bei ordentlicher Hausmannskost debattierten.

Darüber hinaus kamen wahrscheinlich auch nicht eine Million Asylbewerber, das hat Kanzlerin Angela Merkel schon mehrfach betont. Zudem handelt es sich dabei keineswegs um "illegale Einwanderer", auch wenn die wackeren Patrioten der AfD sich das noch so gern wünschen würden.

Aber das war nur der Anfang.

Auf dem Flugblatt setzt die "Patriotische Plattform" die Begriffe "Masseneinwanderung" und "Massenverarmung" gleich. Zitat: "Die Masseneinwanderung führt dazu, dass Steuern und Sozialabgaben steigen und gleichzeitig die Löhne sinken. Sie bringt uns keine 'Bereicherung', sondern ist das größte Massenverelendungsprogramm in der deutschen Geschichte."

Hetze pur

Das ist in jeglicher Hinsicht NPD-Propaganda. Hetze pur. Zumal so gut wie nichts davon stimmt. Weder sind seit dem starken Anstieg der Asylbewerberzahlen im Jahr 2013 die Löhne gesunken noch die Steuern gestiegen.

Im Gegenteil: Erstmals seit langer Zeit steigen die Nettolöhne wieder. Und im Bundeshaushalt sammelt sich derzeit ein stattlicher zweistelliger Milliardenüberschuss.

Außerdem verleumden die sich selbst als "patriotisch" bezeichnenden AfD-Politiker die Opfer von Krieg und Vertreibung. "Es sind nicht die Besten, die ihr Vaterland in der Not verlassen!", heißt es da. "Wer taub ist, wenn sein eigenes Vaterland ihn zur Pflicht ruft, wie sollte der die Pflichten erfüllen, die er bei uns hat?"

Merken die Autoren nicht, wie menschenverachtend ein solches Gerede ist? Die Antwort muss lauten: wahrscheinlich schon. Aber das ist Kalkül.

Bilderbuch-Populismus

Denn wer einen Bürgerkrieg mit gut einem Dutzend beteiligten Parteien und mehreren Hunderttausend zivilen Opfern wie in Syrien zu einer Frage zwischen patriotischem Endkampf und Vaterlandsverrat erklärt, der hat entweder nicht mehr alle Tassen im Schrank oder betreibt eine ziemlich geschickte Komplexreduzierung.

So wie es Populisten in ganz Europa machen. Und das ist wahrscheinlich auch der Schlüssel, um die Rhetorik der AfD zu verstehen.

Leute wie Tillschneider, Nolte und Mandic von der "Patriotischen Plattform" erfüllen eine ganz wichtige Funktion innerhalb der Partei. Sie werden auch in der AfD bleiben, selbst wenn ihr Gerede künftig nicht mit dem Grundsatzprogramm kompatibel ist.

Bei der AfD gut aufgehoben

Sie geben durch ihre Parolen radikaleren Wählern das Gefühl, dass sie bei der AfD gut aufgehoben wären. Ähnlich hat das früher auch schon die Linkspartei mit ihrer "Kommunistischen Plattform" gemacht. Bis heute hat die Linke am äußersten Rand des politischen Spektrums eine ziemlich hohe Integrationskraft.

Und genau deshalb sollte man die AfD auch nicht an ihrem nun beschlossenen Grundsatzprogramm messen, das in vielen Teilen gemäßigt klingen mag.

Der dynamischere (und weitaus erfolgreichere) Teil der Partei ist jener, der sich nach rechts zum Fenster heraus lehnt. Das zeigen die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.

Deswegen sind die Radikalen stets der beste Maßstab in dieser Partei. Sie zeigen uns, wo die Zukunft der AfD liegt.

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