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Ken Livingstone nach kruder Hitler-These aus der Labour-Partei ausgeschlossen

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  • Der ehemalige Bürgermeister Londons, Livingstone, hatte Hitler indirekt als Zionisten bezeichnet
  • Seine Partei hat ihn dafür nun ausgeschlossen

Der britische Labour-Politiker und ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone hat mit kruden Thesen über die Nationalsozialisten seine Kollegen gegen sich aufgebracht. Und ist dafür am Donnerstagnachmittag aus der Partei ausgeschlossen worden.

Der Parlamentarier Livingstone, der als Vertrauter des Parteichefs Jeremy Corbyn gilt, sagte im BBC Radio London: „Als Hitler 1932 die Wahl gewann, war seine Politik, dass Juden dazu gebracht werden sollten, nach Israel zu ziehen. Er unterstützte den Zionismus, bevor er durchdrehte und sechs Millionen Juden umbrachte.“

Zionismus ist eine Ende des 19. Jahrhunderts entstandene jüdische Bewegung, die einen selbstständigen Staat für Juden in Palästina anstrebte. Heute wird darunter eine Strömung im Judentum verstanden, die sich für ein starkes und größeres Israel einsetzt.

Livingstone hatte über das Thema gesprochen, als er seine Parteikollegin Naz Shah verteidigte. Sie war am Dienstag aus der Partei ausgeschlossen worden. Die Partei hielt frühere Facebook-Posts von ihr für inakzeptabel, in denen sie vorgeschlagen hatte, dass man doch die Bevölkerung Israels in die USA verlegen solle, um den Israel-Palästina-Konflikt zu lösen.

Livingstones Äußerungen hatten zu einem öffentlichen Disput mit seinem Parteikollegen John Mann geführt. Dieser warf Livingstone in einem BBC-Interview vor, die Geschichte umzuschreiben und Hass zu verbreiten.

Livingstone wies die Vorwürfe im Interview zurück. Mann ärgerte das so, dass er vor Wut rot anlief.

„Hitler war kein Zionist“, sagte Mann. „Hitler hat jeden Versuch von Juden, ins damalige Palästina zu gelangen, unterbunden.“
Livingstone verteidigte sich: „Ich habe nicht gesagt, dass Hitler ein Zionist war. Ich habe gesagt, dass seine Politik 1932 war, deutsche Juden nach Israel zu bringen.“

Die beiden hatten sich bereits vor dem BBC-Interview gestritten, wie Material des Sender ITV zeigt. „Sie sind ein Lügner und ein Rassist. Ein Nazi-Leugner“, hatte Mann geschimpft. „Gehen Sie und überprüfen Sie, was Hitler gemacht hat. Es gibt da ein Buch mit dem Titel ,Mein Kampf’.“

Livingstone wiederum hatte gesagt: „Ein gewalttätiges Parlamentsmitglied bedroht mich.“

Der Druck auf die Labour-Führung, hart durchzugreifen, war groß. Premier David Cameron (Konservative) hatte die Äußerungen der Oppositionspolitiker zum Anlass genommen, von einem Antisemitismus-Problem der Labour-Partei zu sprechen.