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Mein ungeimpftes Kind ist gestorben - ich bin eine Mörderin

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ANTONELLE UND AZZURA
Mein ungeimpftes Kind ist gestorben. Ich bin eine Mördern | Antonelle Salimbene
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Es ist schwer, den Schmerz dieser Mutter in Worte zu fassen. Antonelle Salimbene fühlt sich schuldig am Tod ihrer Tochter. Denn die 11-jährige Azzurra war 2014 an einem Meningitis-Anfall gestorben.

“Ich habe sie nicht impfen lassen, weil der Kinderarzt sagte, es sei nicht nötig, weil sie nicht in die Kita ging”, sagt die Italienerin Antonella der Huffington Post am Telefon.

Azzura besuchte die fünfte Klasse in Casalmaiocco, einem Ort in der Lombardei. Nicht weit von dort lebte sie zusammen mit ihren Eltern und ihrer vierjährigen Schwester. Ihre Mutter Antonelle war gerade mit Azzuras kleinem Bruder schwanger, den sie jedoch nie kennenlernen sollte.

Kinderarzt sprach sich gegen die Impfung aus

Antonella ist nicht einmal Impfgegnerin: “Ich habe sie gegen alle Krankheiten, einschließlich Masern, Windpocken und Mumps impfen lassen”, sagt sie.

Doch der Arzt impfte Azzura nicht gegen Meningokokken C, die Meningitis auslösen: ”Der Arzt hat mir versichert, dass es sich um eine seltene Krankheit handelt und nicht einmal seine eigenen Kinder dagegen geimpft seien.”

Azzura hatte Antikörper, die sie gegen viele Krankheiten schützten. Nur der Meningitis war sie schutzlos ausgeliefert. Am 18. März wurde die Erkrankung festgestellt, jedoch wies sie zunächst keine beunruhigenden Symptome auf.

Dann aber ging alles ganz schnell.

Plötzlich kippte sie um und hatte Schaum vor dem Mund

“Die Krankheit brachte meine Tochter innerhalb von zwei Tagen um”, sagt Salimbene unter Tränen.

“Die Schule rief an, um mir zu sagen, dass es ihr nicht gut ging und sie 37,5 Grad Fieber hätte. Aber ich habe mir noch keine Sorgen gemacht."

Am nächsten Tag war Vatertag. Azzura wünschte ihrem Vater am Telefon alles Gute und erzählte ihm, das ihr der Kopf platze. “Setz dich und lies etwas”, riet ihr die Mutter. “Doch als sie vor der Couch stand, kippte sie um und hatte Schaum vor dem Mund. Azzurra wurde im Krankenhaus intubiert und sofort auf die Intensivstation verlegt.

"Es war mein Fehler"

24 Stunden später teilten Ärzte der Mutter mit, dass sie nichts mehr für Azzura tun könnten. Ihr Gehirn hatte aufgrund der Meningitis bereits irreversible Schäden erlitten.

Antonella wollte erfahren, warum ihre Tochter gestorben war. "Als sie mir sagten, dass es Meningokokken C waren, erinnerte ich mich an den Kinderarzt und meine Entscheidung, sie nicht impfen zu lassen.

Ich fühlte mich, als hätte ich meine Tochter vor einen Lastwagen geworfen. Ich denke, es war mein Fehler. Ich war unwissend und hätte andere Ärzte fragen sollen.”

Vor wenigen Tagen wurde die Organisation "Un bacio ad Azzurra" (Ein Kuss von Azzura) ins Leben gerufen, die Eltern überzeugen soll, ihre Kinder impfen zu lassen.

"Ich fühle mich wie die Mörderin meiner Tochter"

“Ich möchte den Eltern sagen, dass jede Dosis des Impfstoffs ein Kuss von Azzura ist. Jedes Mal, wenn ich ihr Grab auf dem Friedhof besuche, bitte ich um Vergebung. Nach ihrem Tod wurden in Lodi 50 Kinder gegen Meningitis geimpft und auch ich habe mich impfen lassen.”

Den Ärzten, die glauben, dass Impfstoffe nicht wichtig sind, möchte Salimbene etwas sagen: "Was auch immer Sie als Ärzte darüber denken, sollte Eltern nicht beeinflussen. Sie sollten lediglich darüber informieren, welche Impfstoffe es gibt und diese grundsätzlich empfehlen.”

Die Geschichte von Antonelle Salimbene und ihrer Tochter sollte dazu beitragen, das kollektive Bewusstsein für die Bedeutung von Impfungen zu schärfen. Auf Facebook richtete Antonelle sich an den Virologen Roberto Burioni von der Universität Vita Salute San Raffaele in Mailand, der sich als einer der Ersten in sozialen Netzwerken für den Einsatz von Impfungen aussprach.

Antonelle bedankte sich auf Facebook bei ihm und bezeichnete sich selbst als Mörderin ihrer Tochter:

“Lieber Professor, ich weiß, dass ich nicht auf eine Freundschaft mit Ihnen hoffen kann, doch die Argumente, die Sie verwenden, berühren mich sehr.

Am 20. März vor zwei Jahren habe ich meine kleine Tochter verloren, sie starb an den Folgen von Meningitis C. Meine Azzura war nicht geimpft und ich bin Schuld. Ich fühle mich als Mörderin meiner Tochter.

Als junge Mutter habe ich auf den Rat des Kinderarztes gehört. Er sagte, dass die Impfung nicht notwendig sei, wenn sie nicht in die Kita geht. Jetzt habe ich keine Tochter mehr und ich bin ständig von einem schlechten Gewissen geplagt. Verzeihen Sie meinen Ausbruch."

Niemand sollte fühlen müssen, was Antonella fühlt

antonelle facebook

Antonellas Worte haben einer anderen Mutter geholfen, letzte Zweifel an den bevorstehenden Impfungen ihrer Kinder zu überwinden. Sie schrieb Antonella auf Facebook.

“Für mich ist diese Nachricht sehr viel wert”, sagte Antonella. “Ich möchte, dass keine Mutter und kein Vater das fühlen muss, was ich fühle, wenn ich morgens die Augen aufmache und mir wieder klar wird, was geschehen ist."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post Italia und wurde aus dem Italienischen übersetzt und redaktionell bearbeitet.


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