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Donald Trump vs Hillary Clinton: Das macht sie so stark

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Donald Trump und Hillary Clinton wollen Barack Obama beerben

Karrierecoach und Autorin Svenja Hofert beschäftigt sich mit Potenzialen von Einzelpersonen und Teams. Mit ihrem Buch "Was sind meine Stärken? Entdecke, was in dir steckt" (GABAL Verlag, 200 Seiten, 24,90 Euro) will sie den Lesern dabei helfen, sich ihrer Stärken bewusst zu werden. Warum das so wichtig ist und wieso Donald Trump und Hillary Clinton so gut ankommen, verrät Hofert im Interview.

US-Präsident Barack Obama oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gelten als introvertiert, wenig kommunikativ - und sind trotzdem sehr erfolgreich. Wie wirken sich Introversion und Extroversion auf Stärken aus?

"Was sind meine Stärken? Entdecke, was in dir steckt" von Svenja Hofert gibt es hier

Svenja Hofert: Zunächst: Barack Obama und Angela Merkel sind nicht weniger kommunikativ, sondern gestalten ihre Kommunikation nur auf andere Art als viele Politiker, die sich Testosteron-überladen gern ständig vor TV-Kameras erleben. Auch Top-Schauspieler wie Julia Roberts oder Steve Martin gelten privat eher als Leisetreter im Vergleich zu Kollegen, die stets schrill über die roten Teppiche dieser Welt laufen müssen.

Aber wir leben doch scheinbar in einer Zeit der Selbstdarsteller.

Hofert: Ich persönlich glaube, dass die Zeit der Introvertierten nach vielen Jahrzehnten Extro-Kult noch kommt. Wir haben genug von den Selbstdarstellern, die einfach nur sich selbst verkaufen wollen. Extraversion und Introversion sind zudem fließend, viele haben beide Seiten in sich. So sind die meisten Menschen eher ambivertiert, stehen also zwischen den Polen. Außerdem gibt es Menschen, die stark ausgeprägte extrovertierte und stark introvertierte Eigenschaften haben. Sie wirken zum Beispiel sehr dynamisch und schnell, was extrovertiert ist, haben aber zugleich auch ein Rückzugsbedürfnis, was typisch introvertiert ist. Herzogin Kate, die Ehefrau von Prinz William, oder Ex-TV-Moderator Stefan Raab sind Beispiele dafür.

Welche Stärken haben Hillary Clinton und Donald Trump, die auf Barack Obama folgen und US-Präsident werden möchten?

Hofert: Beide haben eine Stärke, die sich ähnelt: Sie sind diszipliniert. Sonst sind es sehr unterschiedliche Charaktere. Über Donald Trump wird ja viel gelästert, aber eins muss man ihm lassen: Er ist unabhängig von anderen. Er schert sich nicht darum, was andere denken oder meinen. Das ist eine Stärke, wenn auch eine anstrengende. Er ist unangepasst, hemdsärmelig und wirkt auf uns Deutsche auch etwas dümmlich. Er ist aber nicht weichgespült. Die Inhalte seiner Politik finde ich höchst zweifelhaft, aber das Unangepasste ist eindeutig seine Stärke. Menschen schätzen es, wenn andere Menschen klar sind und eine Richtung geben können. Das können nur sehr, sehr wenige. Die meisten passen sich laufend an und achten auf Äußerungen, mit denen sie möglichst wenig anecken.

Und womit kann Hillary Clinton punkten?

Hofert: Hillary Clinton ist wesentlich durchdachter, geplanter, intellektueller, analytischer. Sie ist sachlich und überlegt. Sie folgt keinen Impulsen, sondern einem gut ausgereiften Plan. Das macht sie weniger nahbar. Sie ist eher die Introvertierte, die konzentriert an ihrem Erfolg arbeitet. Sie scheint nach außen wenig emotional und menschlich, weshalb ihr die Herzen nicht eben zufliegen. Das erinnert mich ein wenig an Merkel.

Wie lassen sich generell die eigenen Stärken erkennen?

Hofert: Wir brauchen Feedback, Resonanz von Freunden, Verwandten, Kollegen. Wer etwa merkt, dass er leichter Ideen entwickelt, behänder Texte schreibt oder flüssiger Geschichten erzählt als andere in seinem Umfeld, hat einen Anhaltspunkt, worin seine Stärken liegen. Wenn wir unsere Stärken bewusst erleben, macht es uns leistungsfähiger und letztendlich auch glücklicher und zufriedener mit uns selbst. Wir sollten daher immer mal wieder eine Bestandsaufnahme machen. Dabei werden wir stets auch Neues entdecken, wenn wir einmal damit beginnen.

Wie lassen sich Stärken entwickeln und vorhandene Kompetenzen ausbauen?

Hofert: Da empfehle ich, seine Lieblingsstärken zu definieren. Die Stärken, die einen tragen und zufrieden machen. Die ich gern mag. Ich nenne das in meinem Buch "Leitstärke". Und dann gibt es bestimmt die eine Stärke, die man gerne hätte, weil sie den anderen Stärken guttun würde. Wer zum Beispiel ein wunderbarer Schreiber, ein hervorragender Analytiker und grandioser Querdenker ist, aber nicht gut Geschichten erzählen kann, ist vermutlich kein guter Redner. Wer das erkennt, kann seine Stärken als Redner ausbauen. Dafür bedarf es eines Grundes, ein Motiv. Ich nenne es das Wollen: Ohne Wollen ist es egal, was Sie können. Aber wenn Sie wollen, dann werden Sie auch neue Stärken entwickeln können.

Warum empfehlen Sie, sich mit den eigenen Stärken zu befassen?

Hofert: Es macht selbstbewusster! Es stärkt die Identifikation und hilft eine Geschichte zu sich selbst zu entwickeln. Wer sagen kann, wer und wie er ist, kann auch leichter passende berufliche Arbeitsfelder finden. Er kann leichter artikulieren, was er darstellt und ist, nicht nur im Vorstellungsgespräch. Das hat ganz viel mit Kommunikation zu tun, aber auch mit Psychologie. In dem Moment, in dem ich Worte finde für das, was mich auszeichnet, stärke ich mich selbst.

Gibt es die Möglichkeit, auch die Stärken von Partnern, Kollegen und Freunden herauszufinden?

Hofert: Natürlich, man kann Ihnen helfen, die eigenen Stärken klarer zu sehen. Fragen Sie sich: Was nehmen Sie wahr? Was ist beim Partner, Kollegen oder Freund anders als bei anderen - im positiven Sinn. Manchmal sind es auch die für einen selbst nervenden Dinge, die in Wahrheit eine Stärke sind: Der Humor eines Menschen, seine offene Direktheit, die Fähigkeit, überall den Fehler zu finden... Ja wirklich, es gibt Stärken, die sind zunächst anstrengend, aber im Gesamtkontext und in einem anderen Licht betrachtet, unheimlich wertvoll.