Huffpost Germany

"Ganz schön müßig, die Abendlandretter": So schleppend verlief der erste Tag des AfD-Bundesparteitags

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD
Die AfD blockiert sich bei ihrem 5. Parteitag selbst | Getty
Drucken
  • Der erste Tag des AfD-Parteitags zeigt die Schwächen der Partei auf
  • Auf Twitter machten sich Nutzer über die ausuferten Diskussionen und Endlos-Anträge der basisdemokratschen Versammlung lustig

Eigentlich soll auf dem AfD-Bundesparteitag dieses Wochenende über Grundsätzliches geredet werden. Was bei dem zweitägigen Partei-Events heraus kommen soll, ist nicht weniger als eine klare Verschriftlichung der - bislang oft etwas unklaren - Partei-Identität.

Über 3000 Sympathisanten wollten mitreden

Doch vom ersten Tag der Versammlung bleibt der Eindruck: Die AfD steht sich bei diesem ambitionierten Vorhaben selbst im Weg. Sie wollte die oft aus den eigenen Reihen geforderte Basisdemokatie Wirklichkeit werden lassen. Der Bundesvorstand hatte die Versammlung daher als Mitgliederparteitag ausgerufen, im Unterschied zu den bei den großen Parteien üblichen Delegiertenparteitagen.

Über 3000 AfD-Sympathisanten hatten sich daher in Stuttgart eingefunden, und viele wollten ihre - teils kruden Ideen - in die Diskussion einbringen.

Anträge über Anträge über Anträge

Es erinnerte ein wenig an die Kinderkrankheiten der Piraten-Partei, die dafür gesorgt hatten, dass die mit viel Tamm-Tamm auf der politischen Bildfläche erschienene Partei mittlerweile zur Randnotiz verkommen ist.

In Stuttgart wurden so Anträge gestellt, es wurde diskutiert, um am Ende darüber abzustimmen, ob über den Antrag abgestimmt werden sollte.

Wiederholt griff der Versammlungsvorsitzende in die Diskussion ein - um die Redner abwürgen und so zumindest ein allmähliches Voranschreiten der Tagesordnung zu gewährleisten. Dabei hatte Partei-Vize Alexander Gauland die Parteianhänger im Vorfeld noch beschworen: “Lassen Sie uns nicht über jedes Komma streiten."

Hier geht es zum Live-Blog zum AfD-Bundesparteitag

Geht man noch etwas weiter zurück, erinnert das, was sich heute in Stuttgart abspielte, gar an die Debattenkultur der 68er und Grünen der 80er-Jahre, die AfD-Chef Jörg Meuthen erst in seiner Rede am Morgen wieder als "links-versifft" diffarmierte.

Auch in den Anfangstagen der Grünen führte die basisdemokratische Überzeugung der Partei dazu, dass parteiinerne Debatten oft zu Meta-Debatten ausuferten - und am Ende von nächtelangen hitzigen Diskussionen auf dem Papier nicht viel übrig blieb - was für viel Häme von Seiten der etablierten Parteien sorgte.

Auf Twitter ernten die Rechtspopulisten nun Häme

Häme, die jetzt auch die AfD zu spüren bekam. Besonders bei Twitter. Journalist Lenz Jacobsen, der für die “Zeit” live vor Ort war, beobachtete bereits am Nachmittag vermehrt Ungeduld im Saal ...

… denn zu diesem Zeitpunkt war noch kein einziger Satz zu den Haupt-Programmanträgen gefallen.

Ähnliche Beobachtungen machte Journalist Felix Huesmann - er beschrieb bereits morgens, dass der Tag mit "lauter Anträgen aus dem Landesverband Querulantistan" begonnen hätte:

Ein anderer Nutzer merkte an, dass der Parteitag sich so in die Länge ziehen könnte, dass womöglich "alle in der Halle an Ältersschwäche sterben" könnten, bevor die Hauptpunkte besprochen werden könnten:

Andere Nutzer machten sich sowohl über den verschachtelten Aufbau des Parteitags ...

... als auch die internen Streitereien der Delegierten über Kleinigkeiten lustig:

Mehrere Twitter-Nutzer bezeichneten den Prozess schlichtweg als “wirr” ...

... oder chaotisch ...

… so auch SPD-Politikerin Sabine Wölfle. Sie merkte zudem an, dass bisher "keine einzige echte Debatte" zustande gekommen sei:

Das Fazit: Bis zum Ende des ersten AfD-Parteitags 2016 war nur wenig inhaltliches besprochen worden. "Ganz schön müssig die Abendlandretter" spottete deshalb ein Nutzer:

Auch auf HuffPost:

AfD ohne Petry: So radikal würde sich die Partei nach einem Putsch verändern

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.