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Meine Freunde feiern ihre Hochzeit, ich feiere mich lieber selbst

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Ich habe in letzter Zeit das starke Gefühl, dass immer mehr meiner Freunde sich verloben, heiraten, Kinder kriegen. Eigentlich so ziemlich alle. Doch damit nicht genug. Dieses Ganze Verloben und Heiraten bedeutet für die meisten auch, dass sich ihr Lebensstil ändert.

Pärchen ziehen zusammen, sie schmeißen das Salatbesteck der Oma weg und kaufen sich - gemeinsam - ein neues. Sie teilen sich beim "Tatort"-Gucken eine Low-Fat-Chipstüte und lassen sich gegenseitig wissen, wie schön es doch ist, das Sofa nicht mehr verlassen zu müssen.

Meine Freunde bekommen Heiratsanträge. Ich finde es schon süß, wenn er nach meiner Nummer fragt

Dann kriegen sie Kinder und wenn man zu Besuch ist, muss man die Stevia-gesüßten Dinkel-Waffeln loben und ständig aufpassen, dass der Nachwuchs das Smartphone nicht vom Balkontisch fegt. Wie anstrengend!

Was soll ich sagen? Mein Leben sieht noch ganz schön anders aus:

Meine Freunde bekommen romantische Heiratsanträge. Ich finde es schon süß, wenn er nach meiner Nummer fragt.

Meine Freunde werden um sechs Uhr früh von ihren Kindern geweckt. Mich weckt meine schlafoptimierte Wecker-App für den nächsten 11-Stunden-Arbeitstag.

Meine Freunde kaufen sich gemeinsam ein Sofa. Ich wohne immer noch mit Billy.

Meine Freunde beauftragen Umzugsunternehmen. Ich frag immer noch sie um Hilfe.

Meine Freunde wissen schon genau, wie die nächsten Jahre aussehen werden. Ich weiß immer noch nicht, was genau ich letzten Samstag gemacht habe.

Meine Freunde gehen zu Candle-Light-Dinnern in Sterne-Restaurants, ich steh immer noch auf den Barmann in meiner Lieblingskneipe.

Meine Freunde müssen für das Kindergartenfest zuckerfreie, vegetarische Snacks zubereiten. Ich mach das Fenster zu, wenn der Kindergarten im Erdgeschoß zu laut ist.

Meine Freunde sagen "Ja" zueinander, ich wische immer noch nach links.

Meine Freunde wollen es allen Recht machen. Ich mache das, was mir passt.

Meine Freunde überlegen, ob sie den Namen des Partners annehmen sollen. Ich bin froh, wenn ich mir keine Nachnamen merken muss.

Meine Freunde wollen wissen, wohin ich denn dieses Jahr in Urlaub fahre. Das wüsste ich auch gern.

Meine Freunde "müssen noch fahren". Ich komme schon irgendwie nach Hause.

Meine Freunde entsaften selber. Meine Mitbewohner haben gerade mein letztes Bier gemopst.

Meine Freunde waren diesen Sommer schon auf drei Taufen. Ich war drei Tage auf einem Festival.

Meine Freunde sagen "Ja" zueinander, ich wische immer noch nach links.

Meine Freunde überlegen sich, wann es wohl Zeit für ein Kind wäre. Ich frage mich immer noch, woher ich diesen blauen Fleck habe...

Meine Freunde gucken Koch-Serien bei Netflix. Ich schaue gerade zum achten Mal Sex and the City.

Meine Freunde posten Fotos ihrer schwangeren Bäuche auf Facebook. Ich lade nachts verschwommene Bilder aus dem Club auf Instagram hoch.

Meine Freunde wollen mich auf ihrer Hochzeitsparty verkuppeln. Das schaffen sie auch - für die eine Nacht. Aber das erzähle ich ihnen nicht.

Meine Freunde werden älter. Ich auch.

...

Aber auch, wenn wir andere Leben führen: Glück lauert überall!

Ein von @lizprohira gepostetes Foto am

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