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Bundesparteitag der AfD: Das sind die fünf Köpfe der Partei - zwischen ihnen könnte es richtig krachen

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Gauland, Höcke und Petry (von links) beim beim Treffen der AfD-Landesfraktionen in Sachsen | HuffPost/dpa
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Am heutigen Samstag beginnt der Bundesparteitag der AfD. Die Partei will über ein Grundsatzprogramm entscheiden und somit auch darüber, wie weit sie tatsächlich nach rechts rückt.

Für Schlagzeilen sorgen dürfte bei dem zweitägigen Treffen in Stuttgart vor allem das Thema Islam. Seit die Zahl der neuankommenden Flüchtlinge deutlich gesunken ist, hat sich die AfD in den vergangenen Wochen schon mehrfach daran abgearbeitet.

Einig sind sich die Spitzenpolitiker der Partei in diesem Thema allerdings ebenso wenig wie bei der Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen. Die AfD-Führung hat sich vor dem Treffen aber vorgenommen, persönliche Rivalitäten bis auf weiteres zurückzustellen.

Hier nochmal der Überblick, wer in der AfD derzeit den Ton angibt - zwischen allen von ihnen könnte es an diesem Wochenende mal wieder krachen:

FRAUKE PETRY (40) ist eine von zwei Vorsitzenden. Seit dem Austritt des Parteigründers Bernd Lucke im vergangenen Juli gilt sie als Aushängeschild der Partei. Im Bundesvorstand steht die aus Dresden stammende Chemikerin allerdings zunehmend isoliert da.

Parteikollegen werfen ihr vor, sie lasse sich politisch zu stark von ihrem neuen Lebensgefährten Marcus Pretzell beeinflussen, der den NRW-Landesverband leitet. Die vierfache Mutter ist AfD-Fraktionschefin im sächsischen Landtag. Sie setzt sich für eine engere Vernetzung rechtsnationaler Parteien in Europa ein.

ALEXANDER GAULAND (75) steht als Stellvertreter zwar offiziell in der zweiten Reihe. Im Bundesvorstand ist er dennoch ein wichtiger Strippenzieher. Das liegt erstens daran, dass er als ehemaliger CDU-Staatskanzleichef in Hessen mehr politische Erfahrung hat als seine Parteikollegen.

Zweitens sehen sie ihn aufgrund seines Alters nicht als direkten Konkurrenten. Gauland vertritt teilweise rechtsnationale Positionen. Er sieht die AfD als "Partei des kleinen Mannes".

JÖRG MEUTHEN (54) teilt sich seit Juli 2015 mit Petry den Vorsitz. Ursprünglich sollte er nach einigen Monaten in die Riege der Stellvertreter zurücktreten. Durch eine Satzungsänderung auf dem Parteitag in Hannover im November bekam er dann aber ein "Upgrade" (O-Ton Meuthen), so dass beide weiterhin gleichberechtigt sind.

Der Volkswirt ist zum zweiten Mal verheiratet und hat fünf Kinder. Er ist AfD-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag und gehört zu den Überbleibseln des liberalen Flügels. Dieser Flügel war nach dem Abgang von Lucke stark geschrumpft.

BEATRIX VON STORCH (44) steht für stramm konservative Positionen. Sie ist Abtreibungsgegnerin und tritt für die Abschaffung des "Gender Mainstreaming" ein. Die stellvertretende Parteivorsitzende sitzt für die AfD im Europaparlament und steht dem Berliner Landesverband vor.

Nach Äußerungen zum Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge warfen ihr politische Gegner im vergangenen Februar eine Torte ins Gesicht. Für ihren Ausspruch "Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist" erntete sie von Politikern und Verbänden viel Widerspruch.

BJÖRN HÖCKE (44) ist zwar nur Fraktionsvorsitzender in Thüringen. Doch der beurlaubte Lehrer hat durchaus Ambitionen, die darüber hinausreichen. Er gilt als wichtigster Vertreter des rechtsnationalen Flügels.

Unter Lucke drohte ihm ein Parteiausschlussverfahren, weil er die Auffassung vertrat, nicht jedes einzelne NPD-Mitglied sei extremistisch. Heute sitzt Höcke wieder fest im Sattel. Gauland stützt ihn. Im Bundesschiedsgericht der AfD sitzen viele Gleichgesinnte.

Vorstandmitglieder rechnen nicht mit Einigung beim Programm

Bei einem Empfang der Parteispitze am Vorabend des zweitägigen Parteitages war die Stimmung laut Teilnehmern zwar etwas angespannt, aber friedlich. Das muss aber noch lange nichts heißen.

Immerhin: Auf dem zweitägigen Parteitag stehen keine Vorstandswahlen an. Parteivize Gauland sagte vor Beginn: "Der Parteitag ist ein wichtiger Schritt zur Verankerung der AfD in der Gesellschaft Deutschlands."

Die meisten Vorstandsmitglieder gehen allerdings davon aus, dass es wegen großer Meinungsverschiedenheiten nicht gelingen wird, ein vollständiges Programm zu verabschieden. Das sind ja schon mal gute Voraussetzungen.

mit Material der dpa

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