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"Sie sind selbst schuld": So waren Frauen angezogen, als sie sexuell missbraucht wurden

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sexuelle gewalt kleidung

Diese Frage ist heute so vertraut geworden, das sie eigentlich schon zur Routine gehört.

Eine Frau wird sexuell belästigt; ihre Taten, ihr Körper und sie selbst verletzt. Und trotzdem ist die Frage, die oft von Freunden, Familie, der Universitätsverwaltung und anderen, die es eigentlich besser wissen sollten, gestellt wird - auf solch einen Akt von psychischer und körperlicher Gewalt: "Was hast du getragen?"

Für ihre Abschlussarbeit im Hauptfach Fotografie an der Arcadia University hat Katherine Cambareri beschlossen, die Leichtigkeit, mit der Menschen dem Opfer die Schuld geben, zu hinterfragen.

"Im Sommer habe ich Missoula von Jon Krakauer gelesen. Es hat mich wirklich wütend gemacht, wie unfair in Fällen von sexueller Gewalt gehandelt wird", erklärt die Künstlerin der Huffington Post.

"Dieses Buch hat meine Augen geöffnet, im Hinblick auf die Schuldzuweisungen an das Opfer und die Fragen, die Opfern gestellt werden. Etwa, ob sie getrunken haben und was sie getragen haben, als der Übergriff passierte."

"Fragen wie diese werden gestellt, um den Täter zu schützen, nicht das Opfer", sagt sie. "Ich finde es dumm, dass Opfern manchmal die Schuld gegeben wird, noch bevor sie überhaupt die Chance hatten, ihre Geschichte zu erzählen. Ich wollte etwas tun, um zu beweisen, wie unnötig diese Fragen sind, die in die Kategorie 'Schuldzuweisung an das Opfer' fallen."

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Für ihre Fotoserie, suchte Cambareri über Facebook nach Opfern von sexueller Gewalt. Sie bat sie, Momente zu teilen, in denen sie sexuelle Annäherungsversuche erlebten, ohne ihre Einwilligung gegeben zu haben. Nur weibliche College-Studentinnen meldeten sich auf die Anfrage. Dementsprechend verkleinerte sich der Rahmen des Projekts. Cambareri fragte die Frauen anschließend, ob sie die Kleidung fotografieren dürfe, die sie getragen hatten, als sie belästigt wurden.

Die Kleidungsstücke, die Cambareri fotografierte, waren unter anderem ein weißes T-Shirt mit V-Ausschnitt, eine graue Jogginghose, ein kariertes Hemd, weiße Converse-Sneaker und ein geblümtes Top.

Schaurig auf einem schwarzen Hintergrund platziert, schreien die leicht zerknitterten Kleidungsstücke still für die Ungerechtigkeiten, die etwa 23 Prozent aller weiblichen Studentinnen an amerikanischen Universitäten nicht nur ertragen müssen, sondern für die sie manchmal auch verantwortlich gemacht werden.

"Die Gesellschaft geht davon aus, dass Opfer freizügige Kleidung trugen, als sie sexuelle Gewalt erfuhren", sagt Cambareri. Aber wie ihre Bilder versuchen zu zeigen, ist das nicht nur eine unangemessene Annahme. Es ist eine gefährliche, die den Fakt verharmlost, dass die schuldige Person immer der Täter und nie das Opfer ist.

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Cambareris größte Angst war, dass sie zu viel von den Opfern verlangte, da sie sie darum bat, diese schmerzhaften Erinnerungen noch einmal zu durchleben. Aber am Ende war sie von den positiven Auswirkungen des Projekts überzeugt - und die Zustimmung ihrer Freiwilligen machten die Arbeit lohnenswert.

"Es fühlt sich an, als hätte ich eine spezielle Verbindung zu jeder der Freiwilligen, weil sie mir durch die Teilnahme anvertrauen, dass sie sexuell angegriffen wurden", erklärt Cambareri in einem Interview mit "Break the Cycle". "Sie vertrauen mir, ihre Kleidung auf eine positive Art und Weise zu nutzen.

Jede, die bis jetzt teilgenommen hat, war eine Bekannte von mir und das zeigt, wie groß dieses Problem ist. Ich habe realisiert, dass noch so viel Präventionsarbeit geleistet werden muss. Wir müssen aufhören, Stereotype zu entwerfen und sexuelle Gewalt mit so vielen Stigmata zu verbinden."

Cambareri hofft, ihre Arbeit nach ihrem Abschluss fortsetzen zu können und möchte mehr Männer in das Projekt inkludieren. Momentan möchte sie einfach nur, dass ihre Arbeit gesehen, darüber nachgedacht und verstanden wird, auch wenn es eine schmerzvolle Erfahrung ist.

"Ich hoffe wirklich, dass Menschen sich unwohl fühlen, wenn sie diese Bilder sehen", fügt sie hinzu. "Ich möchte, dass Menschen über Schuldzuweisungen nachdenken und darüber, dass 'Was hast du getragen?' niemals eine berechtigte Frage ist, weil Opfer nie danach 'fragen', belästigt zu werden. Sexuelle Gewalt passiert, weil eine Person sich dazu entscheidet, eine andere Person zu überfallen - und aus keinem anderen Grund."

"Ich hoffe, dass Betrachter sich in die Lage der Opfer versetzen können und sich vorstellen, selbst die Kleidung, die ich fotografiert habe, zu tragen, die die Opfer anhatten", fasst sie zusammen. "Es ist wichtig, dass Menschen neue Perspektiven sehen, um Stigmatisierung zu beenden und mit Stereotypen zu brechen."

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Huffington Post USA und wurde von Alexandra Polic aus dem Englischen übersetzt.

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