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Die neuen Sklaven: Wie Bürger für dumm verkauft werden

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NEUE SKLAVEN
Die neuen Sklaven: Wie Bürger für dumm verkauft werden | Getty
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Robert führt ein gutes Leben. Er hat Arbeit, ein Auto, Familie. Zwei Mal im Jahr fahren alle zusammen in den Urlaub. Was Robert nicht weiß: Seine Freiheit ist eine Illusion.

Robert ist ein Sklave der Neuzeit. Wie alle anderen fährt er jeden Morgen zur Arbeit, steht an der Supermarktkasse an, zieht im Rathaus eine Nummer. Niemanden interessiert, was Robert denkt. Hauptsache, er verdient Geld und gibt es wieder aus.

Die Gesellschaft erzieht ihre Bürger systematisch zur Unmündigkeit

Experten beschweren sich, dass sich die Menschen nicht mehr für Politik interessieren, den Wahlen fernbleiben, sich nicht engagieren. Was für eine Heuchelei. Was wir heute erleben, ist schließlich das Ergebnis Jahrzehnte langer Konditionierung.

Die Gesellschaft erzieht ihre Bürger systematisch zur Unmündigkeit. Genau genommen führt das Wort "Bürger" in die Irre. Konsument passt besser.

Nicht denken, sondern kaufen. Nicht hinterfragen, sondern hinnehmen. Konzerne servieren uns Lügen, die wir gierig schlucken sollen. Geblendet von Werbeversprechen in Dauerbeschallung.

Wenn es nach den Unternehmen geht, scheint der Verbraucher das dümmste Wesen dieser Erde zu sein. Er wird betrogen, hinters Licht geführt, ausgetrickst und manipuliert.

Wer widerspricht, gilt als Störenfried

Den Angaben auf der Verpackung kann er längst nicht mehr trauen - und nimmt es schulterzuckend hin. Wie ironisch ist zum Beispiel die glücklich grasende Kuh auf der Milchpackung! Sie hat mit der Kreatur in den Melkfabriken so viel gemeinsam wie der Kunde mit dem König.

Wer widerspricht, gilt als Störenfried. Schon die Schulen konditionieren uns zur Anpassung. Die Braven spielen mit, aus Angst etwas falsch zu machen. Denn Fehler sind in unserer Gesellschaft eine Sünde. Der britische Autor Sir Ken Robinson fasste es in einem viel beachteten Vortrag so zusammen:

"Wir führen unsere Unternehmen auf diese Weise. Wir stigmatisieren Fehler. Wir betreiben Bildungssysteme, in denen Fehler das Schlimmste sind, das dir passieren kann."

Politiker sind zu Teflonfiguren geworden, die in Zeitungsinterviews Parteiprogramme rezitieren. Unangreifbar, aber auch nicht zu begreifen. Ihre Phrasen sind leer, weil sie den Bürgern gar nicht mehr zutrauen, sich mit Inhalten zu beschäftigen.

Demokratie ist in vielerlei Hinsicht ein Trugbild. Wer mitbestimmen will, stößt auf Hindernisse und Widerstände. Kein Wunder, dass die meisten irgendwann aufgeben. "Es gibt noch immer viele sehr autoritär strukturierte Einrichtungen", sagt der Psychologe Elmar Brähler. "Parteien, Gewerkschaften, Vereine und natürlich auch Schulen ermöglichen nur wenig Beteiligung."

Je weiter die Kluft zwischen den Reichen und allen anderen aufreißt, umso bedrohter ist die Ordnung

Das Freihandelsabkommen ist für Brähler ein Beispiel für schlecht ausgetragene Politik. "Die Verhandlungen wurden vor der Bevölkerung geheimgehalten, damit die Bürger nicht stören. Sie wurden als Querulanten abgestempelt."

Und so sorgen die etablierten Mächte dafür, dass die antriebslosen Massen auf vorgegebenen Pfaden trampeln. Immer weiter, ohne Pause. Dem großen Knall entgegen. Denn je weiter die Kluft zwischen den Reichen und allen anderen aufreißt, umso bedrohter ist die Ordnung.

Warum sind Debatten für uns etwas Lästiges? Warum lassen wir Diskussionen nicht zu? Konflikte sind nichts Negatives - solange sie ausgetragen werden. Die Politik muss lernen, Bürger wieder ernstzunehmen. Sonst wird sie immer mehr Wähler an extreme Kräfte verlieren.

Wer die Menschen zu unmündigen und unreflektierten Wesen erzieht, öffnet den Populisten die Tore. Sie können frustrierte Bürger mit Versprechen und einfachen Lösungen ködern. Wenn es so weit kommt, wird von der Demokratie nichts mehr übrig sein. Lassen wir es nicht so weit kommen.

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(lp)