Huffpost Germany

"Kontraproduktiv und dämlich": Wie die Anti-AfD-Demonstranten den Rechten helfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD ANTI
"Kontraproduktiv und dämlich": Wie die Anti-AfD-Demonstranten den Rechten helfen | dpa
Drucken

Keine Frage – die AfD ist eine brandgefährliche Partei.

Ein Sammelbecken für Menschenfeinde und Brutstätte für Demagogen, wo sich enttäuschte Konservative mit jenen mischen, die Feuer unter dieser Demokratie legen wollen.

Der thüringische Landeschef Björn Höcke darf hier rassistisches Gedankengut zum angeblichen Fortpflanzungsverhalten "der Afrikaner“ verbreiten während die Europaabgeordnete Beatrix von Storch darüber phantasiert, wie man unbewaffnete Flüchtlingskinder an der deutschen Grenze mit gezielten Gewehrsalven das Lebenslicht ausblasen kann.

Das ist verachtenswert. Ein Ziel der AfD ist es wohl, mit diesen kalkulierten Tabubrüchen das politische Klima in Deutschland zu vergiften.

So weit, so widerlich.

Was jedoch mindestens genauso dämlich und gefährlich ist, das ist das, was sich seit heute Morgen auf den Straßen von Stuttgart abspielt. Dort meinen hunderte Autonome, ihre Problem mit der AfD in Form von Straßenschlachten eskalieren lassen zu müssen. Die Autobahn zum Veranstaltungsort des AfD-Parteitags wurde blockiert, Polizisten angegriffen, Reifen abgebrannt.

Eine sinnlose Aktion

Insgesamt wurden 400 Demonstranten in Gewahrsam genommen.

Einige Demonstranten rechtfertigten sich damit, dass die AfD die Gesellschaft spalten wolle. Man dürfe diese Partei "nicht unwidersprochen“ agieren lassen. So sagte es jedenfalls ein Protest-Teilnehmer dem Videodienst der Nachrichtenagentur Reuters.

Weshalb man sich dafür allerdings mit Eisenstangen und Holzlatten bewaffnen muss, das ist genauso ein Geheimnis der Demo-Organisatoren wie der Nutzen einer Parteitagsblockade für den Kampf gegen Rechts.

Einen Castor-Transport mag man durch Manipulationen am Gleisbett zumindest vorübergehend aufhalten können – wenn man denn glaubt, dies tun zu müssen. Die Spitzenpolitiker der AfD jedoch werden auch weiterhin ihren Sermon in die Journalistenmikrofone dieser Republik texten – egal ob sich nun einige Hundert Autonome für einen langen Samstagnachmittag auf Augenhöhe mit den Geschwistern Scholl glauben oder nicht.

Was die Autonomen tun ist doppelt kontraproduktiv

Gewalt ist in der politischen Auseinandersetzung bisher mit gutem Grund ein Tabu. Wir haben in Deutschland damit einschlägige Erfahrungen gemacht. In der Endphase der Weimarer Republik glaubten sowohl linke wie auch rechte Kräfte, dass sie für ihre vermeintlich „gerechte“ Sache Grenzen überschreiten müssen.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände haben am Ende nur den Nationalsozialisten geholfen. Sie waren diejenigen, die am Ende den Bürgern weismachen konnten, dass sie nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler wieder Ordnung herstellen würden. Sogar viele Arbeiter haben das damals geglaubt.

Was die Autonomen derzeit in Stuttgart treiben, ist daher gleich doppelt kontraproduktiv: Einerseits riskieren sie damit, ihr eigenes politisches Anliegen zu diskreditieren. Andererseits helfen sie damit am Ende nur jenen, die sie eigentlich bekämpfen wollen. Nach solchen Krawallen kann sich selbst ein notorischer Feuerteufel wie Björn Höcke als ordnende Kraft inszenieren.

Und das kann nicht ernsthaft sein, was linke Politik in Deutschland erreichen will.

Auch auf HuffPost:

AfD ohne Petry: So radikal würde sich die Partei nach einem Putsch verändern

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.