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Das passiert mit Kindern, die ab und zu einen Klaps bekommen

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Das passiert mit Kindern, die ab und zu einen Klaps bekommen | PhotoAlto/Sandro Di Carlo Darsa via Getty Images
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Wenn man Eltern fragt, ob sie ihre Kinder schlagen, würden die meisten vermutlich empört reagieren. Dass Kinder nicht geschlagen werden sollten, ist glücklicherweise inzwischen den meisten Papas und Mamas bewusst.

Doch wie sieht es mit einem kleinen Klaps aus? Der hat doch noch niemandem geschadet, oder?

Die meisten Eltern scheinen das zu glauben. Denn wie ein Unicef-Bericht aus dem Jahr 2014 zeigt, haben 80 Prozent aller Eltern auf der Welt ihren Kindern schon mal einen Klaps verpasst.

Natürlich muss ein Klaps nicht zwangsläufig weh tun. Oft soll er einfach das Signal sein, dass ein Kind mit seinem Benehmen zu weit gegangen ist. Er soll dem Kind Grenzen aufzeigen.

In Wahrheit ist es eine Methode, mit der Eltern es sich leicht machen - während ihre Kinder zum Teil ein Leben lang unter den Folgen leiden.

Auch leichte Schläge wirken sich auf die Entwicklung von Kindern aus

Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine Meta-Analyse von Studien aus 50 Jahren Forschungsarbeit gekommen. Wissenschaftler der University of Texas und der University of Michigan haben die Ergebnisse zusammengetragen und in der Fachzeitschrift "Journal of Family Psychology” veröffentlicht.

Insgesamt wurden mehr als 160.000 Kinder im Hinblick darauf untersucht, welche Auswirkungen ein gelegentlicher Klaps auf ihre Entwicklung hat.

“Wir haben herausgefunden, dass es schädliche Auswirkungen hat und nicht dazu führt, dass Kinder sich sofort oder auf lange Sicht besser benehmen, was Eltern meist erreichen wollen, wenn sie ihren Kindern einen Klaps geben”, sagte Elizabeth Gershoff, Co-Autorin der Studie.

Zwar glaubten die meisten Eltern, dass ein Klaps etwas völlig anderes sei als harte Schläge, doch wie sich zeigte, hat beides “dieselben negativen Auswirkungen auf Kinder, in nur etwas geringerem Maße”, sagte Gershoff.

50 Jahre Forschung mit eindeutigem Ergebnis

Bei der Analyse von 50 Jahren Forschungsarbeit zu dem Thema konnte kein einziger Vorteil von gelegentlichen Schlägen festgestellt werden. Dafür aber viele negative.

Kinder, die regelmäßig einen Klaps bekommen, widersetzen sich ihren Eltern demnach häufiger. Sie sind aggressiver und unsozialer. Der Grund dafür ist naheliegend:

“Die Ironie ist, dass die meisten Eltern ihren Kindern einen Klaps geben, wenn sie aggressiv sind. Das Kind lernt daraus, dass man schlagen sollte, um das zu bekommen, was man möchte”, erklärte Gershoff dem amerikanischen Sender CBS.

Neben Verhaltensauffälligkeiten gehören auch psychische Probleme und kognitive Schwierigkeiten zu den möglichen Folgen dieser Erziehungsmaßnahme.

Kinder, die häufig einen Klaps bekommen sind dümmer

Das kann sich auch auf den Intelligenzquotienten von Kinder auswirken, wie eine Studie der University of New Hampshire aus dem JAhr 2009 zeigte. Die Wissenschaftler hatten mehr als 1500 Kinder und ihre Eltern über vier Jahre hinweg beobachtet.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder zwischen zwei und vier Jahren, die regelmäßig einen Klaps bekamen, einen im Durchschnitt fünf Punkte niedrigeren IQ hatten als Kinder, die nicht geschlagen wurden.

“Je öfter der sie einen Klaps auf den Po bekommen, desto langsamer ist die geistige Entwicklung von Kindern”, fasste Professor Murray Straus, der die Studie leitete, zusammen.

Jedes zweite Kind in Deutschland wird geschlagen

Wie verbreitet Schläge als Erziehungsmaßnahme noch immer sind, hat eine Forsa-Umfrage der Zeitschrift “Eltern” aus dem Jahr 2012 gezeigt.

Bei der repräsentativen Studie wurden über 1000 deutsche Eltern befragt. Das erschreckende Ergebnis: 40 Prozent der Eltern geben zu, ihren Kindern einen Klaps zu geben. Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit höher.

Dass sie ihre Kinder “schlagen” ist jedoch den wenigsten Eltern wirklich bewusst:

“Wir benutzen das Wort ‘Klaps’ als Euphemismus, um uns damit besser zu fühlen. Aber es ist immer noch schlagen. Man kann einen Klaps nicht beschreiben, ohne das Wort ‘schlagen’ zu benutzen”, sagte Gershoff.

Erziehen ohne Gewalt

Eltern können ihre Kinder auch disziplinieren, ohne körperliche Gewalt anzuwenden, davon ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

“Kinder sollten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben und belohnt werden wenn sie das Richtige tun - nicht bestraft werden, wenn sie etwas Falsches tun.”

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Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

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