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Claude Shannon: Deshalb jongliert das Computer-Genie im Google Doodle

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CLAUDE SHANNON
Claude Shannons Geburtstag wird heute mit einem Google Doodle gefeiert | Google
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Heute feiert die Suchmaschine Google den hundertsten Geburtstag des Mathematikers Claude Shannon mit einem Doodle.

Wohl die Wenigsten wissen, dass praktisch jedes Gerät, das Informationen in digitaler Form speichert, auf seinem Wissen basiert - auch das Smartphone, dass Tablet oder der Computer, auf dem Sie gerade diesen Text lesen.

Selbst in seinem Heimatland USA ist der sonderbare Wissenschaftler den wenigsten bekannt. Und kaum ein Biograf hat sich die Mühe gemacht - sich mit seinem Leben zu beschäftigen.

Vorbild für Nerds und Geeks in aller Welt

Claude Shannon war ein Mathematiker, der praktisch das digitale Zeitalter eingeläutet hat. Aber darüber hinaus hat er auch unsere Popkultur bereichert: Er hat den Typ des genialen, aber schüchternen und in sozialen und sexuellen Angelegenheiten ungeschickten Nerds erfunden. Wenn es historisches Vorbild für die Comicfigur Daniel Düsentrieb, Sheldon Lee Cooper aus der "Big Bang Theory" oder Murray Bozinsky aus "Trio mit vier Fäuste" gab, dann war er es.

Shannon war einer der ersten, die auf die Idee kamen, dass man Nullen und Einsen dazu benutzen kann, um Informationen zu übermitteln. Seine größte Hinterlassenschaft ist ein Werk mit dem etwas sperrigen Titel "A Mathematical Theory of Communication", dass er im Jahr 1948 veröffentlichte. Auf Deutsch: "Mathematische Grundlagen in der Informationstheorie".

Darin legte er die Grundlagen für die digitale Datenübertragung und benutze als erster die Bezeichnung "Bit" ("binary digit", zu deutsch Binärziffer) als kleinste Einheit der digitalen Datenspeicherung.

1000001 ist der Buchstabe "A"

Man muss sich in das Jahr 1948 zurückversetzen, um zu verstehen, wie revolutionär diese Idee war. Daten wurden damals als Buchstabe auf Papier übertragen, als Rillen in Schallplatten, als Schallwellen durch die Luft oder Frequenzen in Telefonleitungen. Das man Nullen und Einsen verwenden könnte, um Daten jegliche Form - Texte, Töne, Bilder - zu übertragen, war damals eine revolutionäre Vorstellung.

Computer, Smartphones und alle anderen digitalen Geräte nutzen den Binärcode, um Daten zu übertragen oder zu speichern. Diese werden als Abfolge von Nullen und Einsen dargestellt. Wenn eine Spannung anliegt, entspricht dies einer Eins, wenn keine Spannung anliegt, entspricht dies einer Null.

Zum Beispiel gilt im ASCII-Code die Bitfolge 1000001 als Buchstabe "A", 1100001 dagegen als "a". Jede einzelne Null oder Eins entspricht dabei einem Bit. Acht Bit bilden zusammen ein Byte. (Im ASCII-Code ist ein Bit ein Pufferbit - daher enthält das Beispiel oben nur sieben Bit.

Damals hatte Shannon allerdings noch nicht Youtube oder WhatsApp im Sinn. Stattdessen wollte er mit der digitalen Datenübertragung das amerikanische Telefonnetz retten. Das war heillos überlastet. Eine digitale Weiterleitung bietet den Vorteil, dass sie über weite Distanzen ohne Qualitätsverlust möglich ist.

Shannon nutze seinen Ruf als Genie

Dieses und andere Werke begründeten Shannons Ruf als mathematisches Genie. Und er wusste dies auszunutzen. Im Jahr trat 1956 eine Gastprofessur am Massachusetts Institute of Technology (MIT) an und wechselte er 1958 ganz dorthin. Nach ein paar Jahren teilte er seinen Chefs mit, er werde von nun an nicht mehr im Büro erscheinen. Stattdessen verbrachte er seine Zeit damit, in seinem Keller an sonderbaren Geräten herumzuschrauben, die dem Geiste Daniel Düsentriebs entsprungen schienen.

Das MIT ließ den Sonderling in der Hoffnung gewähren, dass Shannon aus seinem Kellern wieder mit einem wissenschaftlichen Durchbruch auftaucht, und zahlte weiterhin sein Gehalt.

Doch der verbrachte seine Zeit lieber mit technischen Spielerreihen. Zum Beispiel einem Kasten, dem er den Namen "Ultimate Machine" gab: Schaltete man die Maschine mit dem einzigen Hebel an dem Gerät ein, fuhr eine kleine Hand aus einem Fach und schaltete die Maschine wieder aus.

Aus ferngesteuerten Flugabwehrraketen wurde ein Spielzeuglaster

Viele seine technischen Errungenschaften verband er mit Spielereien. In den Fünfziger Jahren experimentierte als mit künstlicher Intelligenz. Dabei erfand er "Theseus": eine Blechmaus, die von selbst ihren Weg durch ein Metall-Labyrinth findet. Das Tier konnte seine eigenen Fehlversuche erkennen und fand selbstständig den Weg durch den Irrgarten.

claude shannon
Claude Shannon mit seiner KI-Maus "Theseus"

Shannon gilt auch als der Erfinder des ferngesteuerten Spielzeugautos. Eigentlich hatte er eine Fernsteuerung für Radar-geleitete Flugabwehrraketen entwickeln sollen - doch es führte dazu, das ein roter Spielzeuglaster ferngesteuert durch seinen Keller fuhr.

Auf dem animierten Google Doodle sieht man ihn jonglieren. Und das hat seinen Grund. Shannon interessierte sich brennend dafür und soll gelegentlich jonglierend auf einem Einrad durch das MIT gefahren sein.

Auf dem Einrad durch das MIT

Shannon verehrte die Jongleure Sergej Ignatow und Enrico Rastelli und versuchte in mehreren Theoremen, die Gesetzmäßigkeiten der Kunst zu verstehen. Dazu studiert er nicht nur die Bewegungen von Jongleuren und baute Mehrer "Jugglometer", um deren Bewegungsabläufe zu verstehen. Dabei entstanden auch Mehrer Jonglier-Automaten - darunter einer, der bis zu drei Bälle gleichzeitig jonglieren konnte.

"Ich habe viel Zeit mit vollkommen nutzlosen Dingen verbracht", sage Shannon im Rückblick über sein Schaffen am MIT. In den neunziger Jahren erkrankte er an Alzheimer und wurde in ein Pflegeheim eingewiesen. Im Jahr 2001 starb er weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Vielleicht mach das Google Doodle seinen Beitrag zur Digitalisierung der Welt bekannter.

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