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Die große Shampoo-Lüge: Was Verbraucher bei Pflegeprodukten wissen sollten

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HAIR DRYER
Man blow drying hair | Pixland via Getty Images
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Wer kennt die Situation nicht: Man steht vor dem Regal mit Shampoos in einer Drogerie und ist schier am verzweifeln. Dutzende Sorten gibt es dort. Für spröde Haare, für trockene Haare, für gefärbte Haare, für empfindliche Haare, für strapazierte Haare... Außerdem gibt es bei den Shampoos gehörige Preisunterschiede von einigen Euro.

Viele Verbraucher fragen sich: Welches ist nun das richtige Shampoo für mich? Und wie viel muss ein gutes Shampoo kosten?

Einzelne kaputte Haare für Schädigungen verantwortlich

Die Frage, so sagen es viele Experten, ist aber ziemlich überflüssig. Denn den Haaren helfen die unterschiedlichen Shampoos vergleichsweise wenig. "Wenn man das falsche Shampoo oder Conditioner benutzt, dann schadet das den Haaren nicht", sagte die Trichologie (eine Art Haarforscherin) Anabel Kingsley der britischen Zeitung "Daily Mail".

Tatsächlich ist Haarpflege sehr viel komplizierter als Pflegemittelkonzerne den Verbrauchern glauben machen wollen. So fanden Forscher der Universität Bayreuth in Studien heraus, dass Haarschädigungen vor allem durch winzige Beschädigungen einzelner Haare entstehen. Gesunde Haare werden dann durch die Reibung mit den kaputten geschädigt.

Discounter Shampoos nicht schlechter als Edel-Produkte

Die Bayreuther Forscher empfahlen damals, Shampoos zu entwickeln, die Unebenheiten ausgleichen und so die Reibung bei der Berührung von Haaren vermindern. Viele Produkte geben vor dies auch zu tun, nachgewiesen ist die Wirkung vielfach aber nicht.

Um das richtige Shampoo zu finden, kommen Verbraucher deshalb um das Ausprobieren nicht herum. Wichtig sei es, wie sich das Haar nach dem Waschen anfühle, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Markenshampoos schnitten bei Stiftung Warentest teilweise schlechter ab als die Shampoos vom Discounter.

Gleicher Inhalt, höherer Preis

Allerdings gibt es tatsächlich Shampoos, die nachweislich helfen, wie Tests von Stiftung Warentest ergaben: So helfen Anti-Schuppen-Shampoos tatsächlich gegen Schuppen, Shampoos für mehr Volumen schaffen es auch meist. Aber auch hier gilt, wie Holzäpfle sagt: "Ein günstiges Shampoo kann besser zu meinem Haar passen als ein teures."

Ein weiteres Mittel, um den Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen: So brachte Garnier kürzlich Shampoos mit unterschiedlichem Namen und Look auf den Markt. Das eine Produkt kostete 20 Prozent mehr. Wer auf die Inhaltsstoffe schaute, stellte aber fest, dass sich in beiden Shampoos die gleichen Inhaltsstoffe befanden.

Richtige Pflege ist wichtiger als das Shampoo

"Diese versteckte Preiserhöhung ist besonders dreist", sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg damals der "Huffington Post".

Die Hersteller rechtfertigen die höheren Preise für einige Produkte meist mit dem Forschungsaufwand oder einem besonders pominenten Friseurnamen auf der Flasche.

Aber besonders bei Produkten, die besonders viel versprechen sollten die Verbraucher vorsichtig sein, sagt Konrad Giersdorf, ein Chemiker, der für Stiftung Warentest arbeitet. Haare reparieren, wie es so oft in der heißt, kann kein Shampoo, sagt er.

Meist werde für höhere Preise pro Flasche der Forschungsaufwand geltend gemacht, der nötig sei, um besondere Wirkungen zu erzielen. „Oder sie bezahlen den Namen eines prominenten Friseurs oder Designers“, sagt Giersdorf. Versprechen, dass ein Shampoo Haarbruch repariere, sind ihm zufolge nicht zutreffend. "Ist ein Haar kaputt, tritt Spliss auf, kann ich es nicht mehr reparieren“, sagt er.

Heißes Föhnen schadet Haaren

Auch sogenannte Schutzfilme seien „nur Schminke“, sagt Giersdorf. Sie helfen aber nicht von innen. Auch er sagt: „Wer keine gesundheitlichen Probleme hat, kann auch beruhigt ein günstiges Shampoo wählen.“

Viel wichtiger als die Art des Shampoos, da sind sich Experten einig, ist die Pflege des Haares und der Kopfhaut. Viel wichtiger als das Shampoo ist demnach eine Kur, die mehr Pflegestoffe enthält. Außerdem sollten die Haare an der Luft trocknen. Die heiße Luft des Föns schadet den Haaren, besser ist längeres Fönen mit niedriger Temperatur.

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