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Erzieher denkt, er hätte pädophile Neigungen im Griff - bis er ein vierjähriges Mädchen trifft

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KINDERGARTEN
Erzieher denkt, er hätte pädophile Neigungen im Griff - bis er ein vierjähriges Mädchen trifft | Vladimir Godnik via Getty Images
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Stellt euch folgendes Szenario vor: Ein junger Mann merkt, dass ihm Mädchen zwischen drei und zehn Jahren gefallen. Er nimmt sich fest vor, sich niemals an Kindern zu vergehen.

Dann studiert der Mann ausgerechnet Lehramt für die Grundschule und Sozialpädagogik. Er fängt an, als Erzieher in einem Kindergarten zu arbeiten, wo er jeden Tag mit kleinen Mädchen zusammen ist. Es ist eine Horror-Vorstellung, doch genau das ist in Hessen passiert.

Sexuelle Handlungen an vierjährigem Mädchen

Ein wegen schweren sexuellen Missbrauchs in einer Kindertagesstätte angeklagter Erzieher hat die Tatvorwürfe zum Prozessauftakt eingeräumt. Vor dem Landgericht Darmstadt gab der 29-Jährige am Donnerstag zu, in der Zeit von Juni bis August vergangenen Jahres in einem Kindergarten im hessischen Roßdorf während der Mittagsschlafzeit sexuelle Handlungen an einem vierjährigen Mädchen vorgenommen zu haben.

"Ich bin pädophil", sagte der Angeklagte. "Ich habe immer gedacht, ich hätte es unter Kontrolle. Das war eine große Fehleinschätzung." Bei dem Mann wurden etwa 7900 Bild- und Filmdateien mit kinderpornografischen Inhalt sichergestellt. Er habe gedacht, mit dem Ansehen dieser Aufnahmen seine Neigungen zu unterdrücken. "Ich hatte immer den festen Vorsatz, das nicht öffentlich auszuleben."

Als Erzieher im Kindergarten habe er seine Neigung jedoch zunächst "nicht so verspürt", sagte er. "Das Pädagogische stand im Vordergrund. Dass es dann doch zu den Übergriffen gekommen sei, habe am "Setting" im Schlafraum gelegen. "Ich war allein mit den Kindern", sagte er. Sein Opfer habe nicht wirklich geschlafen, die Nähe zu ihm gesucht.

Urteil könnte am 3. Mai fallen

Seine Taten kamen nur durch Zufall ans Licht. Im Gerichtssaal erzählte die Mutter unter Tränen von jenem Tag. Ihre Tochter habe sich bei Tisch im Intimbereich berührt. Als sie ihrem Kind gesagt habe, dass man das nicht tue, habe es geantwortet, dass der Erzieher dies "auch immer" mache. Noch am gleichen Abend wurde der Kindergarten informiert, und der Erzieher, der den Missbrauch zunächst abstritt, freigestellt. "Es ist schrecklich", sagte die Mutter weinend. "Nichts ist mehr so, wie es war."

Das Urteil könnte schon am kommenden Dienstag (3. Mai) fallen. Auf schweren sexuellen Missbrauch steht in der Regel eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren. Zur Bewährung können nur Haftstrafen unter zwei Jahren ausgesetzt werden.