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Gesetz zum Klimaschutz: Dänemark erwägt Einführung einer Fleisch-Steuer

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HAMBURGER
Kampf gegen Klimawandel: In Dänemark könnte Rindfleisch schon bald teurer werden. | Jupiterimages via Getty Images
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  • Der hohe Fleischkonsum ist einer der Hauptursachen für den Klimawandel
  • Der dänische Ethikrat will deswegen nun eine Fleischsteuer einführen
  • Eine solche Regelung lehnen deutsche Politiker bisher ab

Bei der Fülle an Berichten über bewusste Ernährung in Food Blogs und Tageszeitungen könnte man fast den Eindruck bekommen, mindestens jeder Zweite müsse inzwischen zum Vegetarier geworden sein.

Dabei essen die Menschen so viel Fleisch wie nie zuvor. Mehr als 300 Millionen Tonnen Fleisch produzierte die Industrie 2012 weltweit - und seither steigt die Menge stetig an.

Der hohe Fleischkonsum hat nicht nur erhebliche gesundheitliche Folgen, sondern ist laut Experten auch einer der größten Treiber beim Klimawandel. Schon 2006 stellten Wissenschaftler fest, dass die weltweite Tierhaltung und -produktion für 18 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich ist - und damit klimaschädlicher als das gesamte globale Verkehrsaufkommen.

Zunächst soll nur Rindfleisch besteuert werden

Einige Länder in Europa suchen daher nach einem Weg, die Menschen dazu zu bringen, weniger Fleisch zu essen. Wie sich zeigt, ist das einfacher gesagt als getan; moralische Argumente von Tier- und Umweltschützern lassen einen Großteil der Bevölkerung weitestgehend kalt.

Dänemark will daher zu einer radikaleren Maßnahme greifen. Laut einem Bericht des britischen “Independent” zieht die Regierung eine Fleisch-Steuer in Erwägung.

Damit folgt die Regierung einem Vorstoß des Ethikrats. Der schlägt vor, zunächst nur Rindfleisch zu besteuern und die Regulierung dann auf anderes rotes Fleisch auszuweiten. Längerfristig müsse es eine solche Steuer auf alle Lebensmittel geben. Je nachdem, wie klimaschädlich die Produktion bzw. der Anbau sei, solle die Höhe der Steuer ausfallen.

“Der Lebensstil der Dänen ist weit davon entfernt, nachhaltig und klimafreundlich zu sein”

In einer Abstimmung votierte der Rat mit großer Mehrheit für die Steuer. Laut dem “Independent” wird er sich nun dafür einsetzen, dass die Regierung dem Vorschlag zustimmt.

In einer Pressemitteilung schrieb der Ethikrat, der Klimawandel sei eine direkte Bedrohung für Dänemark. Es reiche nicht länger aus, sich auf die ethischen Bedenken der Konsumenten zu verlassen. So werde das Land nicht die von er UN vorgegebenen Klimaziele erreichen.

“Der Lebensstil der Dänen ist weit davon entfernt, nachhaltig und klimafreundlich zu sein”, heißt es in der Mitteilung. “Wenn wir die Vereinbarung der Klimakonferenz in Paris einhalten wollen, die weltweite Klimaerwärmung bei unter zwei Grad Celsius zu halten, müssen wir schnell handeln. Und wir müssen bei der Ernährung beginnen.”

Dänemark in der Preisstatistik von Fleisch europaweit auf Platz drei

Der Sprecher des Ethikrats, Mickey Gjerris, sagte dem “Independent”: “Der Staat muss ein klares Signal senden, um bei den Menschen ein Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels zu wecken.”

Im europaweiten Vergleich ist Fleisch in Dänemark schon jetzt mit am teuersten. 2014 lag das Land in der Preisstatistik auf Platz drei.

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In Dänemark könnte Rindfleisch bald deutlich teurer werden; Quelle: Getty

Auch in Deutschland warnen vor allem Politiker von SPD und Grünen seit Jahren vor den Folgen des hohen Fleischkonsums. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch in Deutschland übersteigt mit 88,3 Kilogramm im Jahr weltweit den Durchschnitt um das Doppelte.

Dies sei ein riesiges Problem, sagte die Grünen-Sprecherin für Tierschutz, Nicole Maisch, der dpa im Februar. "Wenn alle Menschen so viel Fleisch essen wie hierzulande, bräuchten wir einen zweiten Planeten.”

Die Exzesse der Massentierhaltung und Dumpingpreise müssten ein Ende haben. “Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers", sagte sie.

SPD und Grüne halten Fleischsteuer für falsch

Eine Fleischsteuer halten allerdings sowohl SPD als auch Grüne für den falschen Schritt. “Das Problem mit der Fleischsteuer ist nur, dass damit ein enormer Druck auf die Bäuerinnen und Bauern aufgebaut wird”, sagte Moritz Heuberger, Sprecher der Grünen Jugend, auf Anfrage der Huffington Post.

Sie müssten jetzt schon enormen Anforderungen des Handels gerecht werden, wie beispielsweise beim Milchpreis zu beobachten sei.

Die Regierung müsse das Problem daher von einer anderen Seite angehen. “Wir fordern, dass die Bio-Richtlinien zum Standard werden. Faire und gute Haltung darf kein Luxus bleiben, sondern sollte das Mindeste sein”, sagte Heuberger. “Wenn die Bedingungen für Tierhaltung verbessert werden, dann werden die Preise für Fleisch automatisch ansteigen.”

Steuer kein Mittel gegen Massentierhaltung?

Auch die Tierschutzbeauftragte der SPD-Fraktion, Christina Jantz ist gegen eine Fleischsteuer, wie sie Dänemark nun in Erwägung zieht. Die daraus folgenden höheren Preise könnten zwar die Nachfrage abschwächen, sagte sie der dpa. Zu Verbesserungen in der Massentierhaltung werde es aber nicht zwangsläufig kommen.

Nebeneffekt könnte außerdem mehr soziale Ungleichheit sein. "Während Wohlhabende ihren Fleischkonsum unverändert fortführen können, würden weniger Wohlhabende wesentlich härter von dieser Steuer getroffen”, sagte Jantz.

2012 hatten Schweden sogar eine europaweite Fleisch-Steuer gefordert. Eine dem Landwirtschaftsministerium unterstellte Behörde hatte einen entsprechenden Bericht vorgelegt. Darin hieß es, der Alleingang eines Landes werde das massive Problem der Umweltbelastung nicht lösen. 1,50 Euro pro Kilo Rindfleisch war der Vorschlag. Die Besteuerung sollte laut der Forderung neben Fleisch auch Fisch, Eier und Milch einschließen.

Bisher konnten Verfechter dieses Vorschlags allerdings noch keine Erfolge erzielen. Dänemark könnte das erste Land in Europa sein, das mit der Besteuerung von rotem Fleisch zumindest einen ersten Schritt im Kampf gegen den hohen Fleischkonsum geht - und damit den Menschen bewusst macht, wie akut das Problem tatsächlich ist.

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